Fahrerlose Taxis sind vom Testlabor in den urbanen Alltag gewechselt. In mehreren Städten weltweit verkehren sie bereits kommerziell, teils ohne Sicherheitsfahrer. Auch die Schweiz bereitet den Einstieg vor. Der Blick auf internationale Erfahrungen zeigt, was möglich ist und wo die Grenzen noch liegen.
In den USA gilt der Westen als Vorreiter. In Phoenix verkehren fahrerlose Taxis seit Jahren im Alltagsbetrieb, inzwischen auch in Teilen der San Francisco Bay Area, in Los Angeles, Phoenix, Austin und Atlanta. Betreiber ist Waymo, ein Tochterunternehmen von Alphabet. Die Fahrzeuge fahren dort ohne Sicherheitsfahrer, Fahrten werden per App gebucht und sind Teil des regulären Verkehrs. Auch Las Vegas zählt zu den frühen Einsatzorten: Auf dem Strip testet Zoox, ein Amazon-Unternehmen, autonome Fahrzeuge in einem klar abgegrenzten Gebiet.
China ist der zweite grosse Schauplatz. Seit dem Start von Apollo Go im Jahr 2020 fahren in Millionenstädten wie Wuhan und Chongqing sowie weiteren 13 Städten autonome Taxis bereits ohne Fahrer am Steuer. Die Dienste sind öffentlich buchbar und werden von den lokalen Behörden aktiv unterstützt. China setzt damit bewusst auf schnelle Skalierung im urbanen Raum, um Erfahrung mit autonomen Flotten zu sammeln. Die Flotte und Reichweite wurde bis Mai 2025 mit 1.000 selbstfahrenden Fahrzeugen auf über 11 Millionen Fahrten für Fahrgäste ausgebaut.
Weitere Projekte existieren in Singapur, in einzelnen japanischen Städten sowie im Nahen Osten, etwa in Abu Dhabi. Gemeinsam ist all diesen Standorten, dass die Fahrzeuge zunächst in definierten Zonen verkehren und ihre Einsatzgebiete schrittweise erweitert werden.
Erfahrungen aus dem Alltag
Die bisherigen Erfahrungen sind ambivalent. Nutzer berichten von ruhigen, berechenbaren Fahrten und hoher Regelkonformität. Gerade im dichten Stadtverkehr fahren Robotaxis defensiver als menschliche Fahrer. Betreiber verweisen auf Millionen autonom zurückgelegter Kilometer und auf Unfallraten, die unter jenen menschlicher Fahrer liegen.
Gleichzeitig zeigt der Alltag auch die Grenzen der Technologie. Komplexe Verkehrssituationen, Baustellen, unklare Handzeichen oder extreme Wetterlagen bleiben anspruchsvoll. In San Francisco geriet der Anbieter Cruise nach mehreren Zwischenfällen unter Druck, darunter ein schwerer Unfall mit einer Fussgängerin. Die Folge waren temporäre Fahrverbote und ein deutlicher Rückschritt im Ausbau. Diese Ereignisse haben die regulatorische Debatte weltweit verschärft und verdeutlicht, dass autonome Mobilität politisch sensibel bleibt.
Sicherheit und Haftung im Fokus
Unfälle mit autonomen Taxis sind bislang selten, aber sie haben eine hohe mediale Wirkung. Genau deshalb stehen Sicherheitskonzepte, Überwachung aus der Ferne und klare Haftungsregeln im Zentrum der Diskussion. In den meisten Märkten haften die Betreiber und nicht die Fahrgäste. Versicherer beobachten die Entwicklung aufmerksam, da sich Risikoprofile, Schadenshäufigkeiten und Verantwortlichkeiten grundlegend verändern dürften.
Und die Schweiz?
Auch hierzulande rückt der fahrerlose Verkehr näher. Seit 2025 erlaubt der gesetzliche Rahmen in der Schweiz den Betrieb automatisierter Fahrzeuge ohne Fahrer, sofern sie behördlich genehmigt sind und in klar definierten Einsatzgebieten verkehren. Erste Pilotprojekte laufen, unter anderem im Umfeld des Swiss Transit Lab, wo autonome Taxis in suburbanen Gemeinden getestet werden.
Parallel dazu bereiten sich öffentliche Anbieter vor. PostAuto plant, ab 2027 fahrerlose Fahrzeuge insbesondere in ländlichen Regionen einzusetzen, um die letzte Meile effizienter abzudecken. Testfahrten starteten bereits im Dezember 2025. Internationale Anbieter prüfen den Markteintritt, zunächst nicht in den großen Städten, sondern in überschaubaren Gebieten mit geringer Verkehrsdichte.
Ein schrittweiser Übergang
Breit verfügbare Robotaxis in Städten wie Zürich oder Basel sind kurzfristig nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist ein stufenweiser Ausbau mit Pilotzonen, begrenzten Betriebszeiten und enger Aufsicht. Die internationalen Erfahrungen zeigen: Technologisch ist vieles möglich, gesellschaftlich und regulatorisch braucht es Zeit.
Änderungen für die Versicherungswirtschaft
Die Einführung fahrerloser Autos wird die Mobilität und Versicherungswirtschaft grundlegend verändern. Sinkende Unfallzahlen stellen klassische Risikomodelle und Prämienstrukturen infrage, während neue Haftungsfragen Hersteller, Softwareanbieter und Fahrzeughalter betreffen. Für Schweizer KMU ergeben sich daraus sowohl Anpassungsdruck als auch Chancen: Wer früh in digitale Kompetenzen, neue Geschäftsmodelle und Kooperationen investiert, kann sich in einer sich rasch wandelnden Wertschöpfungskette erfolgreich positionieren.
Fahrerlose Taxis kommen nicht abrupt, sondern leise, Abschnitt für Abschnitt. Und genau darin liegt ihre grösste Herausforderung.
Binci Heeb
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