Brandschutz, Taggeld, Wachstum: Die Versicherer setzen auf Regulierung statt Regulativflut

Der Schweizerische Versicherungsverband ordert nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana eine Überprüfung der Brandschutzvorschriften, reformiert gleichzeitig die Krankentaggeldversicherung und meldet stabiles Wachstum. Die Branche will damit zeigen: Versicherbarkeit entsteht nicht durch […]


Brandschutz, Taggeld, Wachstum: Sicherheit durch Regeln, aber nicht durch mehr Regeln.

Brandschutz, Taggeld, Wachstum: Sicherheit durch Regeln, aber nicht durch mehr Regeln.

Brandschutz, Taggeld, Wachstum: Sicherheit durch Regeln, aber nicht durch mehr Regeln.

Der Schweizerische Versicherungsverband ordert nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana eine Überprüfung der Brandschutzvorschriften, reformiert gleichzeitig die Krankentaggeldversicherung und meldet stabiles Wachstum. Die Branche will damit zeigen: Versicherbarkeit entsteht nicht durch neue Pflichtsysteme, sondern durch funktionierende Rahmenbedingungen.

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana bildet den politischen Hintergrund der diesjährigen Medienkonferenz des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV). Präsident Stefan Mäder stellte dabei eine klare Diagnose: Die Diskussion dürfe sich nicht um die Organisationsform der Gebäudeversicherung drehen, sondern um die Qualität der Vorschriften und deren Umsetzung.

Aus Sicht der Versicherer liegt das Risiko nicht in der Marktstruktur, sondern in der praktischen Durchsetzung. Eine Ausweitung staatlicher Monopollösungen würde daher das eigentliche Problem verfehlen. Entscheidend sei vielmehr, ob Sicherheitsnormen im Alltag verständlich, überprüfbar und anwendbar bleiben.

Der SVV fordert deshalb eine Überprüfung der revidierten Brandschutzrichtlinien. Hohe Sicherheitsstandards seien unbestritten notwendig, doch die Regeln müssten operativ umsetzbar bleiben. Ein überkomplexes Normensystem könne paradoxerweise selbst zum Sicherheitsrisiko werden, weil Verantwortlichkeiten verschwimmen und Kontrollen erschwert werden.

Wenn Regulierung selbst zum Risiko wird

Die Argumentation folgt einer klassischen Risikomanagement-Logik: Sicherheit entsteht weniger durch zusätzliche Vorschriften als durch klare Prozesse. Werden Regelwerke zu detailliert, verlagert sich die Aufmerksamkeit von der tatsächlichen Gefahrenprävention hin zur formalen Compliance.

Gerade im Brandschutz treffen technische Normen auf praktische Realität – Bauwirtschaft, Betreiber, Behörden und Versicherer müssen dieselben Regeln verstehen und anwenden können. Der Verband plädiert daher für eine erneute technische Prüfung der Richtlinien und eine sorgfältige Auswertung der Rückmeldungen aus der Praxis, bevor die Revision endgültig umgesetzt wird.

Reform aus Eigeninitiative beim Krankentaggeld

Während sich der SVV beim Brandschutz an den Gesetzgeber richtet, handelt die Branche im Bereich Krankentaggeld selbst. Hintergrund sind steigende krankheitsbedingte Arbeitsausfälle und die wachsende Bedeutung der Taggeldversicherung als Bindeglied zwischen Arbeitgeber-Lohnfortzahlung und Sozialversicherungssystem.

Das überarbeitete Freizügigkeitsabkommen soll künftig verhindern, dass Unternehmen bei einem Versichererwechsel ohne Deckung dastehen oder in Streitfällen Leistungen verzögert werden. Bei Unklarheiten zwischen bisherigem und neuem Versicherer übernimmt zunächst der bisherige Anbieter die Zahlung, bis die Zuständigkeit geklärt ist. Gleichzeitig erhalten Unternehmen, die unverschuldet keinen Versicherer finden, eine Auffanglösung innerhalb des Systems.

Die Reform soll Anfang 2027 in Kraft treten und verfolgt ein klares Ziel: Stabilisierung des Systems ohne staatliches Obligatorium.

Wachstum in einem veränderten Risikoumfeld

Die Marktentwicklung 2025 bestätigt nach Einschätzung des Verbandes die Rolle der Versicherer als wirtschaftlicher Puffer. Besonders im Nichtleben-Bereich führte die Teuerung bei Bau- und Reparaturkosten zu steigenden Prämienvolumen, während Kranken- und Unfallversicherungen moderat zulegten und das Lebensgeschäft stabil blieb.

Gleichzeitig verschiebt sich die Risikolandschaft. Cyberangriffe, Naturgefahren und langfristige Arbeitsunfähigkeit gewinnen gegenüber klassischen Einzelschäden an Bedeutung. Gerade in diesen Bereichen besteht weiterhin eine deutliche Unterversicherung, was den Bedarf an marktbasierten Lösungen erhöht.

Die strategische Botschaft

Die verschiedenen Themen der Medienkonferenz folgen einer gemeinsamen Linie. Gegenüber der Politik fordert die Branche einfachere und praktikablere Regulierung. Innerhalb des Marktes baut sie koordinierte Lösungen aus, um Versicherungslücken selbst zu schliessen. Und wirtschaftlich positioniert sie sich als Träger neuer Risiken.

Der implizite Kern der Botschaft lautet: Solange Versicherbarkeit funktioniert, braucht es keine neuen Pflichtsysteme. Die aktuelle Strategie der Versicherer zielt genau darauf ab, diese Funktionsfähigkeit zu sichern.

Binci Heeb

Lesen Sie auch: Michael Hartmann übernimmt Geschäftsführung der SVV Solution AG


Tags: #Brandschutzvorschriften #Durchsetzung #Gefahrenprävention #Krankentaggeldversicherung #Regeln #Risikomanagement #Sicherheit #Sicherheitsnormen #SVV