KI-Boom auf Pump

Die KI-Revolution liefert Wachstum, Kursgewinne und Rekordexporte. Doch wer genauer hinschaut, sieht ein Geflecht aus Schulden, gegenseitigen Abhängigkeiten und sehr optimistischen Erwartungen. Swiss Life Asset Managers hat in der aktuellen […]


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Der Befund von Swiss Life Asset Managers ist weniger euphorisch als die Quartalszahlen.

Der Befund von Swiss Life Asset Managers ist weniger euphorisch als die Quartalszahlen.

Der Befund von Swiss Life Asset Managers ist weniger euphorisch als die Quartalszahlen.

Die KI-Revolution liefert Wachstum, Kursgewinne und Rekordexporte. Doch wer genauer hinschaut, sieht ein Geflecht aus Schulden, gegenseitigen Abhängigkeiten und sehr optimistischen Erwartungen. Swiss Life Asset Managers hat in der aktuellen «Perspektiven»-Spezialausgabe nachgerechnet und kommt zu einem Befund, der weniger euphorisch klingt als die Quartalszahlen.

Die riesigen Investitionsankündigungen der Hyperscaler suggerieren, Rechenzentren würden die US-Wirtschaft tragen. Die Zahlen sagen etwas anderes. Rechenzentren machen nur 3,8 Prozent der US-Bauausgaben aus. Hardware-Investitionen erklären zwar 19 Prozent des US-Wachstums seit Anfang 2025, doch rund 80 Prozent dieser Ausgaben fliessen wegen der Importabhängigkeit ins Ausland ab. Die These, die USA wären ohne KI 2025 in eine Rezession gerutscht, halten die Ökonomen Damian Künzi und Josipa Markovic deshalb für unhaltbar.

Wirklich spürbar ist der Effekt anderswo: an der Börse. Das Nettovermögen der US-Haushalte stieg von 358 auf 404 Prozent des BIP, die Sparquote sank auf 4 Prozent. Die Amerikaner konsumieren, weil sie sich reich fühlen. Das funktioniert, solange die Kurse halten. Eine starke Korrektur bei KI-Aktien würde laut Studie erhebliche Rezessionsrisiken nach sich ziehen.

Die eigentlichen Gewinner sitzen in Asien

Am meisten profitieren Südkorea und Taiwan. Zwischen Januar und Juli 2026 erreichten ihre Exporte mit 595 beziehungsweise 493 Milliarden Dollar Rekordwerte, getrieben von Halbleitern. Auch Malaysia, Singapur, Vietnam und Thailand verdienen mit, Mexiko ist zum viertgrössten Prozessorexporteur der Welt aufgestiegen. Historisch dauerten Halbleiterzyklen vom Hoch zum Tief zwei bis drei Jahre. Diesmal könnte es länger gehen, weil KI keinen offensichtlichen Sättigungspunkt hat und billigere Rechenleistung die Nachfrage eher anheizt als dämpft. Überinvestitionen und Chinas Aufholjagd bleiben aber reale Risiken.

Ein Aktienmarkt am KI-Tropf

Rund die Hälfte des US-Aktienmarkts hängt inzwischen an KI-Titeln. Hyperscaler und Infrastrukturfirmen dürften zwischen 2026 und 2028 etwa 65 Prozent des US-Gewinnwachstums liefern. Ohne sie läge das mediane Gewinnwachstum bei rund 15 Prozent. Andreas Homberger, Head Quantitative Equities, sieht das Problem weniger in den aktuellen Bewertungen als in den Erwartungen dahinter: verdoppelte Umsätze, verdreifachte Investitionen und Margen, die dauerhaft weit über dem Markt liegen. Das ist historisch kaum einem Grosskonzern über längere Zeit gelungen.

Besonders heikel ist die Lage der Frontier-Labs. OpenAI und Anthropic dürften 2027 gemeinsam rund 200 Milliarden Dollar umsetzen, aber hoch unprofitabel bleiben. Allein OpenAI wird bis 2030 voraussichtlich rund 280 Milliarden Dollar verbrennen. Nvidia hat über 100 Milliarden direkt in KI-Firmen investiert und ist faktisch zur «Zentralbank» des Ökosystems geworden, nur ohne die Fähigkeit, Liquidität zu schaffen. Kann ein grosser Abnehmer seine Verpflichtungen nicht erfüllen, trifft das die ganze Kette. Den Belastungstest erwartet Swiss Life AM im zweiten Halbjahr 2027, wenn neue Rechenkapazitäten ans Netz gehen.

Eine Billion Dollar Schulden in zwölf Monaten

Bis Herbst 2025 wurde KI vorwiegend mit Eigenkapital finanziert. Heute ist der Kreditmarkt mit rund einer Billion Dollar «KI-Schulden» geflutet, von Investment-Grade-Anleihen über Data-Center-ABS bis zu Direct Lending. Valeriy Petrov, Co-Head Portfolio Strategy, warnt vor dem Blick auf Einzeldeals: Viele Gegenparteien gelten als unabhängig, sind aber eng verflochten. Das Stargate-Projekt zeigt es exemplarisch. OpenAI ist der einzige Kunde und hat sich ab 2027 zu 300 Milliarden Dollar Rechenleistung verpflichtet, 250 Milliarden davon sind von Nvidia abgesichert. Oracle trägt am Ende das Kreditrisiko von OpenAI.

Petrovs Fazit ist nüchtern: Der Nutzen der KI dürfte vor allem den Aktionären zugutekommen, nicht den Gläubigern. Swiss Life AM empfiehlt deshalb Selektivität bei KI-Krediten und eine Ergänzung des Aktienengagements durch Dividenden- und europäische Titel.

Was bleibt

Die KI-Nachfrage ist real, die Gewinne sind es auch. Doch ein Boom, der zunehmend auf Kredit läuft und an wenigen Kunden hängt, verlangt von Anlegern und Versicherern als institutionellen Investoren mehr als Begeisterung. Gefragt ist das, was kein Modell automatisieren kann: die Frage, wer am Ende das Risiko trägt.


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