Autonom gegen den Fahrermangel

Der Personalmangel im Transportsektor entwickelt sich in der Schweiz zu einer strukturellen Herausforderung. Während Bus- und Lastwagenfahrer fehlen, wächst gleichzeitig das Verkehrsaufkommen. Fachleute sehen in autonomen Fahrzeugen deshalb weniger eine […]


Autonom gegen den Fahrermangel: «Autonome Fahrzeuge können keine Fahrer ersetzen, entlasten aber dort, wo das Personalaufkommen nicht ausreicht»: Stefan Krogh-Hansen, CEO Holo. ©Holo

Autonom gegen den Fahrermangel: «Autonome Fahrzeuge können keine Fahrer ersetzen, entlasten aber dort, wo das Personalaufkommen nicht ausreicht»: Stefan Krogh-Hansen, CEO Holo. ©Holo

Autonom gegen den Fahrermangel: «Autonome Fahrzeuge können keine Fahrer ersetzen, entlasten aber dort, wo das Personalaufkommen nicht ausreicht»: Stefan Krogh-Hansen, CEO Holo. ©Holo

Der Personalmangel im Transportsektor entwickelt sich in der Schweiz zu einer strukturellen Herausforderung. Während Bus- und Lastwagenfahrer fehlen, wächst gleichzeitig das Verkehrsaufkommen. Fachleute sehen in autonomen Fahrzeugen deshalb weniger eine Zukunftsvision als ein notwendiges Ergänzungsinstrument zur Stabilisierung der Mobilität.

Die Schweizer Transportbranche steht vor einem demografischen Engpass. Viele Fahrer erreichen in den kommenden Jahren das Rentenalter, während zu wenig Nachwuchs nachrückt. Laut Swiss Skills Shortage Index gehört der Transportsektor bereits heute zu den Bereichen mit dem grössten Arbeitskräftemangel. Die Folgen zeigen sich zunehmend im Alltag: ausgedünnte Fahrpläne, schwer zu besetzende Linien und steigende Kosten im Güterverkehr.

Neueinstellungen allein werden diese Entwicklung nicht auffangen können. Gefragt sind neue Betriebsmodelle. «Der Fahrermangel ist kein Problem, das wir nur durch Rekrutierung lösen können», sagt Mobilitätsexperte Stefan Krogh-Hansen, CEO von Holo. Technologie könne dort entlasten, wo Personal schlicht nicht mehr verfügbar sei.

Autonome Flotten als Ergänzung

Autonomes Fahren erhält damit eine andere Rolle als oft angenommen: nicht Ersatz, sondern Ergänzung. Simulationen der ETH Zürich zeigen, dass geteilte autonome Flotten das Fahrzeugaufkommen deutlich reduzieren könnten, vor allem durch bessere Auslastung und weniger Leerfahrten. Besonders auf schwach frequentierten Linien, in Randzeiten oder auf festen Routen im Gütertransport entstehen wirtschaftliche Einsatzfelder. Gerade dort, wo Fahrten heute aus Kostengründen eingestellt werden, kann Automatisierung Mobilität sichern.

Anspruchsvolles Testumfeld Schweiz

Die Schweiz gilt technologisch als geeignetes, zugleich aber anspruchsvolles Einsatzgebiet. Komplexe Verkehrssituationen, Winterbedingungen und viele ungeschützte Verkehrsteilnehmer erhöhen die Anforderungen erheblich. Robotik-Forscher Roland Siegwart sieht deshalb zunächst klar definierte Einsatzbereiche wie Autobahnen oder standardisierte Shuttle- und Logistikstrecken. Steigendes Verkehrsaufkommen lasse sich langfristig kaum allein mit Infrastruktur lösen, Effizienz werde entscheidend.

Reguliert, aber noch im Aufbau

Mit der Verordnung über das automatisierte Fahren verfügt die Schweiz seit März 2025 über einen rechtlichen Rahmen. Führerlose Fahrzeuge sind erlaubt, doch die praktische Umsetzung steht erst am Anfang. Genehmigungsverfahren, Sicherheitsstandards sowie Haftungs- und Versicherungsfragen müssen sich im Betrieb bewähren. Pilotprojekte sollen reale Erfahrung schaffen und Vertrauen aufbauen.

Autonomes Fahren entwickelt sich damit weniger zum Disruptionsszenario als zu einem neuen Infrastrukturbaustein. Ziel ist nicht maximale Automatisierung, sondern die Aufrechterhaltung eines funktionierenden Verkehrssystems, besonders dort, wo künftig zu wenige Hände am Steuer sitzen.


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