Im Spannungsfeld von Krise und Fortschritt: Mein Rückblick und Ausblick

2025 war ein Jahr der Zumutungen. Geopolitische Gewissheiten erodierten, wirtschaftliche Spannungen nahmen zu, und technologische Sprünge stellten ganze Branchen vor neue Realitäten. Die Versicherungsindustrie – global wie in der Schweiz […]


Im Spannungsfeld von Krise und Fortschritt mit meinem Rückblick auf 2025 und einem Ausblick auf 2026.

Im Spannungsfeld von Krise und Fortschritt mit meinem Rückblick auf 2025 und einem Ausblick auf 2026.

Im Spannungsfeld von Krise und Fortschritt mit meinem Rückblick auf 2025 und einem Ausblick auf 2026.

2025 war ein Jahr der Zumutungen. Geopolitische Gewissheiten erodierten, wirtschaftliche Spannungen nahmen zu, und technologische Sprünge stellten ganze Branchen vor neue Realitäten. Die Versicherungsindustrie – global wie in der Schweiz – stand im Epizentrum dieser Entwicklungen. Ein Rückblick auf ein schwieriges Jahr und ein nüchterner Ausblick auf 2026.

Das vergangene Jahr war geprägt von einer spürbaren Verschiebung der globalen Machtachsen. Die USA wandten sich in ihrer Aussen- und Handelspolitik zunehmend nach innen. Europa verlor nicht nur einen verlässlichen politischen Taktgeber, sondern sah sich auch mit neuen Handelsbarrieren konfrontiert. Die vom US-Präsidenten verhängten Zölle trafen nicht nur die EU, sondern indirekt auch die exportorientierte Schweiz.

Der russisch-ukrainische Krieg begann bereits 2014 mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland und eskalierte anschliessend im Donbass. Ab Sommer 2021 bereitete Russland den nächsten Eskalationsschritt vor und startete am 24. Februar 2022 einen umfassenden Angriff auf die Ukraine. Dieser Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ging mit massiven humanitären, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen in ein weiteres Jahr. Energiepreise, Lieferketten, Inflation und Kapitalmärkte blieben volatil. Planungssicherheit wurde zur knappen Ressource.

Warum 2025 so schwierig war

Die Gleichzeitigkeit der Krisen machte das Jahr besonders herausfordernd. Politische Unsicherheit, wirtschaftliche Abkühlung, regulatorische Dynamik und technologische Disruption wirkten nicht nacheinander, sondern parallel. Für Unternehmen bedeutete dies: Entscheidungen mussten unter hoher Unsicherheit getroffen werden, oft ohne belastbare historische Vergleichswerte.

Für Versicherer kam hinzu, dass klassische Risikomodelle an ihre Grenzen stiessen. Geopolitische Risiken, CyberbedrohungenKlimaschäden und soziale Spannungen liessen sich immer weniger isoliert betrachten. Im Gegenteil, sie verstärkten sich gegenseitig.

Die Versicherungsindustrie weltweit: Anpassung unter Druck

International war 2025 ein Jahr der strategischen Neujustierung. Rückversicherer reagierten auf steigende Schadenlasten mit höheren Prämien und restriktiveren Zeichnungsrichtlinien. Naturkatastrophen, geopolitische Risiken und Cyberangriffe führten zu einer Neubewertung von Aggregatrisiken.

Gleichzeitig beschleunigte sich die Konsolidierung. Skaleneffekte, Datenkompetenz und Kapitalstärke wurden zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Versicherer investierten stärker in Technologie, aber auch in Resilienz: robustere Kapitalmodelle, diversifizierte Portfolios und engere Zusammenarbeit mit Regulatoren.

Die Schweiz: Stabil, aber nicht immun

Die Schweizer Versicherungsbranche zeigte sich vergleichsweise stabil, profitierte von soliden Kapitalpuffern und einem verlässlichen regulatorischen Umfeld. Dennoch blieb auch sie nicht unberührt. Internationale Handelskonflikte, Währungsbewegungen und globale Schadenentwicklungen wirkten direkt auf Prämien, Rückversicherungskosten und Anlageergebnisse.

Zudem stieg der Druck auf Geschäftsmodelle: Kunden erwarten schnellere, digitalere und transparentere Lösungen. Gleichzeitig nehmen regulatorische Anforderungen zu. Insbesondere zu finden in den Bereichen Nachhaltigkeit, Daten und Governance.

Künstliche Intelligenz: Grosse Schritte, neue Fragen

2025 war ein Jahr des Lernens für KI im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. In der Versicherungswirtschaft machte KI deutliche Fortschritte in der Schadenbearbeitung, Betrugserkennung, Risikoselektion und im Kundenservice. Automatisierung wurde präziser, Vorhersagemodelle leistungsfähiger, Entscheidungsprozesse schneller.

Gleichzeitig traten die Grenzen klarer zutage. Verzerrte Datensätze, mangelnde Erklärbarkeit und regulatorische Unsicherheiten zeigten, dass technologische Machbarkeit nicht gleichbedeutend ist mit gesellschaftlicher oder ethischer Akzeptanz. Besonders sensibel bleibt der Einsatz von KI in underwriting-nahen Entscheidungen und in der Leistungsprüfung.

Wo wir aufpassen müssen

Die zentrale Herausforderung liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer Anwendung. KI darf kein Black Box-Ersatz für Verantwortung werden. Versicherer müssen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und menschliche Kontrolle sicherstellen. Zudem stellt sich die Frage der Abhängigkeit: Wer kontrolliert die Modelle, die Daten, die Infrastruktur?

Für die Branche bedeutet dies: Investitionen in KI müssen begleitet werden von Investitionen in Governance, Qualifikation und Kultur.

Der Blick nach vorn: Was erwartet uns 2026?

Weltpolitisch ist keine schnelle Entspannung zu erwarten. Die Fragmentierung der Weltwirtschaft dürfte anhalten, geopolitische Risiken bleiben hoch. Europa wird stärker gezwungen sein, strategische Eigenständigkeit wirtschaftlich wie auch sicherheitspolitisch zu entwickeln. Die Schweiz wird sich weiterhin zwischen globaler Vernetzung und politischer Neutralität positionieren müssen.

Für die Versicherungsindustrie bedeutet 2026 ein Jahr der weiteren Transformation. Themen wie Klimarisiken, Cyberresilienz, Altersvorsorge und Gesundheitssysteme gewinnen weiter an Bedeutung. KI wird mit klareren Regeln und höherem Erwartungsdruck vom Innovationsprojekt zum operativen Standard.

Mein Fazit

2025 war schwierig, weil es alte Gewissheiten erschüttert und neue Anforderungen geschaffen hat. 2026 wird nicht einfacher, aber klarer. Die Versicherungsbranche hat die Chance, sich als stabilisierende Kraft in einer instabilen Welt zu positionieren. Vorausgesetzt, sie verbindet technologische Innovation mit Verantwortung, Resilienz mit Weitsicht.

Binci Heeb

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