Die Februar-Ausgabe der Perspektiven Konjunktur & Finanzmärkte von Swiss Life Asset Managers zeigen solide Unternehmensgewinne, tiefe Rezessionsrisiken und eine überraschend robuste Binnenkonjunktur prägen den Start ins Jahr 2026. Doch hinter der Stabilität stehen strukturelle Verschiebungen: staatliche Ausgaben treiben Europas Wachstum, die USA konsumieren auf Kosten der Ersparnisse und in der Schweiz sorgt Stromimport für eine ungewöhnliche Belastung der Handelsbilanz.
An den Obligationenmärkten dominiert weiterhin das «Risk-on»-Umfeld. Die Spreads bleiben eng, weil Investoren kaum mit einer kurzfristigen Rezession rechnen. Für die USA wird das einjährige Rezessionsrisiko auf rund 30 Prozent, für die Eurozone auf etwa 20 Prozent geschätzt.
Die Kombination aus stabilen Wachstumserwartungen und erwarteten Zinssenkungen stützt insbesondere Unternehmensanleihen. Insgesamt bleiben Investment-Grade- wie High-Yield-Anleihen attraktiv bewertet, während Staatsanleihen eher seitwärts tendieren dürften.
Aktien: Gute Zahlen treiben die Kurse
Die Berichtssaison verläuft besser als erwartet: Umsatz- und Gewinnwachstum liegen über den Analystenschätzungen. Auffällig ist jedoch die Rotation innerhalb des Marktes.
Während grosse KI- und Mega-Cap-Titel an Dynamik verlieren, holen zuvor vernachlässigte Segmente auf, beispielsweise die Dividendentitel, Small Caps und Schwellenländeraktien. Diese profitieren von günstigeren Bewertungen und steigenden Gewinnprognosen.
Dollar-Schwäche dürfte nicht anhalten
Der US-Dollar gab zuletzt deutlich nach. Die Bewegung wird jedoch als übertrieben eingeschätzt. Mit stabilen US-Daten und nachlassenden politischen Unsicherheiten wird eine Gegenbewegung erwartet.
Der Franken blieb dagegen stark, eine weitere Aufwertung gilt aber als unwahrscheinlich.
USA: Konsum dank sinkender Sparquote
Die US-Wirtschaft startet mit Schwung ins Jahr. Der Privatkonsum bleibt überraschend robust, obwohl sich der Arbeitsmarkt abkühlt. Entscheidend ist die stark gesunkene Sparquote: Haushalte finanzieren ihre Ausgaben zunehmend aus Reserven.
Die Inflation dürfte im zweiten Quartal wieder über 3 Prozent steigen, bevor sie mittelfristig Richtung 2 Prozent zurückkehrt.
Europa: Wachstum durch den Staat
In der Eurozone gewinnt die Binnenkonjunktur an Dynamik. Treibende Kraft ist die Fiskalpolitik, insbesondere in Deutschland, wo staatliche Investitionen Infrastruktur, Verteidigung und Industrie stimulieren.
Das Auslaufen der europäischen Aufbauprogramme wirkt weniger abrupt als befürchtet: Statt einer «Fiskalklippe» wird ein gradueller Übergang erwartet. Die Inflation dürfte in den grossen Euroländern unter 2 Prozent bleiben.
Schweiz: Inflation kehrt zurück – Stromimporte belasten
Die Schweizer Inflation entfernt sich wieder von der Nulllinie, unter anderem wegen steigender Mieten. Gleichzeitig sorgt eine ungewöhnliche Entwicklung für Verzerrungen im Aussenhandel:
Wartungsarbeiten am Kernkraftwerk Gösgen erzwingen massiv höhere Stromimporte. Diese bedeuten zeitweise ein Mehrfaches des Vorjahresniveaus. Dadurch verschlechtert sich die Handelsbilanz trotz stabiler Konjunktur.
China: Exportstärke trifft schwache Nachfrage
Chinas Wirtschaft bleibt zweigeteilt. Die Binnenkonjunktur leidet unter Immobilienkorrekturen, während Hightech-Exporte das Wachstum tragen.
Eine nachhaltige Reflation ist nicht in Sicht, da das Überangebot die Inflation niedrig hält.
Fazit
Der Jahresbeginn 2026 zeigt ein ungewöhnlich stabiles globales Umfeld mit geringen Rezessionsrisiken, die die Kreditmärkte stützen, starken Unternehmensgewinnen, die Aktien tragen, staatlichen Ausgaben, die Europa treiben und Konsum, der die USA stützt, aber auf Kosten der Ersparnisse geht.
Die Risiken liegen weniger in einem abrupten Abschwung als in strukturellen Ungleichgewichten: fiskalische Abhängigkeit in Europa, Konsumfinanzierung in den USA und eine weiterhin fragile Nachfrage in China.