Technologie, Regulierung und neue Geschäftsmodelle verändern das Risikomanagement grundlegend. Weg von reiner Absicherung, hin zu aktiver Steuerung: Der aktuelle LBC Insurance Radar zeigt, warum Governance, Datenqualität und KI-Kompetenz zu zentralen Erfolgsfaktoren werden, besonders für KMU.
Der Schweizer Versicherungsmarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Die geplante Einführung des elektronischen Gesundheitsdossiers bis 2030, neue Regeln im Versicherungsaufsichtsgesetz und die zunehmende Bedeutung datenbasierter Risikoüberwachung, etwa in der Cyberversicherung, zeigen: Effizienzgewinne durch Digitalisierung gehen Hand in Hand mit neuen regulatorischen und operationellen Risiken. Risikomanagement muss heute technologische Abhängigkeiten, Datenqualität und Compliance gleichermassen im Blick behalten.
Mehr als nur versichern
Fabian Germann von Raiffeisen Schweiz bringt es auf den Punkt: Versicherungen allein machen noch kein Unternehmen krisenfest. Gerade für KMU braucht es einen pragmatischen, ganzheitlichen Ansatz. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, regelmässige Krisenübungen sowie technische und organisatorische Resilienz. Risiken entstehen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Strategie, Prozessen, Technologie und Menschen. Entsprechend reicht es nicht, Policen zu optimieren, gefragt ist aktive Steuerung.
KI als Hebel für Transparenz
Mehrere Beispiele zeigen, wie KI das Risikomanagement verändert. Mit «Zurich Program IQ» analysiert die Zurich Insurance Group multinationale Versicherungsprogramme über Sprachen und Rechtsordnungen hinweg und erhöht deren Verständlichkeit. Aiana entwickelt den ersten vollständig KI-gestützten Broker der Schweiz und setzt auf «Explainable AI», damit Kundinnen und Kunden Entscheidungen nachvollziehen können. Insurfox nutzt Big Data und KI, um von reaktiven zu prädiktiven Versicherungsmodellen zu gelangen. In all diesen Fällen zeigt sich: KI kann, vorausgesetzt, Governance, Nachvollziehbarkeit und Datenqualität stimmen, Komplexität reduzieren und die Entscheidungsqualität steigern.
Digitale Identität als Risikofaktor
Mit der geplanten Überarbeitung des FINMA-Rundschreibens zur Video- und Online-Identifikation und der Integration der E-ID wird die Kundenidentifikation effizienter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und Prozesskontrollen. Digitale Identitäten werden damit selbst zu einem relevanten Risikofeld, das aktiv gesteuert werden muss.
KMU im Spannungsfeld
Für KMU ist diese Entwicklung besonders anspruchsvoll. Steigende regulatorische Anforderungen, technologische Abhängigkeiten und begrenzte Ressourcen treffen aufeinander. Umso wichtiger sind einfache, strukturierte Risikoinstrumente, eine klare Priorisierung statt Vollständigkeitswahn und eine praxisnahe Umsetzung. Risikomanagement muss wirtschaftlich bleiben, sonst wird es nicht gelebt.
Von der Absicherung zur Steuerung
Die zentrale Botschaft aus dem Podcast lautet: Der Fokus verschiebt sich. Risikomanagement bedeutet heute nicht mehr nur, Schäden zu versichern, sondern Risiken aktiv zu erkennen, zu bewerten und zu steuern. Prävention, Resilienz und integrierte Ansätze werden entscheidend. Oder anders gesagt: Resilienz ist keine Police, sie ist eine Managementaufgabe.
Binci Heeb
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