Managementfehler statt Politik

Der Wirtschaftsreport 2026 von United Interim zeigt: Unternehmenskrisen entstehen meist im Inneren der Organisation. Fehlentscheidungen, mangelnder Kundenfokus und zu spätes Handeln wiegen schwerer als wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, auch wenn diese die […]


Managementfehler statt Politik im Wirtschaftsreport 2026 von United Interim.

Managementfehler statt Politik im Wirtschaftsreport 2026 von United Interim.

Managementfehler statt Politik im Wirtschaftsreport 2026 von United Interim.

Der Wirtschaftsreport 2026 von United Interim zeigt: Unternehmenskrisen entstehen meist im Inneren der Organisation. Fehlentscheidungen, mangelnder Kundenfokus und zu spätes Handeln wiegen schwerer als wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, auch wenn diese die Lage verschärfen können.

Wenn Unternehmen in Schieflage geraten, liegt die Ursache nach Einschätzung von 550 befragten Interim Managern nur selten primär bei der Politik. Viel häufiger sind strukturelle Managementdefizite verantwortlich. Besonders oft nennen die Befragten eine fehlende Anpassung an Marktveränderungen und ein zu spätes Erkennen der kritischen Lage. Ineffiziente Führung, Beratungsresistenz im Topmanagement sowie eine unzureichende Orientierung am tatsächlichen Kundenbedarf folgen dicht dahinter. Auch mangelnde Innovationsbereitschaft, vernachlässigter Vertrieb und schwache finanzielle Steuerung tragen wesentlich dazu bei, dass Unternehmen ins Trudeln geraten.

Interim Manager werden typischerweise erst dann engagiert, wenn sich die Krise bereits deutlich manifestiert hat. Nach ihren Erfahrungen dominiert in vielen Betrieben eine Art Dauer-Feuerwehrmodus: operative Probleme werden gelöst, ohne deren Ursachen zu beseitigen. Dadurch verfestigt sich die Schieflage über Jahre.

Klassische Managementfehler

Neben strategischen Fehlentscheidungen zeigen sich wiederkehrende operative Defizite. Häufig fehlen ein strukturiertes Risikomanagement und eine konsistente Kommunikation zwischen Geschäftsleitung, Mitarbeitenden und Eigentümern. Ebenso problematisch sind Klumpenrisiken oder eine einseitige Konzentration auf Kostenreduktion statt auf Zukunftsstrategie. Viele Unternehmen reagieren zudem zu spät auf neue regulatorische Anforderungen oder verlieren den Fokus auf ihr Kerngeschäft.

Ein unterschätzter Faktor ist die Qualität der Unternehmensdaten. Über Jahre vernachlässigte Stammdaten verhindern Auswertungen, blockieren Standardisierung und erhöhen den administrativen Aufwand erheblich. Gleichzeitig investieren zahlreiche Firmen erst dann in Digitalisierung oder künstliche Intelligenz, wenn Liquidität bereits knapp wird, was zu spät für einen echten Produktivitätsschub ist.

Kundenfokus fehlt häufig

Auffällig ist, dass Restrukturierungen sich oft auf Organisation, Personal oder Einsparungen konzentrieren, nicht jedoch auf den Markt. Unternehmen reorganisieren Abläufe, ohne die grundlegende Frage zu klären, welchen konkreten Nutzen sie künftig für ihre Kunden stiften wollen. Dadurch entsteht strategische Orientierungslosigkeit. Besonders in Branchen mit strukturellem Wandel verstärken einseitige Abhängigkeiten diese Problematik zusätzlich.

Personal als Schlüssel – und Problem

In vielen Sanierungsfällen reicht ein Effizienzprogramm nicht aus. Häufig erfordert der Turnaround tiefgreifende personelle Veränderungen. Fehlbesetzungen, mangelnde Führungskräfteentwicklung und fehlende Anpassung an moderne Arbeitswelten führen dazu, dass Leistungsträger das Unternehmen verlassen. Zurück bleiben Strukturen, die Veränderungen eher bremsen als ermöglichen. Entsprechend berichten Interim-Manager regelmässig, dass sowohl die oberste Führungsebene als auch grosse Teile der zweiten Ebene neu aufgestellt werden müssen, um Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.

Politik verschärft – verursacht aber selten

Die Studie relativiert politische Einflüsse. Schlechtere Rahmenbedingungen können wirtschaftliche Probleme beschleunigen, ersetzen jedoch keine Unternehmensstrategie. Unternehmen, so der Tenor, können schwierige Märkte kompensieren, schlechte Führung jedoch kaum. Gleichzeitig steigt der Standortdruck: hohe Energiekosten, Regulierung und Bürokratie fördern Produktionsverlagerungen ins Ausland, während asiatische Märkte zunehmend als Wachstumsoption gelten.

Was Turnarounds erfolgreich macht

Wenn Sanierungen gelingen, steht nicht das Sparprogramm im Zentrum, sondern Führung. Entscheidend sind Vertrauen in das Management, klare Entscheidungen und strukturiertes Veränderungsmanagement. Hinzu kommen transparente Kommunikation mit allen Stakeholdern und eine belastbare Liquiditätsplanung. Erfolgreiche Sanierungen konzentrieren sich darauf, Insolvenzursachen konsequent zu beseitigen statt Symptome zu verwalten.

Warum Rettungsversuche scheitern

Scheitert ein Turnaround, liegt dies meist am zu späten Handeln. Viele Unternehmen holen externe Hilfe erst dann, wenn die wirtschaftliche Substanz bereits aufgezehrt ist. Beratungsresistenz, fehlende Konsequenz, mangelndes Vertrauen sowie ein reines Kostensenkungsdenken ohne strategische Perspektive verstärken den Abwärtstrend zusätzlich.

Lessons Learned erfolgreicher Unternehmen

Unternehmen, die eine Krise überstehen, verändern vor allem ihre Denkweise. Sie kommunizieren transparenter, orientieren sich stärker am Markt und rücken den Kunden wieder ins Zentrum. Prozesse werden vereinfacht, Entscheidungen beschleunigt und die Steuerung stärker am Cashflow ausgerichtet. Gleichzeitig gewinnen Unternehmenskultur, Reportingqualität und Digitalisierung an Bedeutung.

Die Untersuchung zeichnet ein klares Bild: Wirtschaftliche Krisen sind selten Schicksal oder Politik, sondern meist das Ergebnis kumulierter Führungsfehler. Rahmenbedingungen können Probleme beschleunigen, doch fehlende Strategie, mangelnde Anpassungsfähigkeit und zu spätes Handeln verursachen sie. Erfolgreiche Unternehmen unterscheiden sich deshalb weniger durch bessere Märkte als durch bessere Entscheidungen.


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