WEF: Geopolitik wird Chefsache

Globale Märkte werden zunehmend von Machtpolitik, Handelskonflikten und Sicherheitsfragen geprägt. Das Whitepaper «Building Geopolitical Muscle 2026» zeigt, warum Unternehmen geopolitische Kompetenz nicht nur zur Risikovermeidung, sondern als strategischen Vorteil systematisch […]


WEF: Geopolitik wird Chefsache. Bild: ©WEF_CHEENEY

WEF: Geopolitik wird Chefsache. Bild: ©WEF_CHEENEY

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Globale Märkte werden zunehmend von Machtpolitik, Handelskonflikten und Sicherheitsfragen geprägt. Das Whitepaper «Building Geopolitical Muscle 2026» zeigt, warum Unternehmen geopolitische Kompetenz nicht nur zur Risikovermeidung, sondern als strategischen Vorteil systematisch aufbauen müssen.

Das gemeinsame Projekt von BCG, dem World Economic Forum und der IMD Business School zeigt die Phase einer weitgehend stabilen, regelbasierten Globalisierung ist vorbei. An ihre Stelle tritt eine fragmentierte Weltordnung, in der wirtschaftliche Entscheidungen immer stärker von politischen Interessen, Sicherheitsüberlegungen und geopolitischen Allianzen beeinflusst werden. Sanktionen, Handelsbeschränkungen, regionale Machtblöcke und technologische Entkopplung verändern die Spielregeln für international tätige Unternehmen. Das Whitepaper macht deutlich: Geopolitik ist kein externer Störfaktor mehr, sondern ein zentraler Treiber unternehmerischer Wertschöpfung

Vom Reagieren zum Antizipieren

Viele Unternehmen haben geopolitische Risiken bisher vor allem reaktiv und als Teil des klassischen Risikomanagements behandelt. Das reicht nicht mehr aus. Wer nur auf Krisen reagiert, verliert Zeit, Marktanteile und strategische Optionen. Gefordert ist ein Perspektivwechsel: Geopolitische Entwicklungen müssen frühzeitig erkannt, systematisch analysiert und in strategische Entscheidungen übersetzt werden. «Geopolitische Muskelkraft» bedeutet, politische Signale nicht nur zu beobachten, sondern sie aktiv in Planung, Investitionen und Geschäftsmodelle einzubauen.

Geopolitische Kompetenz als Managementaufgabe

Das Whitepaper betont, dass geopolitische Fragen nicht in isolierten Analyseabteilungen verbleiben dürfen. Sie gehören auf die Agenda von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Nur wenn das Topmanagement klare Verantwortung übernimmt, können geopolitische Überlegungen konsequent in Unternehmensstrategie, Standortentscheidungen, Lieferketten und Markteintritte integriert werden. Geopolitische Kompetenz wird damit zu einer Führungsaufgabe, vergleichbar mit Digitalisierung oder Nachhaltigkeit.

Organisationen müssen lernfähig werden

Geopolitische Muskelkraft entsteht nicht durch ein einzelnes Projekt, sondern durch dauerhafte organisatorische Fähigkeiten. Unternehmen brauchen Strukturen, die politische und wirtschaftliche Signale aus verschiedenen Weltregionen kontinuierlich erfassen und bewerten. Gleichzeitig müssen diese Erkenntnisse in Entscheidungsprozesse einfliessen, wie in Investitionsentscheide, M&A-Strategien, Partnerschaften oder die Gestaltung von Lieferketten. Entscheidend ist die Verbindung von Analyse und Umsetzung: Wissen ohne Handlung bleibt wirkungslos.

Talente, die Politik und Wirtschaft verstehen

Ein weiterer Schwerpunkt des Whitepapers liegt auf Führung und Talententwicklung. Geopolitische Kompetenz erfordert Profile, die wirtschaftliches Denken mit politischem Verständnis verbinden. Unternehmen müssen gezielt Führungskräfte aufbauen oder rekrutieren, die globale Machtverschiebungen, regulatorische Trends und sicherheitspolitische Entwicklungen einordnen können. Diese Expertise darf nicht nur beratend wirken, sondern muss Teil der operativen Entscheidungsfindung sein.

Chancen in der Fragmentierung

Geopolitische Muskelkraft dient nicht nur der Schadensbegrenzung. Wer geopolitische Dynamiken früh erkennt, kann daraus auch Wettbewerbsvorteile ziehen. Neue Allianzen, staatliche Förderprogramme, regionale Industriepolitiken oder regulatorische Verschiebungen eröffnen Chancen für Unternehmen, die schnell und informiert handeln. In einer fragmentierten Welt gewinnen jene Firmen, die ihre Strategie flexibel an politische Realitäten anpassen können.

Strategie braucht geopolitisches Denken

Das Whitepaper macht klar: Geopolitik ist kein Spezialthema für Krisenzeiten, sondern ein dauerhafter Bestandteil moderner Unternehmensführung. Firmen, die geopolitische Muskelkraft aufbauen, erhöhen nicht nur ihre Krisenfestigkeit, sondern auch ihre strategische Handlungsfähigkeit. In einer Welt wachsender Unsicherheit wird genau diese Fähigkeit darüber entscheiden, wer langfristig erfolgreich bleibt.

Binci Heeb

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