Immer mehr langjährige Eigenheimbesitzer geraten trotz Immobilien-Boom unter Druck: Steigende Hauspreise verschärfen die Tragbarkeitsanforderungen, besonders kurz vor der Pensionierung.
Was nach einem Vorteil klingt, wird für Bestands-Eigentümer zunehmend zum Problem. Wer vor 25 Jahren ein Haus kaufte, sieht den Marktwert heute oft verdoppelt. Das bedeutet aber nicht unbedingt mehr finanzielle Sicherheit. Im Gegenteil: Durch die nach oben angepassten Unterhalts- und Nebenkosten verlangen Banken heute deutlich mehr Einkommen als zur Erwerbszeit, um die Hypothek als tragbar einzustufen.
Tragbarkeitsregeln setzen langjährige Eigentümer unter Druck
Bei der Vergabe und Verlängerung von Hypotheken gilt: Die durchschnittlichen Kosten für Zinsen, Unterhalt und Amortisation dürfen rund ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen. Besonders der kalkulatorische Unterhalt, pauschal meist mit etwa 1 Prozent des Immobilienwerts angesetzt, steigt mit dem Marktwert des Hauses. So braucht ein Eigentümer, dessen Immobilie heute das Doppelte wert ist, auch ein deutlich höheres Einkommen als bei Vertragsabschluss.
Beispiel: Einkommen muss um 20 Prozent steigen, Renten reichen oft nicht aus
Eine Auswertung von 500 in der Deutsch- und Westschweiz im Jahr 2000 gekauften Immobilien zeigt: Ein durchschnittlicher Immobilienwert von damals 730’000 Franken ist heute auf 1,42 Millionen Franken gestiegen. Das für die Hypothek erforderliche Einkommen muss dadurch rund 20 Prozent höher liegen. Wer sich dem Ruhestand nähert, verfügt jedoch oft nur über die AHV/Pensionskassen-Rente mit im Schnitt 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens. Dies ist zu wenig für die strengen Tragbarkeitsregeln.
«Beton-Millionäre» – Vermögen in der Immobilie, aber zu wenig Liquidität
Viele ältere Hausbesitzer haben zwar rechnerisch viel Vermögen im Eigenheim. Doch die starren Regeln der Banken werden für viele zur Hürde. Lösungen wären etwa der Einbezug von Familienmitgliedern, eine Immobilienrente oder der Verkauf von Wertgegenständen. Die meisten möchten jedoch am liebsten in ihrem Zuhause bleiben.
Durch steigende Hauspreise und starre Bankregeln werden langjährige Eigentümer zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sie ihre Immobilie nach der Pensionierung noch behalten können. Es braucht dringend flexiblere Ansätze damit der Immobilienboom nicht zur sozialen Falle wird.