FINMA: Stabilität im Fokus

Am Kleinversicherersymposium der FINMA am 26. April 2026 betonte Direktor Stefan Walter gestern die Bedeutung von Resilienz, Kundenschutz, proportionaler Aufsicht und rückte Klimarisiken stärker ins Zentrum. Das Kleinversicherersymposium hat sich […]


FINMA: Stabilität im Fokus. Bild: Stefan Walter, Direktor.

FINMA: Stabilität im Fokus. Bild: Stefan Walter, Direktor.

FINMA: Stabilität im Fokus. Bild: Stefan Walter, Direktor.

Am Kleinversicherersymposium der FINMA am 26. April 2026 betonte Direktor Stefan Walter gestern die Bedeutung von Resilienz, Kundenschutz, proportionaler Aufsicht und rückte Klimarisiken stärker ins Zentrum.

Das Kleinversicherersymposium hat sich in den vergangenen Jahren als feste Grösse im Kalender der Schweizer Versicherungsbranche etabliert. Für die Eidgenössische Finanzaufsicht FINMA ist der Anlass mehr als ein Branchentreffen: Er dient dem direkten Austausch mit kleinen und mittelgrossen Versicherern. Dieser Dialog betrachtet die Aufsicht als für eine praxisnahe Regulierung betrachtet zentral. Die diskutierten Themen reichen dabei weit über einzelne Institute hinaus und betreffen die Stabilität und Glaubwürdigkeit des gesamten Finanzplatzes Schweiz.

Stabile Lage trotz globaler Unsicherheiten

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und zunehmender Risiken zeigt sich der Schweizer Versicherungsmarkt robust. Die Solvenzkennzahlen gemäss Schweizer Solvenztest blieben 2025 weitgehend stabil. Damit bestätigt sich aus Sicht der FINMA die Widerstandsfähigkeit der beaufsichtigten Institute auch in einem Umfeld, das durch internationale Krisen geprägt ist.

Gleichzeitig hat die Aufsicht ihren Fokus weiter geschärft: Resilienz des Systems, Schutz der Versicherten und Integrität des Marktes stehen im Zentrum. Besonders im Bereich Kundenschutz wurden Fortschritte erzielt, etwa durch strengere Vorgaben bei Krankenzusatzversicherungen und durch Eingriffe bei nicht konformen Abrechnungspraktiken. Auch die Vermittleraufsicht wurde intensiviert, wobei zahlreiche unqualifizierte Marktteilnehmende identifiziert und Verfahren eingeleitet wurden.

Klimarisiken rücken in den Vordergrund

Ein prägendes Thema des Jahres 2025 waren Naturereignisse und deren finanzielle Folgen. Der Felssturz im Walliser Dorf Blatten mit geschätzten versicherten Schäden von rund 320 Millionen Franken verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Klimarisiken für die Versicherungsbranche. Ereignisse dieser Art zeigen, dass Naturgefahren zunehmend systemrelevant werden.

Die FINMA reagiert darauf mit einer verstärkten Sensibilisierung und neuen Instrumenten. Seit 2025 veröffentlicht sie einen jährlichen Klimarisikobericht, gestützt auf das CO₂-Gesetz. Dieser analysiert die Exponierung der Finanzinstitute gegenüber Klimarisiken und zeigt auf, wie diese in das Risikomanagement integriert werden. Die Einschätzung ist klar: Sowohl physische Risiken als auch Transformationsrisiken werden weiter zunehmen.

Proportionale Aufsicht für kleinere Versicherer

Ein zentrales Anliegen der FINMA bleibt die Verhältnismässigkeit in der Aufsicht. Kleinere Versicherungsunternehmen sollen gezielt entlastet werden, ohne dass die Stabilität des Systems gefährdet wird. Im Zuge der Revision des Versicherungsaufsichtsgesetzes wurden entsprechende Erleichterungen umgesetzt, etwa bei der Berichterstattung oder bei Datenerhebungen.

Auch bei Vor-Ort-Kontrollen zeigt sich dieser Ansatz: Während grössere Institute regelmässig überprüft werden, kommen solche Massnahmen bei kleineren Versicherern primär bei konkreten Risiken zum Einsatz. Insgesamt führte die FINMA 2025 43 Vor-Ort-Kontrollen durch, davon fünf bei kleineren Unternehmen.

TBTF-Regulierung mit begrenzten Folgen für Versicherer

Das vom Bundesrat vorgestellte Too-big-to-fail-Regulierungspaket zielt primär auf den Bankensektor ab, insbesondere als Reaktion auf die Krise rund um Credit Suisse. Für Versicherungen bleiben die Auswirkungen begrenzt. Einzelne Elemente, wie die Rotationspflicht für Prüfgesellschaften oder erweiterte Sanktionsmöglichkeiten der FINMA, werden jedoch auch für sie relevant.

Grundsätzlich sieht sich die Versicherungsaufsicht bereits heute gut aufgestellt. Instrumente wie risikobasierte Kapitalanforderungen, umfassende Governance-Vorgaben und präventive Eingriffsmöglichkeiten sind etabliert und gelten als robuster als im Bankensektor.

Kontinuität und gezielte Weiterentwicklung

Die FINMA setzt im Versicherungsbereich auf Kontinuität, kombiniert mit gezielten Anpassungen. Neue Instrumente sollen vor allem präventiv wirken und sich auf problematische Institute konzentrieren. Gleichzeitig bleiben zentrale Themen wie Governance, Kundenschutz und Digitalisierung im Fokus.

Gerade die zunehmende Datenkomplexität erfordert aus Sicht der Aufsicht neue technologische Lösungen, um Effizienz und Wirksamkeit sicherzustellen. Der Dialog mit der Branche – insbesondere mit kleineren und mittleren Versicherern – bleibt dabei ein wesentlicher Bestandteil der Aufsichtspraxis.

Binci Heeb

Lesen Se auch: FINMA zieht Bilanz – und lädt zum Dialog


Tags: #Aufsicht #Felssturz Blatten #FINMA #Fokus #Klimarisiken #Kontinuität #Kundenschutz #Resilienz #Stabilität #TBTF-Regulierung #Weiterentwicklung #Widerstandsfähigkeit