LINTA von Neutrass: Wenn der Prozess denkt

Wie ein Schweizer Broker-Softwareanbieter die Digitalisierung von innen heraus denkt, was LINTA damit zu tun hat, und warum Automatisierung ohne Urteilsvermögen keine Lösung ist. Es begann mit einer schlichten Erkenntnis: […]


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LINTA: Pascal Walthert, CEO und Inhaber Neutrass AG, denkt Digitalisierung von innen heraus.

LINTA: Pascal Walthert, CEO und Inhaber Neutrass AG, denkt Digitalisierung von innen heraus.

LINTA: Pascal Walthert, CEO und Inhaber Neutrass AG, denkt Digitalisierung von innen heraus.

Wie ein Schweizer Broker-Softwareanbieter die Digitalisierung von innen heraus denkt, was LINTA damit zu tun hat, und warum Automatisierung ohne Urteilsvermögen keine Lösung ist.

Es begann mit einer schlichten Erkenntnis: Die vorhandenen Softwarelösungen genügten nicht, und eine neue kaufen hiess nicht zwingend, das Richtige zu tun. Also entwickelte das Team rund um Pascal Walthert, CEO und Inhaber von Neutrass AG, vor rund fünf Jahren eine eigene Lösung, und zwar nicht als CRM-Ersatz, sondern als prozessbasiertes System, das den gesamten Brokeralltag in einem einzigen, intern regulierten Ablauf abbildet. LINTA ist seit 2025 bei Neutrass erfolgreich im Einsatz und wird natürlich allen Brokern bei Interesse zur Verfügung gestellt

Der Name LINTA aus dem Althochdeutschen ist kein Zufall, sondern eine Hommage: Er ist benannt nach der Dorflinde, die das Zentrum eines Ortes bildete und Treffpunkt für den Nachrichtenaustausch der frühen Jahre verkörperte. Die Linde symbolisiert nicht nur Stärke, sondern auch Wachstum und Nachhaltigkeit. Heute ist LINTA eine Plattform mit über 130 aktiven Prozessen, einer relationalen Datenbankarchitektur und einem Designprinzip, das aus der klassischen Industrie stammt: dem ERP-Gedanken, der in der Versicherungsbranche noch kaum verankert ist.

Prozess statt Klick

Was LINTA von klassischen Systemen unterscheidet, demonstrierte David Frick, Neutrass-Inhouse-Entwickler von Omegasoft, anlässlich einer Präsentation vor diversen Versicherern in Rotkreuz. Das Tool ist nicht nur Oberfläche, sondern die Logik darunter. Jeder Vorgang, ob Adressänderung, Policenverarbeitung oder Schadenfall, wird nicht manuell angestossen, sondern durch einen vordefinierten Prozess gesteuert. Der Mitarbeitende sieht nicht eine leere Maske, sondern einen Prozessschritt: Was ist jetzt zu tun, wer hat was wann gemacht, was kommt als Nächstes.

Das klingt nach Kontrolle, ist aber vor allem Entlastung. Denn wer weiss, wo er im Ablauf steht, muss nicht mehr suchen. Und Suchen kostet Zeit, mehr als die meisten Systeme sich je eingestanden haben.

Begeisterung im Saal

Die Resonanz der anwesenden Versicherer liess keinen Zweifel daran, dass hier ein Nerv getroffen wurde. Zwischen den Fragen zur Systemarchitektur mischten sich immer wieder anerkennende Kommentare, und mancher Blick blieb länger an den Screens hängen, als es eine reine Höflichkeitsrunde erklärt hätte. Im Nachgang der Präsentation habe man, so war zu hören, zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten, einige davon bereits mit konkretem Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit. Dass ein Broker dieser Grösse eine derart ausgereifte Eigenentwicklung vorweisen kann, sorgte sichtlich für Respekt im Raum, und ehrlich gesagt: Auch die Redaktion verliess Rotkreuz mit einem gewissen Kribbeln. Wenn ein Prozess tatsächlich mitdenkt, statt nur Formulare zu verwalten, ist das selten Alltag in dieser Branche.

Redundanz als Feind

Ein zentrales Prinzip der Architektur ist die Vermeidung von Redundanz. Jedes Feld existiert einmal, jeder Datensatz wird einmal gespeichert, jede Änderung wird in einer Historienzeile dokumentiert, ohne speziellen Programmieraufwand, einfach weil pro Speichervorgang automatisch ein Verlaufseintrag angelegt wird. Wer was in welchem Prozess gemacht hat, ist jederzeit nachvollziehbar, auch Jahre später, sogar wenn die betreffende Person das Unternehmen längst verlassen hat.

Das hat Konsequenzen, für die Datenqualität, für die Compliance und für das Vertrauen, das Kunden in eine Software setzen müssen, bevor sie ihr ihre Finanzen anvertrauen.

Automatisierung mit Augenmass

Technisch wäre LINTA längst in der Lage, vieles vollständig zu automatisieren: nächtliche Läufe für Mahnungen und Provisionsabrechnungen, automatisierter E-Mail-Versand und Prozessinitiierung ohne menschlichen Eingriff. Und doch hat das Team bewusst entschieden, vorerst einen Menschen in der Schleife zu lassen.

Der Grund ist nicht technische Unreife, sondern gelebte Erfahrung: Wer zu früh automatisiert, verliert den Überblick darüber, was das System eigentlich tut. Erst wenn Prozesse stabil laufen, wenn Mitarbeitende das System verstehen und ihm vertrauen, macht vollständige Automatisierung Sinn. Das ist kein Zögern, das ist Methode.

KI als Assistent, nicht als Entscheider

Im Gespräch über KI wird das Prinzip besonders deutlich. LINTA integriert einen KI-Assistenten namens «Optimus Lintus», der bei komplexen Vorgängen wie Adressänderungen mit mehreren Policen und Gesellschaften unterstützt. Ergänzt wird er durch «Gandalf», die in LINTA eingebaute Hilfefunktion, die Anwender direkt im System durch Prozesse führt. Optimus Lintus halluziniert nicht, weil man ihm klare Grenzen gesetzt hat: Wenn eine Frage zu komplex ist, zum Beispiel ob ein neu gekaufter Hund in der bestehenden Haftpflicht mitversichert ist, sagt er das schlicht und erklärt, warum er nicht antworten kann.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Large Language Model LLM, das Wahrscheinlichkeiten produziert und dabei gelegentlich zwei plus zwei gleich fünf ergibt. Nicht weil KI grundsätzlich falsch liegt, sondern weil sie ohne kontrollierte Datenbasis und klare Grenzen in Bereichen wie Versicherungsberatung schlicht zu gefährlich ist.

Das Ökosystem wächst

LINTA ist nicht allein. Rund um die Kernplattform entsteht ein Ökosystem aus Partnern und Schnittstellen, die jede API sofort ansteuern kann: ein Dokumentenmanagementsystem, ein Tool zur PDF-zu-XML-Konvertierung für Prämienrechnungen, ein digitaler Postversand und eine Ecohub-Anbindung. in Entwicklung ist eine Kunden-App mit Schadenmeldefunktion und Push-Nachrichten. Die Philosophie dahinter ist einfach: Jede Schnittstelle ist willkommen, solange sie dem Kunden nützt.

Was dabei konsequent vermieden wird, ist Ideologie. Kein Turm, der nur in eine Richtung schaut. Kein Nein zu Technologien aus Prinzip. Und keine Digitalisierung, die am Ende mehr Aufwand erzeugt als vorher.

Binci Heeb

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