Bei 37 Grad im Schatten kämpften zehn Schweizer Startups an den Climate Launchpad Swiss National Finals 2026 in Basel um den Sprung ins globale Finale nach Singapur und lieferten dabei mehr als nur Pitches: eine Lektion darin, wie aus Problemen Geschäftsmodelle werden.
Moderatorin Catherine Riesen eröffnete den Abend mit einem Satz, der sich als roter Faden durch die folgenden Stunden ziehen sollte: Grosse Veränderung beginnt mit mutigen Ideen und davon gab es an diesem Abend reichlich. Der Climate Launch Pad Swiss National Finals 2026, seit 2014 aktiv und in der Schweiz seit 2015 von der Startup Academy organisiert, gilt als weltweit grösster Ideenwettbewerb für grüne Geschäftsmodelle. Zehn Teams hatten es 2026 ins nationale Finale geschafft.
Den Ton gab Keynote-Speakerin Elianne Hutet vor, die aus eigener unternehmerischer Erfahrung sprach. Ihre Kernbotschaft: Der Pitch auf der Bühne sei nur das Highlight-Reel. Die eigentliche Arbeit bestehe aus durchwachten Nächten, abgelehnten Angeboten und der schmerzhaften Erkenntnis, dass die eigene Lieblingsidee womöglich am Markt vorbeigeht. Wer sich in seine Lösung statt in das zugrunde liegende Problem verliebe, verpasse den Anschluss an die eigentlichen Bedürfnisse der Kunden. Am Beispiel zweier Firmen, die beide biologisch abbaubare Verpackungen aus Algen herstellen – die britische Notpla und die Schweizer Noriware –, zeigte sie, wie unterschiedlich Gründungsgeschichten verlaufen können und wie entscheidend es sei, eine Lösung so zu gestalten, dass sie sich ohne grosse Umstellung in bestehende Abläufe einfügt. Mit Blick auf künstliche Intelligenz betonte Hutet, dass die Frage längst nicht mehr sei, ob man etwas bauen könne, sondern ob es sich lohne, gebaut zu werden.
Die dreiköpfige Jury bestehend aus Lara Sutter (Fachhochschule Nordwestschweiz), Margarita Kim (Bank of America) und Dimitrios Terzis (Medusoil, selbst früherer Climate-Launch-Pad-Gewinner) bewertete die Pitches nach Marktpotenzial, Job, Klimawirkung, Innovationsgrad, Teamstärke und Pitch-Qualität. Jedem Team standen fünf Minuten auf der Bühne und drei Minuten für Fragen zur Verfügung.




















Zehn Ansätze gegen zehn verschiedene Probleme
Den Auftakt machte EcoForentis. Das Unternehmen hilft, Nachhaltigkeitsversprechen auf Verpackungen mit belastbaren Nachweisen zu unterlegen: ein Thema mit wachsender Dringlichkeit angesichts strengerer EU-Vorgaben gegen irreführende Umweltaussagen. Es folgte Octodurus Materials mit «Vertera», einer Betonalternative mit negativer CO2-Bilanz aus landwirtschaftlichen Abfällen, die nach eigenen Angaben deutlich günstiger und emissionsärmer ist als konventioneller Zement ist. Salvage Studio wiederum verwandelt Ausstellungsmaterial aus Basler Museen, wie Aluminium, Holz oder Textilien, in neue Einzelstücke samt Transparenzzertifikat, während Area Grow gebrauchten Kaffeesatz aus der Gastronomie systematisch einsammelt und als dokumentierten Rohstoff an Verwerter weiterreicht. Den ersten Block schloss FLOCCUS, das mit einer Technologie zur CO2-Abscheidung gleichzeitig grünen Wasserstoff und kohlenstoffnegatives Kalziumkarbonat produzieren will, finanziert unter anderem über den Verkauf von CO2-Entnahmezertifikaten.
In der zweiten Runde stellte UNAREV intelligente Sammelstationen für Zigarettenstummel vor, die jeden Stummel per Infrarotsensor zählen, die Daten auf einer Blockchain festhalten und Unternehmen so ein auditierbares ESG-Reporting samt Recyclingnachweis liefern. ResolV präsentierte einen Ansatz zur Rückgewinnung industrieller Lösungsmittel für die dicht besiedelte Basler Pharma- und Chemieindustrie: ein Modell, das Unternehmen sowohl Entsorgungs- als auch Neubeschaffungskosten spart. Klaro Solutions GmbH positionierte sich als unabhängige Software-Plattform für betriebliches Abfallmanagement, die Transparenz über verschiedene Entsorgungsangebote schafft und Unternehmen so teils deutliche Einsparungen ermöglicht. Den Abschluss bildete WindLens, das mit maschinellem Lernen aus MIT- und EPFL-Forschung Betreiber von Windparks vor kostspieligen Prognosefehlern am Strommarkt schützen will. Dieses Problem hatte laut den Gründern zuletzt sogar zur Insolvenz eines grösseren Betreibers beigetragen.
Drei Gewinner, ein Familienfoto
Nach intensiven Fragerunden zu Skalierbarkeit, Margen, Datenqualität und Wettbewerbsvorteilen zog sich die Jury zur Beratung zurück. Am Ende stand fest: Der dritte Platz ging an ResolV für seinen Ansatz zur Lösungsmittel-Rückgewinnung, verbunden mit einer neunmonatigen Mitgliedschaft im Startup-Academy-Förderprogramm und 1’000 Franken Preisgeld. Den zweiten Platz belegte FLOCCUS mit seiner integrierten CO2-Abscheidungstechnologie, ausgestattet mit zwölf Monaten Förderung und 2’000 Franken. Den ersten Platz und damit das Ticket zum globalen Finale in Singapur, sicherte sich WindLens, die die Jury mit einem besonders klaren Pitch überzeugte, samt 18 Monaten Förderung und 2’700 Franken Preisgeld.
Zum Abschluss holte Marcus Fischer, Geschäftsführer der Startup Academy, alle zehn Teams gemeinsam mit der Jury auf die Bühne für ein Erinnerungsfoto. Der Wettbewerb selbst, das hatte die Moderatorin zu Beginn des Abends bereits angedeutet, ist nur das Highlight-Reel. Die eigentliche Arbeit beginnt für alle zehn Teams jetzt erst.
Binci Heeb
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