Basel will mehr als Pharma

Beim Anlass «Basel Tech Unlocked» diskutierten Unternehmer, Hochschulvertreter und KI-Experten darüber, wie sich die Region als europäische Tech City etablieren könnte. Im Zentrum standen Sichtbarkeit, Talentförderung, künstliche Intelligenz und die […]


Basel positioniert sich neu als Tech-Standort und will mehr sein als nur Pharma.

Basel positioniert sich neu als Tech-Standort und will mehr sein als nur Pharma.

Basel positioniert sich neu als Tech-Standort und will mehr sein als nur Pharma.

Beim Anlass «Basel Tech Unlocked» diskutierten Unternehmer, Hochschulvertreter und KI-Experten darüber, wie sich die Region als europäische Tech City etablieren könnte. Im Zentrum standen Sichtbarkeit, Talentförderung, künstliche Intelligenz und die Frage, wie Innovation und Regulierung künftig zusammenspielen müssen.

Basel gilt international als Life-Sciences-Hochburg. Doch genau darin liegt laut den Referenten auch eine Herausforderung: Die Stadt werde technologisch oft unterschätzt. Ziel der Initiative «Basel Tech» sei es deshalb, die vorhandenen Kräfte sichtbarer zu machen und bis 2032 einen Tech-Hub mit internationaler Ausstrahlung aufzubauen.

Marc Schindelholz, Vorstandsmitglied von Basel-Tech und Leiter Innovationförderung Basel-Stadt betonte, dass Basel bereits heute über zahlreiche Elemente eines funktionierenden Tech-Ökosystems verfüge. Dazu gehörten Hochschulen, Startups, Innovationsförderung, Acceleratoren sowie die starke industrielle Basis der Region. Neu gehe es darum, diese Akteure stärker miteinander zu vernetzen und international sichtbarer zu machen.

Besonderes Gewicht erhielt dabei die Community-Plattform, welche den Austausch zwischen Startups, Unternehmen und Innovationsorganisationen erleichtern soll. Gleichzeitig will Basel Tech mit Veranstaltungen, Mentoring-Programmen und einem Digital Accelerator junge Unternehmen früh begleiten.

Zwischen Barcelona und Stockholm

In einem weiteren Beitrag von Markus Fischer, Geschäftsführer Startup Academy Basel, welche auch von Pax als Innovationspartner unterstützt wird, wurde die Stadt am Rheinknie mit internationalen «Lifestyle Tech Cities» wie Amsterdam, Berlin, Stockholm oder Tel Aviv verglichen. Die Region bewege sich heute laut den Referenten ungefähr im Bereich europäischer Mittelklasse-Tech-Standorte wie Rotterdam, Göteborg oder Manchester.

Die Voraussetzungen seien jedoch gut: politische Stabilität, hohe Lebensqualität, starke Hochschulen, internationale Konzerne und die einzigartige Lage im Dreiländereck. Gerade die Kombination aus Kultur, Natur, Forschung und Infrastruktur könne Basel künftig stärker ausspielen.

Gleichzeitig wurde klar, dass die Stadt beim internationalen Branding noch Nachholbedarf hat. Sichtbarkeit, internationale Tech-Erfolgsgeschichten und Zugang zu Venture Capital seien entscheidende Faktoren, um global Talente und Investitionen anzuziehen. Auch die Förderung junger Talente spiele eine zentrale Rolle. Als positives Beispiel wurden die ICT Scouts genannt, die bereits Schülerinnen und Schüler früh an Robotics- und Informatik-Themen heranführen.

KI verändert Marketing und Wirtschaft radikal

Deutlich provokativer fiel der Vortrag von Phil Lichtenberg aus. Der Marketing- und KI-Experte zeichnete ein Bild einer Wirtschaft, die sich durch künstliche Intelligenz fundamental verändert. Er sprach über KI-generierte Inhalte, Deepfakes, virtuelle Influencer, automatisierte Videoerstellung und den Bedeutungsverlust klassischer Webseiten durch Googles AI-Overviews.

Laut Lichtenberg verschieben sich digitale Geschäftsmodelle zunehmend weg von klassischen Plattformen hin zu Social Media, Videoformaten und KI-gestütztem Content. Unternehmen müssten lernen, Inhalte so aufzubereiten, dass sie von KI-Systemen überhaupt noch wahrgenommen würden. Besonders Videos würden künftig entscheidend für Reichweite und Sichtbarkeit.

Gleichzeitig warnte er vor gesellschaftlichen Risiken. AI-Companions könnten insbesondere Jugendliche emotional manipulieren. Deepfake-Technologien machten es inzwischen extrem einfach, Stimmen und Gesichter zu kopieren. Auch biometrische Daten wie Iris-Scans würden zunehmend kommerzialisiert.

Europa und insbesondere die Schweiz müssten sich deshalb fragen, welche Rolle sie im globalen KI-Wettbewerb künftig spielen wollen. Während China und die USA Milliarden in Datenzentren und KI-Modelle investieren würden, drohe Europa technologisch zurückzufallen. Gleichzeitig verwies Lichtenberg auf effizientere chinesische Modelle wie DeepSeek, die mit deutlich weniger Energieverbrauch arbeiten würden.

Compliance wird zum Schlüsselfaktor

Zum Abschluss rückte AI-Compliance in den Mittelpunkt. Der aus den USA nach Basel zurückgekehrte Technologieexperte Bernd Burgdorf machte deutlich, dass künstliche Intelligenz zwar enorme Effizienzgewinne ermögliche, gleichzeitig aber regulatorisch hochkomplex werde.

Gerade in Europa seien Datenschutz, Haftung und Transparenz zentrale Themen. Unternehmen müssten genau wissen, wo ihre Daten gespeichert werden, welche Modelle verwendet werden und ob sensible Informationen möglicherweise ungewollt zum Training externer Systeme genutzt würden.

Burgdorf betonte, dass viele Unternehmen KI-Systeme bereits einsetzen würden, ohne deren Compliance-Risiken vollständig zu verstehen. Besonders problematisch seien cloudbasierte Lösungen grosser Anbieter, bei denen die Verantwortung letztlich häufig beim Unternehmen selbst liege.

Als Lösungsansatz plädierte er für lokale oder hybride KI-Infrastrukturen, Open-Source-Modelle sowie klare Governance-Strukturen innerhalb der Unternehmen. Entscheidend sei, künstliche Intelligenz nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch und rechtlich sauber zu integrieren.

Basel zwischen Aufbruch und Realität

Die Veranstaltung zeigte deutlich, dass Basel technologisch weit mehr sein möchte als nur ein Life-Sciences-Zentrum. Die Region verfügt über starke Hochschulen, internationale Unternehmen, Innovationsförderung und hohe Lebensqualität. Gleichzeitig stehen Fragen rund um Talentförderung, internationale Sichtbarkeit, Energieversorgung, KI-Kompetenz und Regulierung im Raum.

Die Diskussionen machten aber auch klar: Der Aufbau eines echten Tech-Hubs ist weniger eine Frage einzelner Projekte als vielmehr das Zusammenspiel vieler Akteure. Oder wie es ein Referent formulierte: «Opportunity belongs to the decisive.»

Binci Heeb

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