Die Katze in der Police

Was Schrödingers Katze, Heisenbergs Unschärferelation und Quantentunneln mit Underwriting zu tun haben? Mehr, als man denkt. Die neueste Folge von «Paul the Insurer» wagt den Sprung von der Quantenphysik in […]


«Paul the Insurer» wagt den Sprung von der Quantenphysik in die Versicherungswelt.

«Paul the Insurer» wagt den Sprung von der Quantenphysik in die Versicherungswelt.

«Paul the Insurer» wagt den Sprung von der Quantenphysik in die Versicherungswelt.

Was Schrödingers Katze, Heisenbergs Unschärferelation und Quantentunneln mit Underwriting zu tun haben? Mehr, als man denkt. Die neueste Folge von «Paul the Insurer» wagt den Sprung von der Quantenphysik in die Versicherungswelt und landet erstaunlich sauber.

Man kennt das Gedankenexperiment: Eine Katze sitzt in einer Box, gekoppelt an einen Mechanismus, der Gift freisetzen kann oder auch nicht. Solange niemand die Box öffnet, ist die Katze gleichzeitig tot und lebendig: ein Zustand der Superposition. Paul, Host des Podcasts «Paul the Insurer», nimmt dieses Bild und überträgt es auf ein Terrain, das auf den ersten Blick nichts mit Quantenphysik zu tun hat: das Underwriting.

Der Claim als Schwebezustand

Eine Cyberattacke mag stattgefunden haben oder nicht. Ein Schaden mag legitim sein oder nicht. Deckung mag greifen oder nicht. Solange ein Ereignis nicht beobachtet, gemeldet, analysiert und entschieden ist, existiert es – im übertragenen Sinn – in Superposition. Der Underwriter agiere damit, so die Episode, ganz ähnlich wie der Quantenphysiker: Er bewegt sich in einer Welt der Wahrscheinlichkeiten, nicht der Gewissheiten. Erst der Moment der Prüfung bringt Klarheit, vorher bleibt alles offen.

Der Beobachtereffekt: Wer misst, verändert

Ein zentraler Gedanke der Folge ist der Beobachtereffekt. In der Physik verändert die blosse Messung eines Teilchens dessen Verhalten. In der Versicherung gilt Ähnliches: Der Akt des Underwritings selbst – Fragen stellen, Inspektionen anfordern, Risiken bewerten – verändert das Risiko, das gerade beurteilt wird. Deckung kann Verhalten beeinflussen, manchmal zum Besseren, indem Sicherheit erhöht wird, manchmal zum Schlechteren, wenn moralisches Risiko entsteht. Selbst prädiktive Analytik forme mit, was sie eigentlich nur vorhersagen soll. Versicherung, so die pointierte Schlussfolgerung, sei kein passives System, denn jede Beobachtung ist zugleich Eingriff.

Unschärfe als Grundprinzip

Die Heisenbergsche Unschärferelation besagt, dass Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens nicht gleichzeitig exakt bestimmbar sind. Übersetzt auf die Versicherungswelt: Der genaue Wert eines Risikos und die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens lassen sich nicht gleichzeitig mit voller Präzision erfassen. Wie viel ist ein einzigartiges Kunstwerk wert? Wie wahrscheinlich ist ein koordinierter globaler Cyberangriff? Was werden KI-generierte Inhalte künftig an Schadenskosten verursachen? Wer die eine Grösse schärfer fasst, verliert an Schärfe bei der anderen.

Wenn Wahrscheinlichkeit Mauern durchdringt

Zum Schluss greift die Episode das Quantentunneln auf – jenes Phänomen, bei dem Teilchen Barrieren durchqueren, die sie eigentlich nicht durchqueren dürften, einfach weil die Wahrscheinlichkeit es zulässt. Eine Ausschlussklausel, die vor Gericht plötzlich nicht mehr trägt. Ein Risikoprofil, das als niedrig eingestuft war und dennoch einen Grossschaden auslöst. Eine unscheinbare Policenformulierung, die zur Grundlage einer Sammelklage wird. Wahrscheinlichkeit, so die Pointe, findet ihren Weg durch juristische Mauern, die eigentlich unüberwindbar schienen.

Unsicherheit als Konstante

Die Quantenmechanik hat gezeigt, dass die Welt weniger deterministisch ist, als lange angenommen, geprägt von Unsicherheit, Wechselwirkung und Unvorhersehbarkeit. Für die Versicherungsbranche, so der Schluss der Episode, gilt genau dasselbe. Wer das akzeptiert, versteht Risiko nicht mehr als Grösse, die es zu berechnen gilt, sondern als Zustand, der sich erst im Beobachten formt.

Binci Heeb

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