Assistenzsysteme schützen – und lenken ab

Fahrassistenzsysteme reduzieren Auffahrunfälle laut AXA um rund 40 Prozent. Doch der gewonnene Sicherheitspuffer wird teilweise wieder verspielt: Wer sich auf die Technik verlässt, fährt riskanter und ist unaufmerksamer, ein Muster, […]


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Fahrassistenzsysteme reduzieren Auffahrunfälle laut AXA um rund 40 Prozent.

Fahrassistenzsysteme reduzieren Auffahrunfälle laut AXA um rund 40 Prozent.

Fahrassistenzsysteme reduzieren Auffahrunfälle laut AXA um rund 40 Prozent.

Fahrassistenzsysteme reduzieren Auffahrunfälle laut AXA um rund 40 Prozent. Doch der gewonnene Sicherheitspuffer wird teilweise wieder verspielt: Wer sich auf die Technik verlässt, fährt riskanter und ist unaufmerksamer, ein Muster, das Präventionsexperten als Risikokompensation kennen.

Die neue AXA-Studie zum automatisierten Fahren liefert ein zwiespältiges Bild. Einerseits ist der Nutzen moderner Systeme unbestritten: 27 Prozent der Lekenden geben an, dass der Notbremsassistent sie in den letzten sechs Monaten mindestens einmal vor einer gefährlichen Situation bewahrt habe. Schadendaten der grössten Schweizer Autoversicherung untermauern das: Fahrzeuge mit modernsten Assistenzsystemen verursachen rund 40 Prozent weniger Auffahrunfälle als solche ohne.

Trügerische Sicherheit am Steuer

Andererseits zeigt die Befragung von 1’272 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz, wie schnell technischer Fortschritt in menschliches Fehlverhalten umschlägt. 47 Prozent der Befragten mit Assistenzsystemen räumen ein, im Vertrauen auf die Technik riskanter zu fahren; 60 Prozent glauben, dadurch weniger aufmerksam unterwegs zu sein. Besonders deutlich wird das bei der Handynutzung: Lenkende mit Fahrhilfen greifen häufiger zum Smartphone (28 Prozent) als solche ohne (22 Prozent). Mindestens jeder Zehnte schaltet die Systeme sogar gezielt ein, um sich anderen Tätigkeiten widmen zu können. «Die Hände gehören zu jeder Zeit ans Steuer», mahnt Luca Genovese, Leiter Forschung und Prävention bei der AXA. Der Sicherheitsgewinn drohe durch risikofreudigeres Verhalten wieder verloren zu gehen.

Wissenslücke als Risikofaktor

Ein zentraler Treiber dieser Fehleinschätzung ist schlichtes Unwissen. Fast drei Viertel der Befragten mit Assistenzsystemen haben beim Fahrzeugkauf keine Einführung in deren Funktionsweise erhalten: 89 Prozent würden sich eine solche wünschen. Genovese rät deshalb, sich aktiv mit den Systemen vertraut zu machen und im Zweifelsfall Garagisten oder Fahrschulen zu konsultieren. Auch die Bedienung der Fahrzeuge selbst trägt zur Ablenkung bei: Die Hälfte der Befragten fühlt sich durch Touchscreens im Cockpit abgelenkt, weshalb zwei Drittel sich wieder mehr physische Knöpfe statt Bildschirme wünschen. Ähnlich kritisch wird die akustische Dauerbeschallung durch Warntöne gesehen. Fast jeder Dritte fühlt sich vom Spurhalte- und Lenkassistenten gestört und schaltet die Systeme deshalb aktiv ab, was Genovese ausdrücklich widerrät.

Jérôme Pahud, Leiter Mobilitätsversicherungen bei der AXA, ordnet die Zahlen ein: Der Rückgang bei Auffahrunfällen sei erfreulich, mache aber nur einen kleinen Teil der gemeldeten Schadenfälle aus und werde durch die gestiegenen Ersatzteilpreise finanziell längst nicht kompensiert.

Die Botschaft der Studie ist damit klar: Assistenzsysteme unterstützen, sie entlasten aber nicht von der Verantwortung. Diese bleibt, allen Sensoren und Algorithmen zum Trotz, vollständig beim Menschen hinter dem Lenkrad.


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