Die Pax feierte am Aschenplatz ihr 150-Jahr-Jubiläum mit Stubencharme statt Gala, einem Regierungsrat als Nachbarschaftsgast und einem Avenir-Suisse-Direktor, der die Altersvorsorge zur Kabarettbühne machte.
Sofa statt Gala: So lautete das Motto, mit dem Pax-CEO Peter Kappeler seine Gäste zur Jubiläumsfeier am Basler Hauptsitz begrüsste. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand tatsächlich ein Sofa: das ikonische grüne Stück, Sinnbild für das, was Menschen von zu Hause kennen, das seit Jahresbeginn quer durch die Schweiz reist, mit den Mitarbeitenden nach Laax fuhr und zuletzt beim Vertriebspartner-Fest im Attisholzareal stand. Rechtzeitig zum «Open House» kehrte es an den Aschenplatz zurück, um dort für drei Wochen der Basler Bevölkerung einen ungewohnten Stubenmoment zu bieten, dort, wo die Pax seit 150 Jahren zu Hause ist.
Ein Nachbar mit historischem Rückblick
Dass ausgerechnet der Gesundheitsvorsteher die Laudatio hielt, ist kein Zufall, sondern gute Nachbarschaft: Regierungsrat Dr. Lukas Engelberger, Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartements und Präsident der GDK, residiert direkt gegenüber der Pax in einer Liegenschaft, die ihm ausgerechnet ein anderer Versicherungsmann, Thomas Schönbächler, CEO der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich, zur Verfügung stellt. Engelberger nutzte die Gelegenheit für einen Ausflug in die Basler Stadtgeschichte: Die Malzgasse, an der sowohl das Gesundheitsdepartement als auch die Pax Büros haben, verdankt ihren Namen der «Malenzey», dem mittelalterlichen Leprasiechenhaus, in das Erkrankte einst, und aus Angst vor Ansteckung, an den Stadtrand verbannt wurden. Ein bewusster Kontrast zum heutigen Selbstverständnis, das Kranken und Alternden mit mehr Würde begegnet.























Engelberger zog daraus eine simple Arbeitsteilung: Der Kanton sorgt dafür, dass die Menschen möglichst lange und gesund leben, die Pax sichert dies finanziell ab: «Alles in allem funktioniert das nicht ganz so schlecht», befand er trocken. Zugleich ordnete er das Jubiläum politisch ein: Die Pax-Gründung von 1876 fällt in die Zeit kurz nach der Totalrevision der Bundesverfassung von 1874, mit der die direkte Demokratie und das Gesetzesreferendum Einzug hielten, während Basel-Stadt sein altes patrizisches Ratssystem erst 1875 an die neue föderale Realität anpasste. Der genossenschaftliche Gedanke, wonach man zugleich Eigner und Kunde ist, sah Engelberger als sinnbildlich für das, was die Assekuranz bis heute in Basel präge: Eine Branche, die volkswirtschaftlich längst bedeutender sei als das klassische Bankengeschäft.
Der Zürcher, der die Altersvorsorge als Kabarettbühne inszenierte
Für den launigen Teil des Abends war ausgerechnet ein Zürcher zuständig: Jürg Müller, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse und mit seinem Think Tank Förderpartner desselben Hauses, das ihn eingeladen hatte, humorvoll über das Dreisäulensystem zu sprechen, eine Aufgabe, die er selbst mit dem Auftrag verglich, einem Bestatter zu sagen, er solle «etwas Fröhliches machen, aber beim Thema bleiben».
Müller eröffnete mit einer Statistik aus den 1920er- bis 1940er-Jahren, wonach damals ein Drittel der Basler Männer und zwei Drittel der alleinstehenden Frauen über 65 von öffentlicher Fürsorge lebten. Der Kontrast zu heute: Über 75 Prozent der Rentnerinnen und Rentner sind laut aktuellen Zahlen mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sehr zufrieden. Zufriedener als die Erwerbstätigen, von denen dies nur 60 Prozent sagen. Sein Bild dafür: Man sitze heute im Schatten von drei Bäumen – der zweiten Säule, die bereits im 19. Jahrhundert als Pensionskassenwesen entstand, der AHV von 1948 und dem 1972 verfassungsmässig verankerten Dreisäulenmodell. Nur die Reihenfolge der Bäume habe die Politik im Nachhinein passend hingebogen.
So unterhaltsam der Rückblick, so ernst wurde Müller bei der Demografie: Seit der Jahrtausendwende gewinne die Schweiz jährlich rund zwei Monate an Lebenserwartung hinzu, während das Verhältnis von Erwerbstätigen zu AHV-Rentnern von einst sechs zu eins auf heute knapp drei zu eins gesunken sei, mit einer Tendenz weiter fallend auf 2,5. Bis 2040 drohe der AHV ein jährliches Defizit von rund drei Milliarden Franken, während die jüngste Reform gerade einmal 600 Millionen an Mehreinnahmen bringe. Sein Fazit, mit Verweis auf Länder wie Dänemark (Rentenalter 68, ab 2035 voraussichtlich 69), Schweden (67) und Deutschland (65): An einer Erhöhung des Rentenalters führe kein Weg vorbei. Schon zwei zusätzliche Jahre würden das demografische Gleichgewicht der 1970er-Jahre wiederherstellen. Zumutbar sei dies durchaus, rechnete er vor, schliesslich arbeite ein Zwanzigjähriger von heute über das gesamte Leben gerechnet nur noch rund 20 Wochenstunden im Schnitt und damit halb so viel wie ein Zwanzigjähriger von 1930.
Den Schlusspunkt setzte Müller mit einem selbstironischen Basler Schnitzelbangg-Vierzeiler auf Zürcher Zunge – ein kleines Wagnis, das er selbst als kalkuliertes Risiko bezeichnete, aber mit Szenenapplaus belohnt wurde.
Peter Kappeler dankte beiden Rednern für die Mischung aus Herzlichkeit und Humor in einem Thema, das in der Schweizer Vorsorgedebatte oft von Grabenkämpfen geprägt sei, und lud die Gäste anschliessend ein, die «Erlebniswelt» der Pax-Geschichte im Haus selbst zu erkunden, inklusive Tischfussball in der «rot-blauen Zeitkapsel» und dem Wissen, dass der FC Basel vor einer knappen Stunde seinen Trainer (Stephan Lichtsteiner) entlassen hatte.
Binci Heeb
Noch bis zum 25. September lädt die Pax in ihr «Open House» ein
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