Die Schweizer Bevölkerung blickt zunehmend kritisch auf digitale Medien und künstliche Intelligenz. Eine klare Mehrheit fordert mehr Transparenz, strengere Regeln für Plattformen und einen bewussteren Umgang mit digitalen Inhalten.
Der aktuelle Cybersorgenmonitor 2026, durchgeführt von der AXA in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo, zeigt ein deutliches Stimmungsbild: 87 Prozent der Befragten erwarten, dass KI-gestützte Cyberbetrugsfälle zunehmen werden, während 77 Prozent von höheren finanziellen Schäden ausgehen.
Gleichzeitig sehen viele die Glaubwürdigkeit von Informationen unter Druck. 61 Prozent empfinden KI-generierte Inhalte als grosse Herausforderung für die Verlässlichkeit von Informationen. Auch Fragen der Transparenz, Verantwortung und politischen Meinungsbildung bereiten jeweils rund der Hälfte der Bevölkerung Sorgen. Hinzu kommt, dass viele Mühe haben, KI-Inhalte bei Texten, Bildern oder Audioformaten überhaupt zu erkennen.
Klare Forderung nach Regulierung und Verantwortung
Besonders deutlich ist die Haltung bei der Kennzeichnungspflicht: 94 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass KI-generierte Inhalte immer klar ausgewiesen werden müssen. Gleichzeitig wird die Verantwortung nicht allein beim Staat gesehen. 70 Prozent der Teilnehmenden sind der Meinung, dass grosse Technologieunternehmen eine zentrale Rolle beim sicheren Umgang mit KI auf ihren Plattformen übernehmen müssen.
Damit zeigt sich ein Wandel im Verständnis digitaler Verantwortung: Die Idee, dass Nutzerinnen und Nutzer allein für ihren Medienkonsum verantwortlich sind, verliert an Bedeutung. Stattdessen rücken Plattformbetreiber stärker in den Fokus regulatorischer Erwartungen.
Ablehnung von algorithmischer Personalisierung
Auch die Personalisierung von Inhalten stösst auf breite Kritik. 69 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer bewerten es negativ, wenn Medieninhalte auf Basis ihres Nutzungsverhaltens ausgespielt werden. Besonders ausgeprägt ist diese Skepsis bei den über 55-Jährigen.
Die Diskussion über digitale Plattformen verschiebt sich damit zunehmend: Nicht nur Inhalte, sondern auch algorithmische Mechanismen und Plattformdesign geraten sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in der politischen Debatte stärker in den Fokus.
Digitale Nutzung zwischen Gewohnheit und Unzufriedenheit
Trotz dieser kritischen Haltung bleibt die Bildschirmzeit hoch. Mehr als die Hälfte der Befragten würde gerne weniger Zeit an privaten digitalen Geräten verbringen, bei den unter 36-Jährigen sind es sogar zwei Drittel. Gleichzeitig geben über zwei Drittel an, ihr Smartphone häufig ohne konkreten Anlass zu nutzen, oft aus Gewohnheit oder zur Unterhaltung.
Auch emotional ist die Nutzung ambivalent: Während Social Media gemischte Gefühle auslöst, sorgen Audioformate wie Musik oder Podcasts deutlich häufiger für positive Erlebnisse.