Der Krankenversicherer Helsana blickt auf ein strategisch wichtiges Jahr 2025 zurück. Neben einer neuen Unternehmensstrategie, der Übernahme des Softwareanbieters Adcubum und starkem Kundenwachstum standen vor allem Kundenzufriedenheit, Digitalisierung und neue gesellschaftliche Herausforderungen im Gesundheitswesen im Fokus.
Für Helsana war 2025 ein Jahr mit entscheidenden Entwicklungen. CEO Roman Sonderegger bezeichnete es an der Medienkonferenz als ein «wahnsinnig wichtiges Jahr» für das Unternehmen. Im Zentrum stand die Einführung einer neuen Unternehmensstrategie, die Anfang Januar 2026 gemeinsam mit allen Mitarbeitenden vorgestellt wurde. Ziel war nicht nur die Präsentation der strategischen Leitlinien, sondern auch deren Verankerung im Unternehmen. Laut interner Befragung gelang dies: Die Mitarbeitenden hätten die Strategie verstanden und wüssten, welchen Beitrag sie leisten sollen.
Ein weiterer Meilenstein war die Übernahme des Softwareanbieters Adcubum. Das Unternehmen liefert zentrale IT-Systeme für einen grossen Teil der Schweizer Krankenversicherungsbranche. Helsana kaufte Adcubum von einem amerikanischen Private-Equity-Investor mit dem Ziel zurück, Stabilität für das eigene Geschäft sowie für die Branche zu sichern. Nach Ansicht von Helsana waren unter dem früheren Eigentümer Investitionen in die Kernsysteme zu kurz gekommen, weil Mittel zunehmend in andere Geschäftsfelder geflossen seien.
Kundenzufriedenheit als zentraler Erfolgsfaktor
Im Zentrum der Unternehmensstrategie steht für Helsana weiterhin die Kundenzufriedenheit. Dabei gehe es nicht nur um Produkte, sondern ebenso um Servicequalität, Erreichbarkeit und freundliche Beratung. Entscheidend seien jedoch vor allem die Mitarbeitenden.
Sonderegger betonte den Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Kundentreue: Zufriedene Mitarbeitende führten zu zufriedenen Kunden und diese wiederum zu langfristiger Bindung. Interne Umfragen zeigen, dass rund 81 Prozent der Mitarbeitenden Helsana als Arbeitgeber weiterempfehlen würden.
Auch externe Studien bestätigen die positive Entwicklung. In verschiedenen Zufriedenheitsrankings, beispielsweise von Deloitte oder Comparis, schneidet Helsana gut ab. Besonders deutlich zeigt sich der Fortschritt beim sogenannten Net Promoter Score, der die Weiterempfehlungsrate misst. Hier hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren deutlich verbessert und gehört inzwischen zu den führenden Krankenversicherern.
Im Unternehmensgeschäft erreicht Helsana zudem hohe Werte bei Brokerbefragungen. Dort belegte der Versicherer zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz.
Wachstum bei Kunden und Prämienvolumen
Finanziell entwickelte sich das Unternehmen ebenfalls positiv. Die Helsana-Gruppe überschritt erstmals die Marke von neun Milliarden Franken Prämienvolumen. Das Wachstum ist vor allem auf zusätzliche Kunden in der Grundversicherung sowie auf eine starke Entwicklung im Zusatzversicherungsgeschäft zurückzuführen.
In der Grundversicherung gewann Helsana netto rund 69’000 neue Versicherte. Ursprünglich hatte das Unternehmen lediglich ein moderates Wachstum leicht über dem Marktanteil erwartet. Ausschlaggebend für den stärkeren Kundenzuwachs waren neben wettbewerbsfähigen Prämien auch die hohe Kundenzufriedenheit.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Zusatzversicherungsgeschäft im Individualkundenbereich. Hier verzeichnete Helsana gezieltes Wachstum in ausgewählten Segmenten und Produkten.
Stabile Finanzen trotz anspruchsvollem Umfeld
Finanzchef Ronny Bächtold bezeichnete das Geschäftsjahr als insgesamt sehr erfolgreich. Besonders hervorzuheben sei der Kapitalanlageerfolg von über 500 Millionen Franken. Die interne Vermögensverwaltung erzielte erneut eine Outperformance gegenüber dem Markt.
Helsana verfügt über ein breit diversifiziertes Anlageportfolio mit einem Aktienanteil von unter 20 Prozent. Alternative Anlagen wie Bitcoin oder Private Equity werden bewusst nicht eingesetzt. Trotz dieser konservativen Strategie lag die Anlagerendite bei rund sechs Prozent.
Ein Teil der Gewinne wurde in Wertschriften-Schwankungsrückstellungen zurückgelegt. Diese dienen dazu, mögliche Börsenturbulenzen abzufedern. Insgesamt verfügt Helsana über Rückstellungen von mehr als fünf Milliarden Franken sowie ein weiter gestärktes Eigenkapital.
Auch bei den Verwaltungskosten sieht sich der Versicherer gut positioniert. Die Verwaltungskostenquote sank auf Gruppenebene auf 6,9 Prozent. In der obligatorischen Grundversicherung liegt sie bei rund 3,8 Prozent, dies bedeutet im Branchenvergleich einen sehr tiefen Wert.
Grundversicherung bleibt strukturell defizitär
Wie bei allen Krankenversicherern bleibt das Geschäft mit der obligatorischen Grundversicherung strukturell defizitär. Helsana kalkuliert bewusst mit einem versicherungstechnischen Verlust, der durch Anlageerträge kompensiert wird.
Gewinne entstehen vor allem im Zusatzversicherungs- und Unfallgeschäft sowie im Krankentaggeldbereich. Diese Bereiche ermöglichen es, auf Gruppenebene dennoch ein positives versicherungstechnisches Ergebnis zu erzielen.
Langfristig erwartet Helsana daher weiterhin ein Gleichgewicht: Verluste in der Grundversicherung werden durch Gewinne in anderen Geschäftsfeldern ausgeglichen.
Gesellschaftliche Trends verändern das Gesundheitswesen
Neben den aktuellen Geschäftszahlen beschäftigten sich die Verantwortlichen auch mit den langfristigen Herausforderungen des Gesundheitswesens. Dazu gehören steigende Lebenserwartung, zunehmende psychische Belastungen und veränderte Erwartungen der Bevölkerung.
Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei psychischen Erkrankungen. Laut Helsana ist inzwischen jede dritte Arbeitsunfähigkeit im Krankentaggeldbereich auf mentale Probleme zurückzuführen. Diese Entwicklung habe weitreichende Folgen nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für Unternehmen und Familien.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen an medizinische Versorgung. Viele Menschen verlangten heute eine jederzeit verfügbare und hochqualitative Behandlung, möglichst in unmittelbarer Nähe. Gleichzeitig wachse der Druck, die Gesundheitskosten zu begrenzen.
Dieses Spannungsfeld zwischen steigenden Ansprüchen und Finanzierbarkeit dürfte das Gesundheitssystem laut Helsana langfristig prägen.
Neue Tarifsysteme und regulatorische Unsicherheit
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch tiefgreifende Reformen der Tarifstrukturen im Gesundheitswesen. Mit dem neuen ambulanten Tarifsystem Tardoc und den ambulanten Pauschalen werden Leistungen im Umfang von rund 13 Milliarden Franken neu organisiert.
Für Versicherer bedeutet dies erhebliche technische und organisatorische Anpassungen. Helsana sieht sich auf diese Umstellung vorbereitet, stellt jedoch fest, dass nicht alle Leistungserbringer bereits vollständig bereit sind.
Das führt teilweise zu Verzögerungen bei Rechnungen und erschwert die Kalkulation zukünftiger Prämien. Gerade in einer Phase mit mehreren gleichzeitig laufenden Reformen sei die Planungssicherheit begrenzt.
Strategische Themenfelder für die Zukunft
Neben dem Kerngeschäft will Helsana künftig stärker in neue Themen investieren, die aus gesellschaftlichen Megatrends abgeleitet sind. Dazu zählen insbesondere mentale Gesundheit, Longevity, Kinderwunsch und Schwangerschaft sowie selbstbestimmtes Wohnen im Alter.
Diese Bereiche sollen nicht isoliert entwickelt werden, sondern einen klaren Bezug zum bestehenden Versicherungsgeschäft haben. Ein Beispiel ist der Aufbau von Angeboten zur mentalen Gesundheit für Unternehmen. Ziel ist es, psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und Betroffene schneller wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren.
Solche Programme könnten langfristig auch die Kosten im Krankentaggeldgeschäft reduzieren.
Digitalisierung und Fachkräftemangel
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Sie soll einerseits Prozesse automatisieren und Verwaltungskosten senken, andererseits den Fachkräftemangel abfedern.
Nach Ansicht der Unternehmensleitung wird Digitalisierung künftig unverzichtbar sein, weil immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Gleichzeitig arbeitet Helsana an konkreten Anwendungen für künstliche Intelligenz zunächst intern, bevor sie im Kundenkontakt eingesetzt werden.
Gut gerüstet für kommende Herausforderungen
Trotz der zahlreichen Unsicherheiten sieht sich Helsana gut aufgestellt. Das Unternehmen verfüge über ein starkes finanzielles Fundament, eine klare Strategie und motivierte Mitarbeitende.
Die Kombination aus stabilem Kerngeschäft, neuen Innovationsfeldern und konsequenter Digitalisierung soll helfen, die Herausforderungen im Gesundheitswesen auch künftig erfolgreich zu bewältigen.
Binci Heeb
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