Hypothekarzinsen: Die neue Normalität hat einen Preis

Die Schweizer Hypothekarzinsen bewegen sich seit Monaten seitwärts, während sie im Ausland klettern. Doch wer auf eine Rückkehr zu Tiefstzinsen hofft, plant an der Realität vorbei. Das zeigt die aktuelle […]


Wer auf eine Rückkehr zu Tiefstzinsen hofft, plant an der Realität vorbei.

Wer auf eine Rückkehr zu Tiefstzinsen hofft, plant an der Realität vorbei.

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Die Schweizer Hypothekarzinsen bewegen sich seit Monaten seitwärts, während sie im Ausland klettern. Doch wer auf eine Rückkehr zu Tiefstzinsen hofft, plant an der Realität vorbei. Das zeigt die aktuelle Einschätzung von MoneyPark, Stand 18. September 2026.

Die Schweiz schwimmt gegen den Strom. Der starke Franken und die moderate Teuerung nehmen der Schweizerischen Nationalbank den Handlungsdruck und wirken als Puffer gegen internationale Entwicklungen. Seit Juni bewegen sich die Hypothekarzinsen in einem engen Band. Die Unterschiede zum Ausland sind beträchtlich: Seit der Zinswende 2022 sind die Zinsen in Deutschland und Grossbritannien rund viermal, in den USA sogar mehr als fünfmal stärker gestiegen als hierzulande. Gegenüber 2021 legte die zehnjährige Hypothek in der Schweiz um 70 Basispunkte zu, in Deutschland um 269, in Grossbritannien um 261 und in den USA (15 Jahre) um 364.

Ganz abgekoppelt ist die Schweiz allerdings nicht. Die jüngsten Aufwärtsbewegungen zeigen, dass höhere Inflationserwartungen und steigende Kapitalmarktzinsen auch hier Spuren hinterlassen. Seit Juni haben die Richtsätze leicht angezogen: Die zweijährige Festhypothek liegt bei 1.59 Prozent (+14 Basispunkte), die fünfjährige bei 1.83 Prozent (+14) und die zehnjährige bei 2.06 Prozent (+8). Der Saron-Satz verharrt bei 1.04 Prozent. Die von MoneyPark nachverhandelten Top-Sätze liegen tiefer, bei 1.19, 1.42 beziehungsweise 1.60 Prozent.

Was die Anbieter erwarten

Die SNB dürfte ihren Leitzins bei der anstehenden Lagebeurteilung bei 0 Prozent belassen. Die rund 50 befragten Hypothekargeber, darunter Banken, Versicherungen und Pensionskassen, rechnen deshalb bei kürzeren Laufzeiten mit weitgehend stabilen Zinsen. Am langen Ende erwarten viele eine leicht steigende Tendenz, die sich in den letzten Tagen teilweise bereits materialisiert hat. Als Treiber gelten die hohe Staatsverschuldung, Investitionen in Infrastruktur und künstliche Intelligenz sowie anhaltender Inflationsdruck im Ausland.

Das Fazit von MoneyPark: Die Schweiz erlebt eine neue Zinsnormalität, deutlich unter dem internationalen Niveau, aber dauerhaft über den Tiefstständen vor 2022. Kurzfristige Ausschläge bleiben möglich, für eine nachhaltige Richtungsänderung spricht derzeit wenig.

Planungssicherheit oder Flexibilität

Die zehnjährige Festhypothek bleibt die beliebteste Wahl. Saron-Hypotheken dienen zunehmend als Übergangslösung, um von tiefen Margen zu profitieren und auf einen besseren Einstiegszeitpunkt für eine Festhypothek zu warten. Die Anbieter vergeben Kredite weiterhin selektiv, gleichzeitig locken die attraktiven Margen zusätzliche Kapitalgeber wie Pensionskassen an. Profitieren dürften vor allem finanziell starke Kreditnehmende, für die das Angebot gegen Jahresende wieder etwas grösser werden könnte.

Empfehlungen: Zeit einplanen, Angebote vergleichen

Trotz wenig Bewegung bleiben die Unterschiede zwischen den Anbietern gross. MoneyPark beziffert das Sparpotenzial bei einer zehnjährigen Festhypothek auf bis zu 0.46 Prozentpunkte pro Jahr. Bei einem Volumen von 750’000 Franken wären das bis zu 34’500 Franken über zehn Jahre. Dabei handelt es sich um eine Angabe des Anbieters, die im Einzelfall vom Profil der Kreditnehmenden abhängt.

Wer auf deutlich tiefere Zinsen setzt, sollte seine Finanzierungsentscheide nicht darauf stützen. Da die Vergabepolitik restriktiv bleibt, empfiehlt sich bei Neuabschlüssen, Verlängerungen und Ablösungen mehr Zeit für die Anbietersuche. Und wer seine Hypothek im Hinblick auf die Abschaffung des Eigenmietwerts reduzieren will, sollte genügend Reserven für Renovationen und den Erhalt des Lebensstandards einplanen. Eine Wiederaufstockung im Pensionsalter erweist sich oft als schwierig.


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