Quantensicherheit: Erst schützen, dann zählen

Betreiber kritischer Infrastrukturen sollten mit der Umstellung auf Quantensicherheit nicht warten, bis jede kryptografische Komponente erfasst ist. Die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) rät, die wichtigsten Systeme sofort abzusichern […]


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Die DCQL rät, die wichtigsten Systeme sofort abzusichern und die Inventarisierung parallel weiterzuführen.

Die DCQL rät, die wichtigsten Systeme sofort abzusichern und die Inventarisierung parallel weiterzuführen.

Die DCQL rät, die wichtigsten Systeme sofort abzusichern und die Inventarisierung parallel weiterzuführen.

Betreiber kritischer Infrastrukturen sollten mit der Umstellung auf Quantensicherheit nicht warten, bis jede kryptografische Komponente erfasst ist. Die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) rät, die wichtigsten Systeme sofort abzusichern und das Inventar parallel weiterzuführen.

Der Ratschlag klingt nach gesundem Menschenverstand, widerspricht aber einer verbreiteten Praxis: Viele KRITIS-Betreiber wollen zuerst lückenlos wissen, wo überall Verschlüsselung im Einsatz ist, bevor sie mit der Migration beginnen. Für die DCQL ist das die falsche Reihenfolge. «Ein kryptografisches Inventar ist ein wichtiges Werkzeug, aber kein Selbstzweck», sagt Dr. Florian Fröwis, Director Quantum Security der Initiative. «Wenn Unternehmen jahrelang nach der letzten kryptografischen Bibliothek suchen, während besonders schützenswerte Daten bereits abgegriffen werden können, ist die Reihenfolge falsch.»

Verschlüsselung steckt überall

Das Problem ist die schiere Menge. Kryptografie findet sich in Routern, Firewalls, VPN-Gateways, Servern, Smartcards und Hardware-Sicherheitsmodulen, in der Finanzbranche zusätzlich in Geldautomaten und Zahlungsterminals, in der Industrie in Steuerungen, Sensoren und Fernwartungszugängen. Ein einzelner Router nutzt Schlüssel und Zertifikate gleich für ein halbes Dutzend Funktionen. Hinzu kommt: Bei Standardprodukten können Betreiber die Verfahren gar nicht selbst austauschen. «Der Anbieter entscheidet, ob Post-Quanten-Verfahren unterstützt werden und wann ein Firmware-Update verfügbar wird», so Fröwis. Fehlt ein Update, bleibt nur der Austausch des Geräts.

Abhängig von Drittanbietern

Besonders ausgeprägt ist diese Abhängigkeit im Finanzsektor. DCQL-Chairman Harald A. Summa verweist auf eine Erhebung der europäischen Aufsichtsbehörden, die rund 15’000 IT-Drittanbieter identifiziert hat, die Finanzunternehmen in der EU direkt bedienen. Im Risk Assessment Report der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde vom Juni 2026 bezeichneten rund 80 Prozent der befragten Banken Abhängigkeiten von IT-Dienstleistern ausserhalb von EU und EWR als Herausforderung. Fröwis’ Konsequenz: In jeden neuen Beschaffungsvertrag gehören eine belastbare Roadmap für Post-Quanten-Kryptografie, offene Schnittstellen für das Schlüsselmanagement, eine definierte Updatefrist und eine überprüfbare Aussage zur Kryptoagilität, also zur Fähigkeit, Verfahren ohne Betriebsunterbruch auszuwechseln.

Harvest now, decrypt later

Die Eile hat einen konkreten Grund. Angreifer können verschlüsselte Daten bereits heute abgreifen und speichern, um sie später mit einem Quantencomputer zu entschlüsseln. Betroffen sind Informationen, die lange vertraulich bleiben müssen, bei Banken etwa Kunden-, Kredit- und Transaktionsdaten oder Geldwäscheverdachtsmeldungen. Da die Einführung neuer kryptografischer Verfahren laut NIST erfahrungsgemäss zehn bis zwanzig Jahre dauert, sollte die Umstellung auf die seit 2024 verfügbaren Standards ML-KEM, ML-DSA und SLH-DSA so rasch wie möglich beginnen. Vorrang haben Root-Zertifikate, Signaturschlüssel für Softwareupdates, Identitätsdienste, Rechenzentrumsverbindungen und Leitstellennetze. Zusätzlichen Druck erzeugt künstliche Intelligenz, mit der Angreifer Schwachstellen schneller aufspüren.

Mathematik plus Physik

Allerdings beruht Post-Quanten-Kryptografie auf mathematischen Annahmen, die sich als falsch erweisen könnten. Die DCQL empfiehlt deshalb, besonders kritische Strecken, etwa zwischen Bankzentralen und Rechenzentren, zusätzlich mit Quantum Key Distribution (QKD) abzusichern. Dabei wird jeder Abhörversuch physikalisch erkennbar. «Wer auf vollständige Transparenz hinarbeitet, bevor die wichtigsten Systeme abgesichert werden, verliert wertvolle Zeit», fasst Summa zusammen.

Bemerkenswert bleibt, dass es eine Initiative braucht, um Unternehmen daran zu erinnern, dass Perfektion kein Sicherheitskonzept ist.


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