Der Podcast «Paul the Insurer» zieht in seiner neuesten Folge eine Linie vom sumerischen Sintflut-Mythos bis zur Gegenwart und fragt, ob künstliche Intelligenz die nächste grosse Flut oder die nächste Arche sein wird.
Lange vor dem Gilgamesch-Epos und der Noahgeschichte erzählt das Atrahasis-Epos von einer Flut als göttlicher Antwort auf den Lärm und die Überbevölkerung der Menschheit. Nur Atrahasis, vom Gott Enki heimlich gewarnt, überlebte auf einem Boot. Diese dramatische Geschichte von Zorn und fragilem Überleben, so der Podcast-Host Paul, hallt bis in die heutige Zeit nach in Zeiten geopolitischer Konflikte, des Klimawandels und politischer Instabilität.
Von der göttlichen Intervention zum Risikomanagement
Was einst als höhere Gewalt galt, ist heute Gegenstand technologischer Präzision. Satelliten verfolgen Unwetter, KI-Modelle sagen Überschwemmungsgebiete voraus, und ein dichtes Netz aus Versicherern, Rückversicherungsmärkten und staatlichen Katastrophenfonds federt wirtschaftliche Schäden ab. Öffentlich-private Modelle wie das französische Catnat-System oder der spanische Consorcio de Compensación de Seguros zeigen, wie organisierte Prävention und Schadensdeckung gesellschaftliche Resilienz schaffen. Wo Atrahasis eine hölzerne Arche baute, hat die Moderne finanzielle Archen errichtet.
Die nächste Flut oder die nächste Arche?
Die alte Botschaft hat dennoch nicht an Schärfe verloren: Katastrophen folgen, wenn Menschen ihre Grenzen überschreiten. Klimawandel, unkontrollierte Bebauung und ungleiche Katastrophenvorsorge sind die zeitgenössischen Entsprechungen. Paul stellt die provokante Frage, ob künstliche Intelligenz selbst zur nächsten «Flut» werden könnte oder ob sie vielmehr jene Arche sein wird, die Atrahasis, Utnapischtim und Noah gebaut haben, um die Menschheit zu retten. Und als letzte Zuspitzung: Könnte Elon Musks Rakete zum Mars die Arche des 21. Jahrhunderts sein?
Binci Heeb
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