Die Schweizer Versicherungsbranche steht finanziell so solide da wie selten zuvor und doch mehren sich die Herausforderungen. Steigende Gesundheitskosten, veränderte Naturgefahren und die Risiken künstlicher Intelligenz verlangen nach neuen Antworten. Die neueste Folge des LBC Insurance Radar von Marco La Bella, in Kooperation mit thebrokernews, zeigt: Genau in diesem Spannungsfeld gewinnt die Verbindung von menschlicher Beratung und Technologie an Bedeutung.
Der FINMA-Bericht 2025 attestiert der Schweizer Versicherungsbranche eine ausgesprochen robuste Verfassung. Die Eigenkapitalbestände wurden deutlich erhöht, die Solvenzquoten bewegen sich auf einem exzellenten Niveau. Mit einem Jahresergebnis von 24,4 Milliarden Franken – einem Plus von 136 Prozent – fällt der Zuwachs beeindruckend aus, getragen vor allem durch gestiegene Erträge aus Kapitalanlagen, die eine Kapitalrendite von 5 Prozent ermöglichten. Das Prämienvolumen ging zwar leicht auf 149 Milliarden Franken zurück, was auch mit der Frankenaufwertung zusammenhängt, an der grundsätzlich soliden Marktlage ändert dies jedoch wenig.
Gesundheitskosten steigen weiter
Weniger erfreulich entwickeln sich die Kosten der obligatorischen Krankenversicherung: Sie legten innerhalb eines Jahres um 0,4 Prozent zu, was einer Verteuerung von 21 Franken pro Kopf entspricht. Gemäss dem jüngsten Kostenmonitoring des Bundesamts für Gesundheit beliefen sich die durchschnittlichen Gesundheitskosten pro versicherte Person auf 4’834 Franken. Besonders markant war der Anstieg bei Spitex-Organisationen mit 14,9 Prozent, gefolgt von einem spürbaren Zuwachs bei Psychotherapie und Physiotherapie. Demografischer Wandel, technologischer Fortschritt und zunehmende Spezialisierung der Dienstleistungen treiben diese Entwicklung an. Die kantonalen Unterschiede sind dabei erheblich: Schaffhausen verzeichnet den stärksten Kostenanstieg, während Zug als einziger Kanton rückläufige Ausgaben meldet.
Naturgefahren und die Risiken der künstlichen Intelligenz
Im ersten Halbjahr 2026 sind die versicherten Schäden durch Naturkatastrophen weltweit auf 42 Milliarden Dollar zurückgegangen. Das sollte allerdings nicht über die grundsätzliche Dynamik hinwegtäuschen: Häufigkeit und Intensität von Wetterereignissen verändern die Versicherungslandschaft nachhaltig. Eine Studie von Prof. Dr. Martin Eling rückt zudem ein neues Risikofeld in den Fokus – die wirtschaftlichen Folgen extremer K,I-Szenarien. Die möglichen ökonomischen Schäden könnten klassische Versicherungsgrenzen sprengen und machen deutlich, wie dringend öffentlich-private Risikomanagementstrategien für diese neue Risikoklasse gebraucht werden.
Wenn Mensch und Maschine gemeinsam beraten
Wie Technologie die Kundenberatung verändert, ohne sie zu ersetzen, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: CBP Finance hat unter der Führung von Gürkan Kuyu eine App entwickelt, die Versicherungsfragen mittels künstlicher Intelligenz in Echtzeit beantwortet. Gerade in Stresssituationen – beispielsweise bei einer Autopanne im Ausland – kann eine schnelle, automatisierte Antwort entlastend wirken. Ersetzt werden soll die persönliche Beratung dadurch nicht. Im Gegenteil: Die Technologie soll Beraterinnen und Berater von repetitiven Aufgaben befreien, damit sie sich auf das konzentrieren können, was zählt, den langfristigen Aufbau von Kundenbeziehungen, stets unter Wahrung strenger Datenschutzstandards.
Die strategische Botschaft dahinter ist eindeutig: Versicherer, die es schaffen, ihre Beratungskompetenz mit intelligenten Technologien zu verbinden, werden sich im Markt langfristig behaupten. Technologie als Werkzeug für einen vertieften Kundendialog zu begreifen, statt als Ersatz für menschliche Nähe, denn darin liegt der eigentliche Wettbewerbsvorteil.
Binci Heeb
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