Hagelschäden an Autos: Versicherer im Grosseinsatz

Der Hagelsturm vom 28. August 2026 hat in weiten Teilen des Mittellands eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Eine Gewitterfront zog am Freitagmorgen mit heftigen Sturmböen, Starkregen und Hagelkörnern von bis […]


Am 28. August verwüstete ein Hagelsturm Karosserien, Scheiben, Gebäudehüllen und deckte Dächer in Aarau, Olten, Solothurn und Zürich ab.

Am 28. August verwüstete ein Hagelsturm Karosserien, Scheiben, Gebäudehüllen und deckte Dächer in Aarau, Olten, Solothurn und Zürich ab.

Am 28. August verwüstete ein Hagelsturm Karosserien, Scheiben, Gebäudehüllen und deckte Dächer in Aarau, Olten, Solothurn und Zürich ab.

Der Hagelsturm vom 28. August 2026 hat in weiten Teilen des Mittellands eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Eine Gewitterfront zog am Freitagmorgen mit heftigen Sturmböen, Starkregen und Hagelkörnern von bis zu sechs Zentimetern Durchmesser über die dicht besiedelten Regionen Aarau, Olten, Solothurn, Zürich sowie Teile des Mittellands hinweg. Zurück blieben zerbeulte Karosserien, zertrümmerte Scheiben, beschädigte Fassaden, Gebäudehüllen und abgedeckte Dächer.

Nun zeigt sich das Ausmass in mehr oder weniger konkreten Zahlen und in der Praxis, wie die betroffenen Versicherer mit der Flut an Schadenmeldungen umgehen.

Vaudoise rechnet mit über 2000 Fällen und CHF 10 Millionen Schaden

Bei der Vaudoise sind gemäss Mitteilung vom 31. August bereits mehr als 650 beschädigte Fahrzeuge gemeldet worden. Aufgrund dieses ersten Anhaltspunkts und angesichts der Wucht des Hagelzugs rechnet der Versicherer in den kommenden Tagen mit über 2000 Fällen und einem Schadenwert von rund CHF 10 Millionen ausschliesslich für Fahrzeugschäden in den Regionen Aarau, Olten, Solothurn und Zürich.

Um die grosse Zahl an Meldungen zu bewältigen, setzt die Vaudoise auf mobile Expertise-Einheiten, die möglichst nah an den betroffenen Orten aufgebaut werden. «Die Nähe zu unseren Kunden hat für uns oberste Priorität. Darum richten wir unsere Expertise-Zentren so nah wie möglich am Ort des Wetterereignisses ein und zwar zeitnah, sodass eine optimale Organisation gewährleistet ist», lässt sich Gérard Nerny, Leiter der Dienststelle Autoexpertisen, zitieren. Betroffene können ihren Schaden über die Agentur oder auf vaudoise.ch melden und erhalten anschliessend einen Link zur Terminvereinbarung.

Axa setzt auf Hagel-Drive-ins und Scanner

Auch die Axa meldete bereits am Freitagabend eine Flut an Schadenmeldungen über mehrere Kanäle und rät ihren Kundinnen und Kunden, Schäden nach Möglichkeit online zu erfassen. Trotz zusätzlich aufgebotenem Personal ist an der 24-Stunden-Hotline mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Kundinnen und Kunden mit sicherheitsrelevanten Fahrzeugschäden an Scheiben sollen dies umgehend melden; die Axa vermittelt in diesem Fall an Partnergaragen, wo ebenfalls mit Wartezeiten zu rechnen ist.

Zur schnelleren Begutachtung richtet die Axa kurzfristig mobile Hagel-Drive-ins ein, vorgesehen zunächst im Raum Winterthur und Olten, je nach Ausmass allenfalls auch an weiteren Standorten. Dort werden Hageldellen nicht mehr von Hand gezählt, sondern per Scanner innerhalb weniger Minuten präzise erfasst und die Schadenhöhe berechnet. Zu einer verlässlichen Gesamtschadenschätzung ist es laut Axa noch zu früh.

Die Praxis: Versicherte warten bis Mitte Januar 2027

So weit die offiziellen Mitteilungen. Die Realität sieht für Betroffene allerdings anders aus, wie die Redaktion von thebrokernews feststellen musste: Bei der Terminvereinbarung für ein hagelgeschädigtes Fahrzeug wurden Termine erst für Mitte Januar 2027 angeboten, rund viereinhalb Monate nach dem Schadenereignis. Aus Sicht der Versicherten ist das nicht sehr kundenfreundlich, insbesondere bei Fahrzeugen, die durch Hagelschäden in ihrer Sicherheit oder Alltagstauglichkeit eingeschränkt sind.

Vor diesem Hintergrund hat thebrokernews sowohl bei der Axa als auch bei der Vaudoise eine Medienanfrage eingereicht, um zu klären, wie die kommunizierten Massnahmen konkret umgesetzt werden und ob mit derart langen Wartezeiten zu rechnen ist.

Die Antworten der Vaudoise

Unsere Fragen wurden wie folgt beantwortet:

Zur schnellen Beurteilung von Hagelschäden an Fahrzeugen richtet die Vaudoise Expertise-Zentren ein. Die Vaudoise informiert ihre Kundinnen und Kunden in Kürze darüber, wo und wann sie in den nächsten Wochen ihre Expertise-Zentren einrichtet. Termine können online vereinbart werden.

In diesen Zentren bringen Kundinnen und Kunden ihre beschädigten Fahrzeuge vorbei. Dort berechnet ein Autoexperte mithilfe eines Scanners die Reparaturkosten. Anschliessend können die Kundinnen und Kunden wählen, ob sie sich den Betrag für die Reparatur auszahlen lassen oder den Schaden bei einer Karosseriewerkstatt reparieren lassen möchten.

Bei zertrümmerten Frontscheiben müssen Versicherte nicht auf die Expertise warten: Windschutzscheiben können Kundinnen und Kunden sofort und ohne vorgängige Expertise reparieren oder auswechseln lassen. Dafür steht ihnen die Wahl offen zwischen den Fachpartnern Carglass und Desa oder einer Werkstatt ihrer Wahl.

Die Vaudoise stellt damit klar, dass zumindest für sicherheitsrelevante Schäden wie zerstörte Frontscheiben keine langen Wartezeiten bis zur Expertise nötig sind. Für die eigentliche Schadenkalkulation über die Expertise-Zentren bleibt der genaue Zeitplan für Standorte und Starttermine jedoch weiterhin offen; die Vaudoise verweist auf eine baldige separate Information der Kundschaft.

Die Antworten der Axa

Auch die Axa hat auf unsere Medienanfrage geantwortet. Zur Zahl der gemeldeten Schäden hält der Versicherer sich bedeckt: Man habe zahlreiche Meldungen erhalten, das Ausmass sei aussergewöhnlich, mit sehr vielen Schäden in kurzer Zeit über weite Teile des dicht besiedelten Mittellands hinweg: Hagelkörner hätten in gewissen Regionen einen Durchmesser von über fünf Zentimetern erreicht. Konkrete Zahlen zum Unwetter will die Axa nicht nennen.

Konkreter wird der Versicherer beim Rollout seiner Hagel-Drive-ins: Umgehend nach dem Unwetter habe man mit der Einrichtung begonnen. Seit Dienstag ist ein Drive-in in Hinwil in Betrieb, im Raum Olten (Dulliken) folgt einer ab dem 9. September, in Winterthur ab dem 10. September, im Raum Bülach (Bachenbülach) ab dem 15. September und im Raum Weinfelden erst ab dem 27. Oktober, rund zwei Monate nach dem Unwetter. Kundinnen und Kunden erhalten ihren Drive-in-Termin nach der Schadenmeldung von der Axa zugeteilt.

Der Ablauf selbst ist auf Effizienz getrimmt: Nach Terminvereinbarung fahren Kundinnen und Kunden mit dem beschädigten Fahrzeug im Drive-in vor, geben den Autoschlüssel ab und überbrücken eine Wartezeit von maximal 30 Minuten im Kundenbereich bei Kaffee und Gipfeli. Das Fahrzeug durchläuft währenddessen einen Hagelscanner, dessen 3D-Kameras ein digitales Modell erstellen und die Dellen pro Bauteil nach Anzahl und Grösse erfassen. Ein Techniker prüft und ergänzt den Scanreport, berechnet den Schaden, und im abschliessenden Kundengespräch entscheiden die Betroffenen zwischen Reparatur mit Terminbuchung in einer Partnergarage oder der Heimgarage oder Auszahlung, die wenige Tage später überwiesen wird. Den digitalen Scanreport erhalten Kundinnen und Kunden per Mail.

Bei sicherheitsrelevanten Schäden wie kaputten Windschutzscheiben vermittelt auch die Axa umgehend an Partnergaragen, die das Fahrzeug so rasch wie möglich wieder fahrtauglich machen sollen. Allerdings räumt der Versicherer ein, dass aufgrund des hohen Aufkommens auch bei den Partnergaragen und Werkstätten mit Wartezeiten zu rechnen ist.

Einordnung

Mit Schätzungen von über 2000 Fahrzeugschäden allein bei der Vaudoise und ähnlich hohen Fallzahlen bei weiteren Versicherern wie Axa, Mobiliar oder Allianz Suisse, etc. zeichnet sich ab, dass der Hagelsturm vom 28. August 2026 zu den bedeutenderen Unwetterereignissen des Jahres in der Schweizer Autoversicherung zählt. Die kommunizierten Massnahmen, wie mobile Expertise-Zentren, Hagel-Drive-ins und Scanner-Technologie, sollen die Abwicklung beschleunigen, und der detaillierte Ablauf, den die Axa nun offengelegt hat, zeigt tatsächlich einen durchdachten, auf Tempo getrimmten Prozess.

Doch die Standort-Rollouts erzählen eine andere Geschichte als die Werbebotschaft: Während Hinwil bereits Anfang Woche einen Drive-in erhielt, müssen Betroffene im Raum Weinfelden bis Ende Oktober warten, also zwei Monate nach dem Unwetter. Und für die reguläre Schadenkalkulation abseits der Frontscheiben bleibt bei der Vaudoise der Zeitplan bis heute offen. Ob die kommunizierten Massnahmen in der Praxis flächendeckend greifen oder ob, wie im vorliegenden Fall, Kundinnen und Kunden auf Termine bis weit ins nächste Jahr warten müssen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. thebrokernews bleibt an diesem Thema dran.

Binci Heeb

Lesen Sie auch: AXA-Schadenstatistik


Tags: #Aarau #Autos #Axa #Expertise-Zentren #Grosseinsatz #Hagel-Drive-ins #Hagelkörner #Haglschäden #Olten #Partnergaraen #Starkregen #Sturmböen #Vaudoise #Versicherer