In der Deutschschweiz erwarten unabhängige Hypothekarvermittler mehrheitlich stabile Zinsen, doch am langen Ende der Kurve mehren sich die Stimmen, die mit einem Anstieg rechnen. Das zeigt die erste Ausgabe des Zinsbarometers von neo-hypotheque.ch, das die Plattform künftig vor jedem SNB-Entscheid lancieren will.
31 unabhängige Hypothekarvermittler haben zwischen dem 12. August und dem 15. September an der Premiere des Zinsbarometers teilgenommen. 25 von ihnen sind in der Westschweiz tätig, 6 in der Deutschschweiz. Dieses Übergewicht ordnet die Ergebnisse ein, aber ihre Aussagekraft schmälert sie nicht: Es sind Praktiker, die tagtäglich sehen, zu welchen Konditionen Hypotheken tatsächlich vergeben werden, nicht Prognostiker aus den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Kreditgeber.
Festhypothek versus SARON: zwei Produkte, zwei Erwartungen
Bei der 10-jährigen Festhypothek rechnen 19 der 31 Befragten auf Sicht von drei Monaten mit stabilen Sätzen. 10 erwarten einen Anstieg, lediglich 2 einen Rückgang. Steigende Sätze werden damit fünfmal häufiger genannt als sinkende. Dies ist ein Ungleichgewicht, das aufhorchen lässt.
Beim SARON zeigt sich ein deutlich ruhigeres Bild: 24 Teilnehmende gehen von stabilen Sätzen aus, 7 von einem Anstieg, niemand rechnet mit einem Rückgang.
Die Divergenz zwischen den beiden Produkten ist kein Widerspruch, sondern schlicht Mechanik: Während sich der SARON am Leitzins der SNB orientiert, hängen Festhypotheken an den Swap-Sätzen und damit stärker an internationalen Entwicklungen. Als Treiber am langen Ende nennen die Vermittler vor allem steigende Auslandszinsen und Energiepreise.
Der SNB-Entscheid als Nicht-Ereignis?
Bemerkenswert ist, wie gelassen das Panel dem Donnerstag entgegensieht: Gut 45 Prozent der Befragten werden ihre Empfehlung nach dem Zinsentscheid nicht anpassen. Wer täglich mit Kunden über Finanzierungen spricht, scheint den geldpolitischen Termin selbst weniger als Zäsur zu lesen denn als eine von mehreren Variablen, die ohnehin schon eingepreist sind.
Methodik als Teil der Story
Zur Einordnung gehört auch die Transparenz in eigener Sache: Die Teilnehmenden sind Partnervermittler von neo-hypotheque.ch, was die Plattform in ihrer Methodik selbst ausweist. Das schmälert den Wert der Erhebung nicht, macht aber deutlich, dass es sich um ein Stimmungsbild aus einem bestimmten Netzwerk handelt und nicht um eine repräsentative Marktstudie im klassischen Sinn.
Die vollständigen Daten, die Methodik, absolute Zahlen sowie namentliche Kommentare der Teilnehmenden finden Sie hier.