Der Pilot ist erst der Anfang: Was Bewe und CSS über echte digitale Gesundheitsinnovation lehren

Die App von Bewe setzt bei einem sehr konkreten Problem an: Sie soll Menschen helfen, Fressattacken zu reduzieren, indem sie auf mehr als fünfzehn Jahren Neuroscience-Forschung basierende digitale Übungen gegen […]


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Dank Neurowissenschaft reduziert die Bewe App Fressattacken.

Dank Neurowissenschaft reduziert die Bewe App Fressattacken.

Dank Neurowissenschaft reduziert die Bewe App Fressattacken.

Die App von Bewe setzt bei einem sehr konkreten Problem an: Sie soll Menschen helfen, Fressattacken zu reduzieren, indem sie auf mehr als fünfzehn Jahren Neuroscience-Forschung basierende digitale Übungen gegen das Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln einsetzt. Dass eine solche Lösung wissenschaftlich wirkt, ist das eine. Ob sie sich im Alltag von Versicherern und Gesundheitsdienstleistern bewährt, das andere. Genau darum ging es im Pilotprojekt mit der CSS, und die Erkenntnisse daraus zeigen, wie aus einem Test eine echte Partnerschaft wird.

Im Rahmen von Stufe drei des Future of Health Grant (FoHG) hat Bewe den Schritt von der klinischen Evidenz zur Praxisvalidierung gemacht. Rund achtzig CSS-Versicherte testeten die App im Health-Coaching-Programm der Versicherung. Dem ersten grossen Pilot folgen inzwischen weitere, unter anderem mit dem FoHG-Partner Ensemble Hospitalier de la Côte. Barnabé Delarze, Head of Growth bei Bewe, unterscheidet klar zwischen Studie und Pilot: Randomisierte Studien zeigen, dass die Intervention wirkt. Der Pilot fragt, ob sie sich leicht einführen lässt, sich in bestehende Abläufe fügt und für alle Beteiligten Wert schafft.

Warum Piloten für Versicherer wertvoll sind

Für Jade Sternberg, Open Innovation Managerin bei der CSS und verantwortlich für den Future of Health Grant, bieten Piloten eine strukturierte Methode, um innovative Lösungen für die Versicherten zu identifizieren und zu validieren. Eingebettet ins Health-Coaching-Programm kann die CSS so beurteilen, wie digitale Werkzeuge menschliches Coaching ergänzen und wo sie das eigene Leistungsportfolio bereichern.

Der Bewe-Pilot lief gut ein Jahr, begleitet von engem Austausch zwischen den Teams. Die Teilnehmenden kamen über die Coaches des CSS-Programms sowie über Leserinnen und Leser eines CSS-Magazin-Artikels, und beide Gruppen zeigten positive Ergebnisse. Wer engeren Kontakt zum Coaching-Team hatte, profitierte noch stärker und ist ein Beleg für den Wert hybrider Modelle aus digitaler Lösung und menschlicher Begleitung.

Messbare Wirkung statt Bauchgefühl

Zu den zentralen Kennzahlen von Bewe zählt das intern entwickelte «Craving (Heisshunger) Delta», das Veränderungen im Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln misst, ergänzt durch Nutzerzufriedenheit und Bindung. Regelmässiges Feedback aus dem Pilot hat das Produkt spürbar weiterentwickelt, vom vereinfachten Onboarding bis zu neuen Erinnerungsfunktionen. Als Nächstes wollen Bewe und CSS gemeinsam robustere Indikatoren entwickeln, um Kosteneffizienz, operative Akzeptanz und Skalierbarkeit im Schweizer Gesundheitssystem systematisch zu erfassen.

Die eigentliche Herausforderung beginnt nach dem Start

Der erste Pilot ist laut Delarze meist der schwierigste, weil er Vertrauen braucht, das der Future of Health Grant durch seine Vermittlung erleichtert hat. Die grössere Hürde liegt danach darin, dass eine neue Lösung im hektischen Alltag schnell in Vergessenheit gerät, auch nachdem der Pilot angelaufen ist. Die Beziehung lebendig zu halten, sei anspruchsvoller als der Start selbst. Auch die CSS musste Geduld aufbringen, denn Startup und Versicherer arbeiten in unterschiedlichem Tempo, und gerade vertragliche Fragen rund um Datenschutz und Zugriffsrechte verlangten kontinuierlichen Dialog.

Der Weg aus dem Pilot-Fegefeuer

Viele Startups verfangen sich im sogenannten «Pilot Purgatory»: Projekte reihen sich aneinander, ohne dass je der Schritt zur Marktreife folgt. Delarze sieht die Lösung in Beziehungen und Struktur: Wenn beide Seiten motiviert sind und die Lösung hält, was sie verspricht, findet sich ein Weg nach vorn, auch wenn sich Ziele und Kennzahlen bei wirklich innovativen Lösungen selten sauber im Voraus festlegen lassen.

Vom Pilot zur Partnerschaft

Bewe überführt den CSS-Pilot nun in eine breitere kommerzielle Zusammenarbeit und bereitet parallel dazu weitere Pilotprojekte vor. Auch für die CSS sind strukturierte, wiederholbare Piloten zentral, weil sie vergleichbare Praxisevidenz liefern und künftige Entscheidungen beschleunigen. Ab diesem Sommer können CSS-Versicherte die Bewe-App vergünstigt über den hauseigenen Gesundheitsshop enjoy365 beziehen, ein konkretes Beispiel dafür, dass ein erfolgreicher Pilot kein Endpunkt ist, sondern eine Tür zu kommerziellen Partnerschaften und breiterer Verbreitung öffnen kann. Delarzes Fazit für andere Startups: Es lohnt sich, Zeit in die richtigen Projekte mit den richtigen Partnern zu investieren.

Binci Heeb

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