Was passiert, wenn ein brasilianischer Versicherer Haftpflichtpolicen für elf Berufsgruppen lanciert und ein Podcast-Host daraus eine ganze Welt der Gefühlsversicherungen erträumt? Paul, der Stimme hinter «Paul the Insurer», hat es ausprobiert. Und dabei eine Frage aufgeworfen, die tiefer reicht, als es die morgendliche Brancherundmail vermuten lässt: Wo endet das Versicherbare und wo beginnt das Leben selbst?
Den Anstoss gab eine unscheinbare Meldung aus dem brasilianischen Versicherungsmarkt: Ein führender Anbieter hatte Haftpflichtpolicen für elf Berufsgruppen auf den Markt gebracht. Für die meisten Branchenbeobachter ein Routinevorgang, eine Zeile in der täglichen News-Flut. Für Paul der Ausgangspunkt eines Gedankenspiels, das zeigt, wie nah Innovation und Imagination beieinanderliegen, wenn man bereit ist, eine Nachricht nicht nur zu lesen, sondern weiterzudenken.
Wenn Policen Gefühle abdecken würden
Was, wenn Versicherungen nicht nur Finanzen, sondern auch Emotionen absichern könnten? Paul lässt seiner Fantasie freien Lauf: Eine Police für schlaflose Nächte nach einem packenden Krimi. Ein Schutz für Albträume nach dem Besuch einer zeitgenössischen Kunstinstallation. Entschädigung für Fussballfans, deren Idol den Verein in Richtung Europa verlässt. Deckung für Reiseveranstalter, deren Kunden im Pantanal zu wenige Tiere zu Gesicht bekommen. Trauma-Schutz für Autofahrer in São Paulo, geplagt vom Lärm und der Aggressivität der Motorradfahrer. Und natürlich: Linderung für all die kleinen Blessuren, die Cachaça, Feijoada oder zu viel Sonne am Strand hinterlassen.
Ein Gedankenexperiment, das amüsiert und zugleich eine ernsthafte Frage stellt: Warum eigentlich nicht?
Die Grenzen der Versicherbarkeit
Die Antwort liefert Paul gleich mit. Versicherer, so seine nüchterne Beobachtung, seien bodenständige Menschen. Fantasie mag ein Teil des Geschäfts sein, doch die meisten Policen entstehen aus realen, oft schmerzhaften Erfahrungen, nicht aus Wunschdenken. Ausschlüsse existieren nicht aus Mangel an Vorstellungskraft, sondern weil sich Risiko am Ende immer an der Wirklichkeit misst. Herzschmerz und Kater, so pointiert Pauls Fazit, bleiben vorerst unversicherbar.
Und doch schwingt in dieser Episode mehr mit als ein Schmunzeln. Sie erinnert daran, dass Versicherung im Kern immer eine Übersetzung ist: von Unsicherheit in Zahlen, von Angst in Vertrag, von Risiko in Verantwortung. Dass diese Übersetzung an den Rändern des Absurden manchmal ihre eigenen Grenzen sichtbar macht, gehört zur Ehrlichkeit der Branche und zu ihrem Charme.
Binci Heeb
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