Die Invaliditätsstudie 2024 der PK Rück zeichnet ein klares Bild: Das Invaliditätsrisiko nimmt insbesondere getrieben durch psychische Erkrankungen seit 2017 deutlich zu. Für die berufliche Vorsorge ist diese Entwicklung mehr als eine statistische Auffälligkeit. Sie ist ein strukturelles Warnsignal.
Die Konsequenzen sind bereits spürbar. Vor allem kleinere und mittlere Pensionskassen geraten unter Druck, da steigende Invalidisierungen ihre finanzielle Stabilität schneller beeinträchtigen können. Gleichzeitig fehlen häufig die notwendigen Ressourcen und Strukturen, um frühzeitig gegenzusteuern, zum Beispiel durch systematisches Case Management oder gezielte Wiedereingliederungsmassnahmen.
Parallel dazu sind die Prämien in der Krankentaggeldversicherung in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Diese Entwicklung wirkt wie ein Frühindikator für das, was sich nun zunehmend auch in der zweiten Säule manifestiert: steigende Risiken, steigende Kosten und ein wachsender Handlungsdruck.
Besonders betroffen: das obere Einkommenssegment
Ein besonders relevanter Befund der Studie betrifft das obere Einkommenssegment. Bei Löhnen über CHF 78’000 übersteigen die IV-Renten aus der beruflichen Vorsorge im Durchschnitt jene der staatlichen Invalidenversicherung. Damit wird deutlich, dass steigende Invaliditätsfälle gerade in diesem Segment unmittelbare finanzielle Auswirkungen auf die Pensionskassen haben.
Unternehmen unter Kostendruck
Für Unternehmen bedeutet dies: Die Belastung verschiebt sich zunehmend von den Löhnen hin zu den Lohnnebenkosten. Höhere Risikobeiträge für die berufliche Vorsorge sowie für Unfall- und Krankentaggeldversicherungen werden zur neuen Realität. Ohne gezielte Investitionen in Prävention und betriebliches Gesundheitsmanagement drohen längere Ausfallzeiten und steigende Rentenquoten.
Früher handeln entscheidet über den Verlauf
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Intervention. Je früher Unterstützung einsetzt, desto grösser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Rückkehr in den Arbeitsprozess. Gerade bei psychischen Erkrankungen zeigt sich, dass frühes Handeln massgeblich dazu beiträgt, Langzeitausfälle und dauerhafte Rentenabhängigkeit zu vermeiden.
Risikoeinschätzung und Intervention in der Praxis
Hier setzt die Praxis gemäss Andreas Heimer, CCO Mitglied der Geschäftsleitung, der PK Rück an. Auf Basis langjähriger Erfahrung im Umgang mit komplexen Leistungsfällen lassen sich Invaliditätsrisiken heute differenziert einschätzen, zum Beispiel anhand von Diagnose, Alter oder Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Diese Risikoeinschätzung ist insbesondere in der frühen Phase entscheidend: In vielen Fällen können gezielte Massnahmen eine Invalidisierung verhindern, sofern sie rechtzeitig eingeleitet werden.
Voraussetzung dafür ist jedoch eine frühzeitige Meldung der Fälle. In der Praxis geschieht dies oft zu spät. Viele Vorsorgeeinrichtungen erfahren erst dann von einem Fall, wenn bereits ein Entscheid der Invalidenversicherung vorliegt und zu einem Zeitpunkt, an dem Wiedereingliederung nur noch eingeschränkt möglich ist.
Leistungsfallmanagement als Engpass
Ein professionelles Leistungsfallmanagement wird damit zu einem zentralen Steuerungsinstrument. Gleichzeitig stellt es hohe Anforderungen: Es ist ressourcenintensiv, erfordert spezialisiertes Know-how und belastet die ohnehin knappen administrativen Kapazitäten vieler Vorsorgeeinrichtungen. Genau hier entsteht eine wachsende Lücke zwischen Bedarf und Umsetzung.
Die PK Rück begegnet dieser Herausforderung mit modularen Dienstleistungen, die sich flexibel an die Bedürfnisse der Vorsorgeeinrichtungen anpassen lassen. Je nach Grösse, Struktur und Autonomiegrad können unterschiedliche Leistungsbausteine kombiniert werden: von der Früherkennung über das Case Management bis hin zur Reintegration.
Prävention rechnet sich
Der betriebswirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand: Frühzeitige Intervention ist günstiger als spätere Rentenzahlungen. Investitionen in Prävention und Wiedereingliederung zahlen sich mehrfach aus, sowohl für die Versicherten, die angeschlossenen Unternehmen und die Stabilität der zweiten Säule insgesamt.
Neue Rolle für Broker
Auch für Broker eröffnet sich in diesem Kontext eine strategische Rolle. Angesichts der steigenden Invaliditätsrisiken können sie ihre Kundschaft nicht mehr nur begleiten, sondern müssen sie aktiv steuern. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern wie der PK Rück ermöglicht dabei tiefere Einblicke in Risikostrukturen und Entwicklungen.
Durch datenbasierte Auswertungen werden Trends frühzeitig sichtbar. Auffälligkeiten lassen sich schneller erkennen, Risiken gezielter adressieren und Prämien langfristig stabilisieren. Für Broker entsteht so ein klarer Mehrwert: Sie positionieren sich als vorausschauende Berater, die nicht nur reagieren, sondern aktiv gestalten.
Struktureller Wandel verlangt aktives Handeln
Die zentrale Botschaft der Studie ist eindeutig: Die steigende Invalidität ist keine kurzfristige Entwicklung, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden strukturellen Wandels. Wer früh handelt, kann Risiken steuern. Wer abwartet, wird zahlen.
Binci Heeb
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