IV-Neurenten: Die Prognose war zu optimistisch

Über 80 Prozent der Fachleute rechneten 2024 mit steigenden IV-Neurenten. Recht hatten sie, nur beim Tempo lagen sie daneben. Der erste Invaliditätsmonitor von PK Rück und c-alm zeigt: Die Pessimisten […]


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Die Entwicklung ist ernst, aber beeinflussbar.

Die Entwicklung ist ernst, aber beeinflussbar.

Die Entwicklung ist ernst, aber beeinflussbar.

Über 80 Prozent der Fachleute rechneten 2024 mit steigenden IV-Neurenten. Recht hatten sie, nur beim Tempo lagen sie daneben. Der erste Invaliditätsmonitor von PK Rück und c-alm zeigt: Die Pessimisten waren noch zu zuversichtlich.

Die Idee entstand am Vorsorge-Symposium 2026, nun liegt das Ergebnis vor. PK Rück und c-alm führen die drei zentralen Grafiken ihrer Invaliditätsstudie 2024 künftig in einem jährlichen Invaliditätsmonitor mit Fokus auf die 2. Säule weiter. Die erste Ausgabe liest sich wie eine Bestätigung mit Nachdruck.

Schneller als erwartet

Die Zahl der IV-Neurenten ab BVG-Eintrittsschwelle ist seit 2023 um 14 Prozent gestiegen, und das in nur zwei Jahren. In der Studie von 2024 hatten die befragten Fachpersonen mehrheitlich eine Zunahme von 10 Prozent oder mehr über fünf Jahre erwartet. Gegenüber 2012 liegen die Neurenten inzwischen um mehr als die Hälfte höher. Dass die Zahlen steigen, überrascht niemanden. Wie schnell sie es tun, schon.

Die Psyche führt, die Knochen holen auf

Psychische Erkrankungen bleiben die häufigste Ursache für IV-Neurenten und verzeichnen seit 2012 mit plus 61 Prozent auch den stärksten Anstieg. Der Blick auf die letzten zwei Jahre verschiebt das Bild allerdings: Hier wuchsen die Neurenten wegen Erkrankungen der Knochen und Bewegungsorgane mit 18 Prozent am stärksten, gefolgt vom Nervensystem mit 15 Prozent. Psychische und andere Erkrankungen legten je um 12 Prozent zu. Mehr als 10 Prozent Wachstum in allen Kategorien, das ist kein Einzeleffekt, sondern ein Trend auf breiter Front.

Das Frühwarnsystem blinkt erneut

Besonders aufschlussreich sind die Arbeitsunfähigkeitsdaten der PK Rück. Der sprunghafte Anstieg der Meldequoten ab 2022 dürfte sich in den höheren Neurentenzahlen von 2024 und 2025 niedergeschlagen haben. Seit 2023 hat sich dieser Anstieg nochmals verstärkt, am deutlichsten bei den unter 35-Jährigen: Ihre Arbeitsunfähigkeitsquote hat sich seit 2015 rund verdoppelt. Wer die zeitliche Verzögerung zwischen Arbeitsunfähigkeit und Rente kennt, ahnt, was da auf die Vorsorgeeinrichtungen zukommt.

Just do it

Die Autoren belassen es nicht bei der Diagnose. Ihre Botschaft an die berufliche Vorsorge ist bemerkenswert unakademisch: handeln. Arbeitsunfähigkeit früh erkennen und intervenieren, Prävention über die angeschlossenen Betriebe stärken, die Zusammenarbeit zwischen Pensionskassen, IV-Stellen und Taggeldversicherern intensivieren und bei längerer Arbeitsunfähigkeit konsequent auf Teilarbeitsfähigkeit setzen. Denn bei den jüngsten Meldungen lässt sich eine Invalidisierung mit geeigneten Massnahmen im besten Fall noch abwenden.

Das Fazit des Monitors ist nüchtern und zugleich ermutigend: Die Entwicklung ist ernst, aber beeinflussbar. Vorausgesetzt, man versteht steigende Arbeitsunfähigkeitszahlen als das, was sie sind, ein Warnsignal, und nicht als Statistik für den nächsten Jahresbericht.


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