Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung traut sich nicht zu, in einem medizinischen Notfall richtig zu helfen. Eine gemeinsame Studie von Helsana und dem Schweizerischen Roten Kreuz zeigt: Nicht fehlender Wille, sondern mangelnde Übung ist das Problem.
Rund 49 Prozent der Bevölkerung haben zwar mindestens einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht, doch liegt dieser oft weit zurück, häufig bis zur Fahrprüfung. Nur 44 Prozent frischen ihr Wissen regelmässig auf. Das Resultat: 44 Prozent der Befragten geben an, sich in Notfallsituationen eher oder sehr unsicher zu fühlen, obwohl rund zwei Drittel bereits mindestens einen medizinischen Notfall miterlebt haben.
Defizite bei der praktischen Anwendung
Besonders deutlich zeigen sich die Lücken beim konkreten Handeln. Nur rund die Hälfte der Bevölkerung traut sich zu, einen Defibrillator einzusetzen. Rund 30 Prozent fühlen sich bei der Herzdruckmassage unsicher oder zögern bei der Durchführung. Als grösste Hemmnisse nennen die Befragten mangelnde Erfahrung (38 %) und die Angst vor Fehlentscheidungen (32 %).
Breite Unterstützung für mehr Ausbildung
Die Bevölkerung ist sich einig, was zu tun ist: 94 Prozent befürworten obligatorische Erste-Hilfe-Kurse in Schulen, 89 Prozent in Betrieben. 88 Prozent wünschen sich mehr Defibrillatoren im öffentlichen Raum. Helsana-CEO Roman Sonderegger und SRK-Direktorin Nora Kronig betonen beide, dass regelmässiges Üben entscheidend ist, damit Menschen im Ernstfall ruhig und korrekt handeln können.
Besondere Unsicherheit rund ums Wasser
Ein zusätzlicher Befund der Studie betrifft Notfälle im Wasser: Hier ist die Handlungsunsicherheit besonders ausgeprägt, und rund drei Viertel der Befragten haben noch nie einen Kurs zum richtigen Verhalten bei Ertrinkungsunfällen besucht. Helsana engagiert sich deshalb neu als Partnerin der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) und setzt ab diesem Sommer Projekte zur Ertrinkungsprävention um.