Laotse im Verwaltungsrat

Was würde ein chinesischer Weiser des 6. Jahrhunderts v. Chr. einer modernen Versicherungsgesellschaft raten? In dieser Folge seines Podcasts setzt «Paul the Insurer» Laotse an den Konferenztisch – und stellt […]


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Was würde Laotse einer modernen Versicherungsgesellschaft raten?

Was würde Laotse einer modernen Versicherungsgesellschaft raten?

Was würde Laotse einer modernen Versicherungsgesellschaft raten?

Was würde ein chinesischer Weiser des 6. Jahrhunderts v. Chr. einer modernen Versicherungsgesellschaft raten? In dieser Folge seines Podcasts setzt «Paul the Insurer» Laotse an den Konferenztisch – und stellt fest: Der Begründer des Taoismus würde wenig sagen. Aber was er sagt, trifft.

Laotse lehrte die Weisheit des Fliessens, des Gleichgewichts und des Nicht-Widerstands. Natürliche Ordnung, Demut und Einfachheit standen im Zentrum seines Denkens. Würde er heute still in einem Boardroom sitzen, zwischen Quartalszahlen, Combined Ratios und KI-Roadmaps, er würde vermutlich kaum das Wort ergreifen. Doch wenn er es täte, hätte sein Rat eine Tiefe, die keine Strategieberatung liefert. Paul destilliert daraus sechs Lektionen für die Branche.

Dienen, ohne zu beherrschen

«Die besten Herrscher sind jene, deren Existenz kaum bemerkt wird», heisst es im Tao Te King. Übertragen auf die Versicherung bedeutet das: schützen ohne zu kontrollieren, unterstützen ohne zu dominieren. Ein Produkt soll Kundinnen und Kunden stärken, nicht verwirren oder belasten. Der ideale Versicherte vergisst, dass es seinen Versicherer überhaupt gibt – bis zu dem Moment, in dem es darauf ankommt.

Einfachheit statt Kleingedrucktes

Komplexität galt Laotse als Zeichen von Ungleichgewicht. Die dreissigseitige Police, die endlosen Ausschlüsse, das Kleingedruckte – all das würde er hinterfragen. Sein Rat wäre schlicht: vereinfachen. Ein klares Produkt, ein fliessender Schadenprozess, ein müheloses Kundenerlebnis. Und im Zweifel lieber etwas weglassen als etwas hinzufügen. Ein Satz, den man manchen Produktentwicklungsabteilungen über die Tür hängen möchte.

Sei wie Wasser

Wasser ist weich und nachgiebig, und doch höhlt es den Stein. Versicherer versuchen Risiken oft mit starren Systemen zu bändigen. Laotse würde Flexibilität empfehlen: sich dem Wandel anpassen, Schocks absorbieren, mit Daten und Technologie mitfliessen statt gegen sie anzukämpfen. Ein Unternehmen, das sich wie Wasser bewegt, überdauert die härtesten Strukturen.

Führen ohne Stolz

Die taoistische Führungsperson sucht keine Anerkennung. Laotse würde vor prahlerischem Branding warnen – und vor KI-Plattformen, die Allwissenheit für sich beanspruchen. Stattdessen sollen die Resultate sprechen: Schäden rasch regulieren, in der Krise präsent sein. Das Ziel ist ein Kunde, der am Ende sagt «Ich habe es selbst geschafft» und nicht «Die haben mich gerettet». Bescheidenheit als Geschäftsmodell – in einer Branche, die gerne mit Superlativen wirbt, eine fast subversive Idee.

Loslassen können

Die Obsession mit Kontrolle würde Laotse ebenfalls infrage stellen. Nicht jedes Risiko lässt sich modellieren, nicht jedes Ereignis verhindern. Wahre Weisheit liegt darin zu wissen, was man festhält und was man loslässt. Ein Versicherer muss entschlossen handeln können und gleichzeitig Unsicherheit ohne Angst akzeptieren. Gerade in Zeiten, in denen Algorithmen vorgaukeln, die Zukunft sei vollständig berechenbar, ist das eine nützliche Erinnerung.

Dem Tao vertrauen

Der Taoismus sucht Harmonie mit dem natürlichen Fluss der Dinge. In der Versicherung hiesse das: sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kundschaft ausrichten, auf räuberische Preisgestaltung und manipulativen Verkauf verzichten, mit stiller Integrität statt Marktlärm operieren. In einer lauten Welt, so Paul, ist Ruhe ein Wettbewerbsvorteil.

Schutz, der leise wirkt

Laotse würde weder KPIs noch Marktanteilen hinterherjagen. Er würde Versicherer daran erinnern, dass Schutz – wie Weisheit – still, beständig und demütig sein sollte. Wer diesen Weg geht, gewinnt womöglich mehr als Profit: Ruhe, Sinn und Vertrauen. Und wird damit vielleicht wirklich unverzichtbar.

Ob ein Verwaltungsrat diese Ratschläge zwischen zwei Traktanden ernsthaft diskutieren würde, sei dahingestellt. Aber der Gedanke, dass die beste Versicherung jene ist, die man kaum bemerkt, hat etwas Bestechendes.

Binci Heeb

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