Langzeitdaten von Helvetia zeigen: Lawinen verursachen im Vergleich zu anderen Naturgefahren nur einen kleinen Teil der Elementarschäden. Treffen sie jedoch bebaute Gebiete, gehören sie zu den kostspieligsten Ereignissen pro Schadenfall.
Heftige Schneefälle haben Mitte Februar 2026 in zahlreichen Bergregionen die Lawinengefahr deutlich erhöht. Ein Blick in die Schadenstatistik relativiert jedoch das Bild: Über den Zeitraum von 1990 bis 2025 liegt der Anteil von Lawinen an den gesamten Elementarschäden schweizweit im tiefen einstelligen Prozentbereich, bei rund zwei Prozent.
Im Vergleich zu Naturgefahren wie Hochwasser oder Hagel treten Lawinen räumlich begrenzt auf und betreffen häufig unbebautes Gelände. Entsprechend fallen sie in der langfristigen Schadenbilanz finanziell weniger ins Gewicht.
1999: Der Ausnahme-Winter
Eine markante Ausnahme bildet das Lawinenjahr 1999. Gemäss der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) führten aussergewöhnliche Niederschläge zu fünf bis acht Metern Neuschnee am Alpennordhang. Zahlreiche grosse Lawinenabgänge, unterbrochene Verkehrsverbindungen und abgeschnittene Ortschaften prägten das Bild. 17 Menschen kamen ums Leben, der volkswirtschaftliche Schaden belief sich auf rund 600 Millionen Franken.
Auch in den Versicherungsdaten zeigt sich dieser Ausreisser deutlich: Während der durchschnittliche Anteil von Lawinenschäden am gesamten Elementarschadenaufwand bei rund zwei Prozent liegt, schnellte er 1999 auf etwa elf Prozent.
Ein klarer langfristiger Trend – weder steigend noch sinkend – ist über 35 Jahre jedoch nicht erkennbar.
Wallis: stärker exponiert, ähnliches Muster
Dominierend sind im Wallis vielmehr Flutschäden. Hochwasser, Überschwemmungen und Rückstau machen über 35 Jahre hinweg rund ein Drittel des gesamten Schadenaufwands aus. Lawinenverwandte Phänomene wie Schneedruck oder Schneerutsch treten zwar regelmässig auf, sind finanziell jedoch klar nachrangig.
Hohe Durchschnittsschäden pro Ereignis
Die Detailauswertung für das Wallis von 2000 bis 2025 zeigt allerdings ein differenzierteres Bild: Mit durchschnittlich gut 30’000 Franken pro Schadenfall zählen Lawinen zu den teuersten Elementarereignissen.

Lawinenschäden sind selten und genau deshalb können einzelne Ereignisse den Durchschnitt stark beeinflussen. Schäden betreffen vor allem Gebäude und bewegliche Sachen wie Hausrat. Motorfahrzeuge spielen eine untergeordnete Rolle.
Statistische Mittelwerte dürfen jedoch nicht mit der Dimension einzelner Extremereignisse verwechselt werden: Wo Lawinen Siedlungsgebiet erreichen, können sie erhebliche Sachwerte und Existenzen bedrohen.
Schutzsysteme wirken
Dass Lawinen trotz ihres Gefahrenpotenzials in der finanziellen Schadenstatistik insgesamt eine untergeordnete Rolle spielen, ist wesentlich auf den integralen Lawinenschutz zurückzuführen. Dazu zählen: bauliche Schutzverbauungen, raumplanerische Gefahrenzonen, biologische Massnahmen wie Schutzwälder und kontrollierte Sprengungen zur Entlastung gefährlicher Schneemassen.
Gemäss den Unfallberichten des WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF fordern Lawinen über die letzten 20 Jahre betrachtet jährlich durchschnittlich 22 Todesopfer meist im freien Gelände. Der konsequente Schutz bewohnter Gebiete reduziert dagegen Sachschäden erheblich.
Solidarität im Elementarschadenpool
Seit 1993 unterliegt die Versicherung von Elementarschäden einer gesetzlichen Spezialregelung der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA. Sie basiert auf landesweiter Solidarität: Bewohnerinnen und Bewohner von Bergkantonen zahlen trotz höherem Lawinenrisiko keine höheren Prämien als jene im Mittelland.
Über den Elementarschadenpool tragen die beteiligten Versicherer die Schadenlast proportional zu ihrem Marktanteil. Damit bleibt die Versicherbarkeit selbst in besonders exponierten Regionen gewährleistet.
Lawinen sind in der Schweiz ein seltenes, aber potenziell sehr kostspieliges Risiko. Die Kombination aus Prävention, baulichem Schutz und solidarischem Versicherungssystem sorgt dafür, dass das volkswirtschaftliche Gesamtrisiko tragbar bleibt, auch wenn einzelne Ereignisse erhebliche Schäden verursachen können.
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