Milliardeninvestitionen ohne Wirkung

Die Versicherungsbranche investiert massiv in künstliche Intelligenz, doch messbare Effekte bleiben laut einer neuen Studie von Simplifai weitgehend aus. Zwischen Ambition und operativer Umsetzung klafft eine deutliche Lücke. Die globale […]


Milliardeninvestitionen ohne Wirkung.

Milliardeninvestitionen ohne Wirkung.

Milliardeninvestitionen ohne Wirkung.

Die Versicherungsbranche investiert massiv in künstliche Intelligenz, doch messbare Effekte bleiben laut einer neuen Studie von Simplifai weitgehend aus. Zwischen Ambition und operativer Umsetzung klafft eine deutliche Lücke.

Die globale Versicherungsindustrie steckt Milliardenbeträge in KI-Initiativen, ohne dass sich dies bislang signifikant in zentralen Kennzahlen niederschlägt. Laut der Studie «Ultimate AI Strategy for Insurance» investieren 83 Prozent der Versicherer jährlich mindestens fünf Millionen US-Dollar in KI, 14 Prozent sogar mehr als 50 Millionen. Dennoch berichten weniger als 15 Prozent von messbaren Verbesserungen bei Combined Ratio, Cycle Time oder Loss Ratio.

Dabei ist der Handlungsdruck hoch: Versicherer in den USA und Europa generierten 2025 Prämien in Höhe von rund 3,3 Billionen US-Dollar, während die Combined Ratios mit etwa 99 Prozent kaum Spielraum für Profitabilität lassen. KI galt lange als Hoffnungsträger für Effizienzgewinne, die Realität ist bislang ernüchternd.

«Pilot Purgatory» bremst die Branche aus

Zwar verfügen inzwischen 99 Prozent der Versicherer über Initiativen im Bereich generativer KI, doch nur etwa 42 Prozent haben diese überhaupt in einzelnen Funktionen produktiv eingesetzt. Der Einsatz konzentriert sich überwiegend auf Chatbots im Kundenservice oder die Zusammenfassung von Dokumenten, alles Anwendungen mit begrenztem strategischem Impact.

Die eigentlichen Hebel, etwa eine durchgängige Automatisierung von Underwriting- oder Schadenprozessen, bleiben weitgehend ungenutzt. Die Studie identifiziert drei zentrale Hürden: fehlende Verknüpfung zwischen KI-Projekten und betriebswirtschaftlichen Ergebnissen, regulatorische Unsicherheiten etwa durch den EU AI Act sowie komplexe Legacy-Systeme in Policen- und Schadenplattformen. Das Resultat ist ein Zustand, den die Autoren als «Pilot Purgatory» bezeichnen, eine Endlosschleife aus Tests ohne nachhaltigen Geschäftswert.

Warum einige Versicherer deutlich erfolgreicher sind

Eine kleinere Gruppe von Versicherern erzielt hingegen klare Fortschritte. Entscheidend ist dabei weniger die Technologie selbst als deren strategische Einbettung. Erfolgreiche Unternehmen setzen bei Geschäftsprozessen und Zielgrössen an, nicht bei technologischen Möglichkeiten. Sie implementieren KI end-to-end entlang kompletter Workflows und integrieren Governance-Strukturen von Beginn an.

Im Zentrum steht dabei der Ansatz der sogenannten «Agentic AI»: Systeme, die nicht nur Inhalte generieren, sondern ganze Prozessketten planen, steuern und ausführen. In der Praxis bedeutet dies etwa die automatisierte Abwicklung eines Schadensfalls von der Erstmeldung bis zur Auszahlung oder die vollständige Bearbeitung eines Underwriting-Antrags, jeweils unter definierter menschlicher Aufsicht.

Versicherer, die diesen Ansatz verfolgen, berichten von deutlichen Effizienzgewinnen, verkürzten Durchlaufzeiten und steigenden Automatisierungsquoten bei gleichzeitig regulatorisch konformer Umsetzung.

Wettbewerbsvorteile werden schnell verteilt

Die Studie warnt, dass sich die Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern rasch vergrössert. Steigende Schadenkosten, Naturkatastrophen mit prognostizierten Verlusten von bis zu 145 Milliarden US-Dollar und ein verlangsamtes Prämienwachstum erhöhen den Druck zusätzlich. Gleichzeitig drängen Insurtechs mit moderner IT-Architektur und automatisierten Prozessen in den Markt.

Versicherer, die jetzt auf produktionsreife, workflow-integrierte KI setzen, sichern sich laut Studie nachhaltige Vorteile bei Kostenstruktur, Schadenquote und Kundenzufriedenheit. Wer zu spät handelt, dürfte diesen Rückstand kaum noch aufholen können.

Strategie statt Technologie als Erfolgsfaktor

Die zentrale Erkenntnis der Analyse: Die Versicherungsbranche hat kein Technologieproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Der Schlüssel liegt in klar definierten Geschäftsprozessen, messbaren Zielgrössen und einer konsequenten Integration von KI in operative Abläufe. Nur so lassen sich aus ambitionierten Pilotprojekten tatsächlich wirtschaftliche Erfolge generieren.


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