Die Universität Genf (UNIGE) richtet mit Unterstützung der AXA Foundation for Human Progress einen neuen Lehrstuhl zur Erforschung klimabedingter Naturrisiken im europäischen Alpenraum ein. Ziel ist es, Risiken wie Murgänge, Fels- und Eisstürze besser zu verstehen und Strategien zur Schadensbegrenzung zu entwickeln.
Extreme Wetterereignisse und steigende Temperaturen erhöhen die Gefahr von Naturkatastrophen in den Alpen. Besonders Murgänge stellen laut Forschenden ein wachsendes Risiko für Bevölkerung, Infrastruktur und Energieversorgung dar. Diese schnell talwärts fliessenden Massen aus Wasser, Geröll und Erde werden häufig durch Starkregen ausgelöst und treten verstärkt im Sommer und Herbst auf.
Wie gravierend die Folgen sein können, zeigten mehrere Unwetter im Sommer 2024 in der Südschweiz, Norditalien sowie in Teilen Österreichs und Deutschlands. Strassen wurden verschüttet, Brücken beschädigt und ganze Siedlungen von der Aussenwelt abgeschnitten.
Forschung zu Permafrost und Hanginstabilität
Geleitet wird der neue Lehrstuhl von UNIGE-Professor Markus Stoffel, einem Spezialisten für klimabedingte Risiken. Die Forschung soll untersuchen, wie Klimaerwärmung, veränderte Niederschlagsmuster, Gletscherschmelze und tauender Permafrost die Stabilität von Berghängen beeinflussen.
Dabei kombiniert das Team Feldbeobachtungen, Fernerkundung und Prozessmodellierung, um besser vorherzusagen, wo Naturgefahren entstehen und welche Auswirkungen sie auf Gemeinden und kritische Infrastruktur haben können.
Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Akteuren
Der Lehrstuhl verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und arbeitet mit öffentlichen Institutionen sowie privaten Partnern zusammen. Ziel ist es, konkrete Strategien zur Prävention und Risikominderung zu entwickeln.
Die AXA Foundation for Human Progress unterstützt das Projekt während fünf Jahren mit jährlich 200’000 Euro. Laut AXA Schweiz sei die frühzeitige Identifikation von Risiken entscheidend, um Schäden für Umwelt und Gesellschaft zu minimieren.
Fokus auf Resilienz im Alpenraum
Für die UNIGE ist der neue Lehrstuhl Teil ihres gesellschaftlichen Auftrags, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Lösungen für den Klimawandel zu verbinden. Das Forschungsprojekt von Markus Stoffel setzte sich in einem internationalen Auswahlverfahren gegen mehr als 100 Bewerbungen durch.
Im Rahmen des Lehrstuhls werden drei Doktorierende sowie wissenschaftliche Mitarbeitende an neuen Ansätzen zur Analyse und Bewältigung alpiner Naturgefahren arbeiten.