Wer heute als neuer Player in einen umkämpften Versicherungsmarkt eintritt, folgt – ob bewusst oder nicht – demselben Drehbuch wie Julius Caesar vor über zweitausend Jahren in Gallien. Der Podcast «Paul the Insurer» zieht in seiner jüngsten Folge eine bemerkenswerte Parallele zwischen «De Bello Gallico» und moderner Markteroberung in der Assekuranz.
Caesar zog nicht blind nach Gallien. Er beobachtete, plante, teilte auf und eroberte Schritt für Schritt. Genau dieses Vorgehen empfiehlt sich auch für neue Versicherer, die in einen etablierten Markt vorstossen wollen. Am Anfang steht eine klare Segmentierung: Wer sind die Platzhirsche, wo liegen die Lücken, und wo zeigen sich Schwächen bei den bereits verwurzelten Wettbewerbern.
Divide et impera: teile und herrsche
Caesar wusste, dass die gallischen Stämme keineswegs geeint waren. Auch heutige Versicherungsmärkte sind nach Geografie, Produktlinie, Regulierung oder Kundensegment fragmentiert. Neue Anbieter können genau hier ansetzen, indem sie unterversorgte Nischen bedienen oder innovative Produkte dort platzieren, wo etablierte Player zu träge zur Anpassung sind.
Allianzen statt Alleingang
Caesar eroberte Gallien nicht im Alleingang, sondern nutzte gezielte Bündnisse. Für Versicherer bedeutet das: Partnerschaften mit Brokern, FinTechs oder Rückversicherern, die das Terrain bereits kennen. Solche Allianzen schaffen Vertrauen, erschliessen Vertriebswege und erleichtern die Navigation durch regulatorisches Terrain.
Technologie als Belagerungsmaschine
So wie römische Belagerungsmaschinen einst befestigte Städte durchbrachen, kann moderne Technologie heute starre Legacy-Systeme aufbrechen. Digitales Onboarding, dynamisches Underwriting und KI-gestützte Schadenbearbeitung sind die Werkzeuge, mit denen sich Verteidigungslinien etablierter Anbieter durchdringen lassen, gerade in Märkten, die sich Veränderung lange verweigert haben.
Herzen und Köpfe gewinnen
Caesar schrieb seine Feldzugsberichte nicht nur zur Dokumentation, sondern um die Wahrnehmung Roms gezielt zu steuern. Ein neuer Versicherer muss ebenso an seiner Erzählung arbeiten: eine starke Markengeschichte, konsequenter Aufbau von Kundenloyalität und transparente Kommunikation, um in einem skeptischen Markt Vertrauen zu gewinnen.
Vorsicht vor dem Aufstand
Auch nach ersten Erfolgen blieb Caesar nicht vor Aufständen verschont. Ähnlich verhalten sich Marktführer in der Assekuranz: Sie bleiben nicht passiv, kopieren Innovationen, unterbieten Preise oder nehmen Einfluss auf Regulatoren. Wer die eroberte Position halten will, muss agil bleiben, die eigene Kundenbasis stärken und das Angebot kontinuierlich weiterentwickeln.
Gallien war weitläufig, komplex und geprägt von Stammesrivalitäten – nicht unähnlich dem heutigen Versicherungsmarkt. Wer ihn erobern will, braucht mehr als reine Durchsetzungskraft. Es braucht Planung, Partnerschaften, technologische Überlegenheit und öffentliche Unterstützung. «De bello Gallico» ist damit weit mehr als ein historisches Zeugnis, es ist ein Führungshandbuch, aus dem auch heutige Disruptoren der Versicherungsbranche lernen können.
Binci Heeb
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