Zehn Jahre, vier Ideen und ein Publikum mit Meinung

Die Swiss Sustainability Challenge wird zehn. An der Jubiläumsfeier in der Basler Markthalle vergaben die Pax und die FHNW ihre Sustainability Awards an «Winduction», «Ginto» und «Greenlyze». Den Sonderpreis für […]


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Die Gewinnerinnen und Gewinner der Swiss Sustainability Challenge 2026 mit Regierungsrat Kaspar Sutter und Peter Kappeler, CEO der Pax.

Die Gewinnerinnen und Gewinner der Swiss Sustainability Challenge 2026 mit Regierungsrat Kaspar Sutter und Peter Kappeler, CEO der Pax.

Die Gewinnerinnen und Gewinner der Swiss Sustainability Challenge 2026 mit Regierungsrat Kaspar Sutter und Peter Kappeler, CEO der Pax.

Die Swiss Sustainability Challenge wird zehn. An der Jubiläumsfeier in der Basler Markthalle vergaben die Pax und die FHNW ihre Sustainability Awards an «Winduction», «Ginto» und «Greenlyze». Den Sonderpreis für Kreislaufwirtschaft holte «Rematter», und das Publikum durfte zum ersten Mal selbst mitentscheiden.

Ein Versicherer, eine Fachhochschule und ein Wettbewerb für Nachhaltigkeitsideen: Was 2017 als Experiment begann, hat sich zu einer festen Grösse in der Schweizer Startup-Landschaft entwickelt. Am 21. Oktober 2026 zeichneten die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und die Pax mit Unterstützung von BaselCircular die diesjährigen Gewinnerteams aus. Der Abend in der Markthalle Basel war dabei mehr als eine Preisverleihung. Er war auch ein Rückblick auf die Projekte der Jahre 2017 bis 2025 und auf die Frage, was aus guten Ideen tatsächlich wird.

Peter Kappeler, CEO der Pax, sieht genau darin den Kern des Engagements: Seit zehn Jahren zeige die Challenge, «wie aus guten Ideen konkrete Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft entstehen können». Besonders beeindrucke ihn die Innovationskraft, mit der junge Teams gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen angehen.

Vom Wissen zum Handeln

Auch die Politik war vertreten. Der Basler Regierungsrat Kaspar Sutter plädierte für einen Umbau der Wirtschaft: Es brauche neue Ansätze, um das lineare Wirtschaften zirkulärer zu gestalten und schonend mit Ressourcen umzugehen. Startups brächten dafür die nötigen Ideen ein, und die Challenge verbinde Innovation und Nachhaltigkeit.

Stefan Joller, Vizepräsident Hochschulentwicklung der FHNW, brachte das eigentliche Problem auf den Punkt. Die grossen Herausforderungen seien benannt, Analysen und Strategien lägen vor. «Die Schwierigkeit liegt oft im Übergang zum Handeln.» Ein Satz, der weit über die Nachhaltigkeitsdebatte hinaus gilt, auch für die Versicherungsbranche, die Klimarisiken bekanntlich besser modellieren als vermeiden kann.

Platz eins: Sonnenstrom für fahrende Autos

Den ersten Platz belegte Winduction. Das Team will den Strassenverkehr mit erneuerbarer Energie dekarbonisieren, indem Solarstrom in Echtzeit auf Fahrzeuge übertragen wird, während sie unterwegs sind. Die Idee dahinter: Energie dann nutzen, wenn sie produziert wird, und so den Bedarf an zusätzlichen Speichern senken. Ambitioniert ist das allemal, aber genau dafür gibt es Wettbewerbe.

Platz zwei: Barrierefreiheit als Datenfrage

Ginto erfasst und teilt strukturierte Informationen zur Zugänglichkeit von Lokalen, Freizeit- und Mobilitätsangeboten. Menschen mit Beeinträchtigungen können so Reisen, Restaurantbesuche und andere Alltagsaktivitäten selbstständig planen. Ein Projekt, das zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gedacht werden kann.

Platz drei: Ökobilanz per Suchanfrage

Greenlyze will Ökobilanzierung so einfach machen wie eine Websuche. Wer ein Produkt eingibt, erhält automatisch eine Berechnung seiner Umweltwirkungen. Das öffnet Nachhaltigkeitsanalysen für ein breites Publikum und spart Fachleuten Zeit, weil aufwendige Arbeitsschritte automatisiert werden. Ob die Automatisierung die kritische Prüfung ersetzt oder nur beschleunigt, wird sich in der Praxis zeigen.

Sonderpreis für Holz und Lehm

Zum Jubiläum vergab die Challenge zusammen mit BaselCircular einen Sonderpreis mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft. Er ging an Rematter. Das Projekt setzt sich für eine ressourcen- und klimapositive sowie sozial gerechte Bauwende ein und entwickelt dafür spezielle Holz-Lehm-Decken. In einer Branche, die zu den grössten CO₂-Emittenten zählt, ist das mehr als eine Nischenidee.

Das Publikum entscheidet mit

Erstmals in der Geschichte der Challenge stimmte auch das Publikum ab. Den Publikumspreis gewann Salvage Studio. Das Team rettet Materialien aus zurückgebauten Ausstellungen vor der Entsorgung und verwandelt sie gemeinsam mit lokalen Handwerkern in Designobjekte. Upcycling mit Pitch-Talent, wie es scheint.

Impulse statt Pokale

Seit 2017 unterstützt die Swiss Sustainability Challenge Menschen dabei, ihre Ideen für soziale und ökologische Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln. Die Finalteams erhalten Coachings, besuchen Kurse und Workshops und präsentieren ihre Fortschritte vor einer Jury. Projektleiter Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub, Dozent für nachhaltige Unternehmensführung an der FHNW, sieht im Rückblick vor allem die Menschen hinter den Projekten. Viele hätten sich seit ihrer Teilnahme weiterentwickelt, und genau das sei der Anspruch: Impulse geben und ermutigen, Ideen voranzutreiben.

Zehn Jahre sind im Startup-Kosmos eine Ewigkeit. Dass ein Versicherer so lange am Ball bleibt, ist bemerkenswert. Ob aus den Gewinnern von heute die Unternehmen von morgen werden, entscheidet sich nicht an einem Abend in der Markthalle, sondern in den Jahren danach.

Binci Heeb

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