Zinswende mit Rückenwind

Die Konjunktur trotzt dem Irankrieg, die Notenbanken erhöhen wieder die Zinsen, und der Ölpreis steht über 100 Dollar. In ihren Perspektiven für Oktober zeichnen die Ökonomen von Swiss Life Asset […]


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Starkes Wachstum als zweischneidiges Schwert.

Starkes Wachstum als zweischneidiges Schwert.

Starkes Wachstum als zweischneidiges Schwert.

Die Konjunktur trotzt dem Irankrieg, die Notenbanken erhöhen wieder die Zinsen, und der Ölpreis steht über 100 Dollar. In ihren Perspektiven für Oktober zeichnen die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers das Bild einer Weltwirtschaft, die robuster ist als befürchtet. Genau das wird nun zum Problem.

Die US-Wirtschaft überrascht positiv: Der Detailhandel legt zu, der Dienstleistungssektor läuft, die Arbeitslosenquote verharrt bei 4,1 Prozent. Die Inflation bleibt mit 3,4 Prozent jedoch zu hoch. Die Fed hat im September erstmals seit Juli 2023 die Leitzinsen angehoben, Swiss Life erwartet zwei weitere Schritte. Auch die EZB erhöhte erneut um 25 Basispunkte und dürfte im Dezember nachlegen. In der Eurozone blieb die befürchtete Abschwächung aus, gestützt von deutschen Fiskalimpulsen und einer soliden Binnenkonjunktur. Frankreich hingegen blickt nach Waldbränden und Hitzewellen auf ein verlorenes erstes Halbjahr zurück, und der Risikoaufschlag auf französische Staatsanleihen liegt so hoch wie seit Juli 2012 nicht mehr.

Schweiz: Auf den Rekord folgt der Dämpfer

Das Schweizer BIP wuchs im zweiten Quartal um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Abgesehen von den Pandemie-Schwankungen gab es das zuletzt Ende 1999. Rund zwei Drittel davon gehen allerdings auf den Lagerzyklus und die Exporte der Chemie- und Pharmaindustrie zurück. Für das dritte Quartal rechnet Swiss Life mit einem negativen Wachstum, hebt die Prognose für 2026 aber dennoch auf 2,1 Prozent an und liegt damit klar über dem Konsens von 1,7 Prozent. Der Arbeitsmarkt zieht nicht mit: Die Arbeitslosenquote steht seit vier Monaten bei 3,1 Prozent. Die Jahresteuerung von 0,8 Prozent ist zu mehr als der Hälfte den Energiepreisen geschuldet, obwohl diese im Warenkorb nur 5,1 Prozent wiegen. Für die SNB öffnet sich damit ein Fenster zur Normalisierung: Swiss Life erwartet im ersten Halbjahr 2027 zwei Zinsschritte um je 25 Basispunkte. Die Abwertung des Frankens zum Euro dürfte beendet sein.

Schwellenländer als stille Gewinner

Steigende US-Zinsen und teures Öl wären früher ein Giftcocktail für Schwellenländer gewesen. Heute zeigen sie sich bemerkenswert widerstandsfähig, dank glaubwürdigerer Geldpolitik, besserer Leistungsbilanzen und tieferer Fremdwährungsschulden. Hinzu kommt der KI-Hardware-Boom, von dem Taiwan und Südkorea ebenso profitieren wie Mexiko, Chile oder Ungarn. Die Aktien der Schwellenländer liegen seit Jahresbeginn 25,2 Prozent im Plus. Der Schweizer Markt bildet mit 7,4 Prozent das Schlusslicht. Die Ökonomen mahnen dennoch zur Vorsicht, denn Halbleiterzyklen dauerten bisher selten länger als zwei bis drei Jahre.

Aktien bleiben übergewichtet

Trotz Zinserhöhungen hält Swiss Life an einer leichten Aktienübergewichtung fest. Das Gewinnwachstum der US-Unternehmen ist so stark, dass die Bewertungen heute tiefer liegen als zu Jahresbeginn. Unternehmensanleihen bleiben untergewichtet, Staatsanleihen neutral mit kurzer Duration, bevorzugt werden Sachwerte wie Gold, Schweizer Immobilien und Infrastruktur. Die Risiken benennen die Autoren selbst: ungelöste Kriege, hartnäckige Inflation und eine zu optimistische Stimmung gegenüber KI-Aktien.

Starkes Wachstum als zweischneidiges Schwert, so nennt es Swiss Life. Man könnte auch sagen: Die gute Nachricht ist die schlechte.


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