Dante prüft die Versicherer

Was würde Dante Alighieri sehen, wenn er heute noch einmal in die Hölle hinabstiege und dabei an der Versicherungsbranche vorbeikäme? In der heutigen Folge von «Paul the Insurer» nimmt Paul […]


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Wer Schutz verkauft, wird an diesem Schutz gemessen und nicht an seiner Werbung.

Wer Schutz verkauft, wird an diesem Schutz gemessen und nicht an seiner Werbung.

Wer Schutz verkauft, wird an diesem Schutz gemessen und nicht an seiner Werbung.

Was würde Dante Alighieri sehen, wenn er heute noch einmal in die Hölle hinabstiege und dabei an der Versicherungsbranche vorbeikäme? In der heutigen Folge von «Paul the Insurer» nimmt Paul die «Göttliche Komödie» als Massstab und sortiert die Sünden und Tugenden moderner Versicherer Kreis für Kreis. Das ist verspielt, aber auch ziemlich ernst gemeint.

Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll. Dante teilte die Hölle in neun Kreise ein, und jeder Sünde wies er eine eigene, oft grausam passende Strafe zu. Legt man dieses Raster über eine Branche, die vom Versprechen lebt, wird schnell klar, wo die Fallhöhe liegt. Wer Schutz verkauft, wird an diesem Schutz gemessen und nicht an seiner Werbung.

Zweiter Kreis: die Übervermarkter

Bei Dante treiben die Wollüstigen ruhelos in einem ewigen Sturm umher. Paul schickt dorthin jene Versicherer, die Kundinnen und Kunden mit unrealistischen Versprechen verführen: Schadenzahlung in Sekunden, keine Rückfragen, alles erledigt dank KI-Magie. Die endlose Jagd nach Aufmerksamkeit mit grellen Kampagnen, irreführenden Aussagen und emotionaler Manipulation passt erstaunlich gut zu diesem stürmischen Ort. Wer nur verführt, findet eben nie Ruhe.

Vierter Kreis: die Profitbesessenen

Hier büssen die Geizigen und die Verschwender. Sie rollen schwere Gewichte gegeneinander, prallen zusammen und beginnen wieder von vorn. Paul sieht hier Versicherer, die ausschliesslich auf die Marge schauen, berechtigte Ansprüche abweisen, um den Gewinn zu schützen, oder gegen öffentliche Reformen des Versicherungsschutzes lobbyieren. Die Strafe hat eine gewisse Logik: Wer im Leben endlos um Prämien und Leistungen gerungen hat, rollt nun ebenso endlos und ebenso vergeblich weiter.

Fünfter Kreis: die Bürokraten der Gleichgültigkeit

Im Sumpf des Styx kämpfen die Zornigen, während die Verdrossenen unter der Oberfläche versinken. Diesen Platz reserviert Paul für Versicherer, die Geschädigte aus Trägheit oder Desinteresse in endlosen Formularen, Warteschleifen und digitalen Sackgassen gefangen halten. Die Strafe ist so naheliegend wie boshaft: auf ewig unvollständige Formulare einreichen, in einer Schlange, die nie kürzer wird. Wer je eine Hotline-Musik zum dritten Mal von vorn gehört hat, ahnt, dass Dante hier nicht übertreiben müsste.

Achter Kreis: die Betrüger

Malebolge, die zehn Gräben des Betrugs, ist das naheliegende Zuhause der schwarzen Schafe: Scheinversicherer, betrügerische Konstrukte, korrupte Schadenregulierer. Dante lässt dort Schmeichler im Unrat stecken, falsche Ratgeber in Flammen hüllen und Verführer von Dämonen auspeitschen. Für jene, die das Vertrauen einer Branche verraten haben, die auf Versprechen gebaut ist, wirkt das kaum überzeichnet.

Neunter Kreis: die Verräter des Vertrauens

Der tiefste Kreis gehört bei Dante nicht den Mördern, sondern den Verrätern, jenen, die ihre Wohltäter, Familien oder ihr Land verraten haben. Paul vermutet hier Versicherer, die in Katastrophenzeiten existenzielle Leistungen verweigern oder Versicherte in ihren verletzlichsten Momenten manipulieren. Sie sind im Eis eingefroren, das Herz für immer verschlossen. Dass Dante die Kälte und nicht das Feuer als härteste Strafe wählte, ist bemerkenswert: Am Ende ist nicht die Gier das Schlimmste, sondern die Abwesenheit jeder Anteilnahme.

Der Aufstieg der tugendhaften Versicherer

Doch Dante war kein Zyniker. Er glaubte an Läuterung. Es gibt Versicherer, die Verletzliche schützen, Deckungen verständlich machen und dem Gemeinwohl dienen. Sie landen nicht in der Hölle, sondern am Läuterungsberg, wo sie langsam aufsteigen, geführt von Demut, Dienstbereitschaft und Sinn. Der Weg ist mühsamer, aber er führt nach oben. Gerade in einer Branche, die sich gerne über Effizienz und Automatisierung definiert, ist das eine leise Erinnerung daran, dass Vertrauen nicht skaliert, sondern verdient wird.

Eine göttliche Komödie des Risikos

Dantes Werk ist ebenso moralische Allegorie wie Mythos. Würde er die heutigen Versicherer beurteilen, so Paul, dann nicht nach ihren Bilanzen, sondern nach ihrer Ethik. Schutz zu verkaufen und dann nicht zu schützen, wäre für ihn ein geistiges Versagen. Mit Klarheit, Gerechtigkeit und Mitgefühl zu dienen hingegen hiesse aufzusteigen, vielleicht sogar bis ins Paradies.

Bleibt die Frage, in welchem Kreis man das eigene Haus verorten würde. Ehrlich beantwortet, sagt sie mehr über ein Unternehmen aus als jeder Nachhaltigkeitsbericht.

Binci Heeb

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