Die Plattform soll Versicherungsberater entlasten, Policen automatisiert analysieren und künstliche Intelligenz erstmals wirklich praxisnah in den Brokeralltag integrieren. Im Interview sprechen die beiden Gründer über ihre Vision, Halluzinationen bei KI, den Kampf gegen ineffiziente Systeme und warum die Zukunft der Branche nicht in Konkurrenz, sondern in Vernetzung liegt.
Silvio Siegenthaler kennt die Versicherungsbranche von innen. Vom klassischen Versicherungsberater arbeitete er sich bei der Vaudoise hoch bis zu den erfolgreichsten Kundenberatern der Schweiz. Doch parallel dazu faszinierte den heute 31-Jährigen zunehmend die Welt der künstlichen Intelligenz. Gemeinsam mit Michel Di Vito von Olai Interactive entwickelte er daraus die Plattform Sothura, die Brokerprozesse automatisieren und gleichzeitig die Qualität von Beratungen verbessern soll.
Schweizer Hosting, white-label-fähig und anschlussfähig an praktisch jede bestehende Software und das alles unter den strengen Vorgaben des Datenschutzes für hochsensible Kundendaten. Sothura tritt nicht an, um zu verwalten, sondern um die Versicherungsberatung intelligenter zu machen. Kurz vor dem offiziellen Launch sprechen die Gründer über ihre Motivation, ihre technischen Durchbrüche und ihre Ambitionen für die Schweizer Versicherungswelt. Ist dies das Produkt, auf das die Brokerindustrie so lange gewartet hat?
Silvio Siegenthaler, Sie waren jahrelang erfolgreich in der Versicherungsbranche tätig. Was war der Moment, in dem Sie realisiert haben, dass Sie etwas Eigenes aufbauen möchten?
Silvio Siegenthaler: Stellen Sie sich vor: ein sicherer Job, ein gutes Einkommen, eine Karriere, um die mich viele beneideten und ich werfe alles hin. Ohne Netz. Heute klingt das mutig, damals war es ein Sprung ins Leere, gegen jede Vernunft. Aber etwas in mir wusste: Wenn ich es jetzt nicht wage, wage ich es nie. Ich startete als freier Broker und nebenbei baute ich an einem Werkzeug, das meine Arbeit auf den Kopf stellte. Zuerst nur für mich. Dann zeigte ich es befreundeten Beratern, und ihre Reaktion war elektrisierend. In diesem Augenblick tat ich etwas, das einem Verkäufer eigentlich verboten ist: Ich hörte auf zu verkaufen. Akquise gestoppt, Kundenstamm radikal verkleinert, um alles auf eine Karte zu setzen mit dieser Plattform. Ich musste raus aus den alten Strukturen, um eigene zu bauen. Denn genau das fehlt unserer Branche: Menschen aus der Praxis, die sich entscheiden, die Technik selbst in die Hand zu nehmen, statt darauf zu warten, dass es jemand von aussen tut. Da wurde aus einer Idee eine Mission.
Sie haben sich das Programmieren im Selbststudium beigebracht. Wie schwierig war dieser Schritt neben Ihrer Tätigkeit im Versicherungsumfeld?
Silvio Siegenthaler: Die eigentliche Schwierigkeit ist nicht die Technik, sondern die Konsistenz. Das Durchhaltevermögen, das man aufbringen muss, um sich ohne Einschränkungen darauf konzentrieren zu können: konsequent die Zeit zu nutzen und immer wieder die Komfortzone zu verlassen. Genau das war der harte Teil. Ich hatte mich schon rund zwei Jahre mit künstlicher Intelligenz beschäftigt – zuerst aus Neugier, dann immer ernsthafter – bis mich ein Bekannter endgültig in diese Welt hineinführte, die mich seither nicht mehr losgelassen hat.
Geschafft habe ich es, weil ich diesen Weg nie als Verzicht empfunden habe, sondern als Antrieb. Heute, in der Selbstständigkeit, entwickle und programmiere ich praktisch ununterbrochen. Diese Konsequenz sehe ich als echten Vorteil: Die meisten KI-Lösungen für unsere Branche bauen Teams, die noch nie eine Police verkauft haben. Bei mir ist es umgekehrt, denn ich kenne den Alltag in der Beratung aus tausenden Gesprächen und habe mir die Technologie selbst dazugeholt. Diese Verbindung aus Fachwissen und technischer Tiefe ist selten, und genau sie steckt in jedem Detail von Sothura.
Viele sprechen über künstliche Intelligenz, aber nur wenige bauen tatsächlich konkrete Lösungen. Was hat Sie überzeugt, dass die Versicherungsberatung bereit für diesen Wandel ist?
Silvio Siegenthaler: Weil sich Leidensdruck und Technologie zum ersten Mal treffen. Versicherungsberater – ob als Broker, im Aussendienst oder in der Vermittlung – kämpfen seit Jahren mit Werkzeugen, die mehr Zeit kosten, als sie sparen. Gleichzeitig ist KI an einem Punkt, an dem sie Sprache, Verträge und Zusammenhänge wirklich erfasst – zuverlässig genug für den professionellen Einsatz. Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI in die Versicherungsberatung kommt. Die Frage ist, wer sie zuerst richtig macht, schweizerisch, präzise und praxisnah statt als Spielerei. Genau in dieses Fenster stossen wir.
Michel Di Vito, was hat Sie dazu bewogen, als CEO von Olai bei Sothura einzusteigen und das Projekt technisch mitzuentwickeln?
Michel Di Vito: Als Silvio mir seinen Prototyp zeigte, war ich ehrlich beeindruckt. In meiner Laufbahn habe ich unzählige Systeme gesehen, viele davon technisch stark. Doch selten eines, das mit so viel Weitblick und Liebe zum Detail entwickelt wurde.
Mindestens genauso überzeugt hat mich der Mensch dahinter. Silvio hatte einen sicheren, gut bezahlten Job aufgegeben und alles auf seine Vision gesetzt. Wer einen solchen Schritt wagt und dabei so konsequent und sauber arbeitet, meint es ernst.
Gleichzeitig war mir sofort klar, wo die eigentlichen Herausforderungen liegen würden: Sicherheit, Infrastruktur, Skalierbarkeit und die technologische Basis der Plattform. Dazu gehören echte Vektordatenbanken mit tausenden Dokumenten, ein intelligentes Beziehungsnetz zwischen Mandaten, Sparten und Versicherern sowie KI-Antworten, die jederzeit auf realen Versicherungsdokumenten basieren. Hinzu kommen Datenschutz, FINMA-Vorgaben und die Pseudonymisierung besonders schützenswerter Daten. Gerade in diesem Umfeld entscheidet die regulatorische Umsetzung darüber, ob eine Plattform überhaupt betrieben werden kann.
Genau dort liegen meine Stärken. Mit Olai Interactive entwickle ich seit über 21 Jahren digitale Lösungen für namhafte Schweizer Unternehmen, darunter die Coop Pensionskasse, Bell Schweiz und viele weitere.
Sothura ist eines der wenigen Projekte, an die ich so stark glaube, dass ich selbst investiere. Für mich stimmt hier alles: der Mensch, die Technologie und das wirtschaftliche Potenzial. Aus der Zusammenarbeit mit Silvio ist längst eine Freundschaft entstanden. Und die Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Das Interesse und die Anfragen von Institutionen nehmen kontinuierlich zu.
Wie ordnen Sie Sothura im Markt ein und worin liegt das grössere Potenzial?
Silvio Siegenthaler: SOTHURA SAFE versteht Daten, statt sie nur zu verwalten und genau diese Intelligenz fehlt vielen Systemen heute. Für den Broker heisst das ganz konkret: weniger Verwaltung, mehr Zeit für Beratung, bessere Entscheidungen. Was uns wirklich unterscheidet, ist das Beratungsverständnis: SOTHURA SAFE liest Policen nicht nur aus, sondern versteht den Beratungsprozess dahinter. Sie erkennt, ob eine Deckung zur Situation des Kunden passt, wo eine Lücke klafft, was als Nächstes zu tun ist.
Die meisten KI-Tools bleiben beim Extrahieren oder beim Postfach stehen, wir denken weiter, bis zur eigentlichen Beratung. Dazu kommt ein klarer Heimvorteil: Wir haben die Plattform konsequent für den Schweizer Markt gebaut mit Schweizer Hosting und kompromisslos ausgerichtet an den hiesigen Datenschutz- und die regulatorischen Anforderungen. Das bieten die wenigsten. Und genau dahin treiben wir das grössere Potenzial: eine Plattform, die den Alltag spürbar erleichtert, die Qualität der Beratung hebt und so mit der Zeit zum festen Bestandteil der Branche wird.
Ein grosses Problem generativer KI sind Halluzinationen. Sie behaupten, dieses Problem gelöst zu haben. Wie funktioniert das konkret?
Michel Di Vito: Die Vermeidung von Halluzinationen gehört zu den anspruchsvollsten Herausforderungen bei KI-Systemen. Genau deshalb war dieses Thema für uns von Beginn an ein zentraler Bestandteil der Architektur.
Generische KI-Modelle neigen dazu, fehlende Informationen durch Wahrscheinlichkeiten zu ergänzen. In vielen Anwendungsbereichen mag das akzeptabel sein, im Versicherungsumfeld jedoch ist es das nicht. Deshalb basiert unser System ausschliesslich auf einer kontrollierten und verifizierten Wissensgrundlage. Jede Antwort wird auf nachvollziehbare Quellen zurückgeführt. Fehlt die erforderliche Informationsbasis, wird keine Antwort konstruiert, sondern die Unsicherheit transparent ausgewiesen.
Die Verlässlichkeit der Antworten ist somit nicht das Ergebnis nachträglicher Korrekturen, sondern eine direkte Folge der technischen Architektur. Für Broker ist das entscheidend: Sie müssen darauf vertrauen können, dass Antworten auf belastbaren Informationen basieren. Eine KI, die im Versicherungsrecht oder bei regulatorischen Fragen halluziniert, ist keine Innovation, denn sie stellt ein erhebliches Risiko dar.
Sothura baut auf verifizierten Daten und öffentlich zugänglichen Rechts- und Branchengrundlagen auf. Wie wichtig ist Datenqualität für zuverlässige KI-Systeme?
Michel Di Vito: Datenqualität entscheidet darüber, ob man einer KI vertrauen kann oder nicht. Eine KI ist immer nur so gut wie das Wissen, auf dem sie aufbaut. Lernt sie aus unsauberen oder fragwürdigen Quellen, liefert sie Fehler, die täuschend überzeugend klingen. Das kann sich in dieser Branche niemand leisten. Deshalb haben wir eine eigene, spezialisierte Lösung gebaut: auf einer sorgfältig geprüften, verifizierten Wissensbasis aus öffentlich zugänglichen Rechts- und Branchengrundlagen, in der Schweiz gehostet und vollständig unter unserer Kontrolle. Jedes Dokument durchläuft bei uns eine Klassifizierung und eine Freigabe, bevor die KI damit arbeiten darf. Diese saubere Grundlage ist unsichtbar und unspektakulär und genau deshalb unser stärkster Vorsprung.
Broker klagen seit Jahren über unterschiedliche Policendarstellungen und ineffiziente Prozesse. Wie genau vereinfacht Ihre Plattform den Arbeitsalltag?
Silvio Siegenthaler: Heute sieht jede Police anders aus, denn jeder Versicherer stellt Deckungen, Bedingungen und Ausschlüsse unterschiedlich dar, und der Broker vergleicht das mühevoll von Hand. Genau das nimmt ihm SOTHURA SAFE ab: Die Plattform liest die Dokumente ein, bringt sie auf eine einheitliche Struktur und macht sie über alle Versicherer hinweg vergleichbar. Was heute einen halben Nachmittag kostet, dauert Minuten.
Aber wir denken den ganzen Beratungsalltag mit: Die Plattform erkennt aus öffentlichen Registern automatisch neue potenzielle Kunden, begleitet Ausschreibungen von der Vorsorge über die Krankenversicherung bis zur Cyber-Deckung, verwaltet Termine, Aufgaben und Protokolle und hält den Berater bei jeder relevanten Gesetzes- oder Branchenänderung auf dem Laufenden. Besonders wichtig: Wir automatisieren auch die Beratungsdokumentation so, dass die gesetzliche Beratungspflicht nach dem revidierten VAG zuverlässig und zukunftssicher erfüllt wird. Der eigentliche Gewinn ist am Ende nicht nur die gesparte Zeit, sondern die Qualität: Der Broker erkennt Deckungslücken, die im Alltag leicht untergehen. Er wird schneller und gleichzeitig besser.
Sie sprechen davon, dass Policen künftig automatisch erkannt, interpretiert und bewertet werden können. Wie weit sind Sie technologisch heute bereits?
Silvio Siegenthaler: Das ist keine Vision mehr, denn das funktioniert bereits heute. Unsere KI liest Policen zuverlässig und sauber aus und nicht nur Policen, sondern auch Vorsorgeausweise. Eine vollständige Analyse dauert unter einer Minute. Am Ende stehen strukturierte Daten, die sich automatisch in bestehende Systeme oder ein CRM übernehmen lassen. Doch beim reinen Auslesen hören wir nicht auf: Das System interpretiert die Police und gleicht sie mit den tatsächlichen Anforderungen des Kunden ab. Wir stützen uns dabei auf anerkannte Branchen- und Klassifizierungsstandards und berücksichtigen sogar rechtlich verbindliche Vorgaben aus dem jeweiligen Arbeitsumfeld. Wer in der Branche zuhause ist, ahnt, wie tief das geht. Und das Entscheidende: Unsere Pipeline aktualisiert sich automatisch selbst, Jahr für Jahr mit neuen, aktuellen Daten, ohne dass jemand manuell nachziehen muss. Genau dieser Schritt, vom Labor in den echten Brokeralltag, ist uns wichtiger als jede Show-Demo.
Welche Rolle spielen APIs und die Anbindung bestehender CRM-Systeme für Ihre Strategie?
Silvio Siegenthaler: Eine zentrale. Wir fügen uns nahtlos dort ein, wo der Broker heute schon arbeitet und genau das ist eine unserer grössten Stärken: Dank unserer neuen Technologie und unserer API-Fähigkeiten können wir praktisch an jedes bestehende System andocken, an CRMs, an die Plattformen und Marktplätze der Branche. Wir sind dabei neu gebaut, nicht über Jahrzehnte gewachsen. Unser Technologie-Stack ist brandneu und extrem wendig, wir integrieren und entwickeln schneller weiter als die meisten. Genau das macht uns zum natürlichen Partner für etablierte Anbieter: Sie bringen ihre Reichweite und ihre gewachsenen Strukturen, wir die spezialisierte Intelligenz, die eine generische KI schlicht nicht leisten kann. Offene Schnittstellen sind für uns kein Zusatz, sondern Fundament. Die Zukunft der Branche entscheidet sich in Vernetzung, nicht in Abschottung und wir führen genau dazu bereits Gespräche mit Partnern, die diese Vision teilen.
Wie flexibel ist Ihre Plattform sprachlich und für unterschiedliche Anbieter?
Silvio Siegenthaler: Sehr flexibel, und das ganz bewusst. Zum einen decken wir nicht nur die vier Landessprachen ab. In der Schweizer Beratung wird tagtäglich in weiteren Sprachen gearbeitet und genau diese bieten wir an, weil der Markt sie händeringend sucht und kaum jemand sie bedient. Zum anderen ist SOTHURA SAFE von Beginn weg white-label-fähig: Ein Unternehmen kann die Plattform unter seiner eigenen Marke und in seinem eigenen Auftritt nutzen als sein eigenes System, nicht ein fremdes Werkzeug mit unserem Logo. Diese Anpassungsfähigkeit ist kein Nebeneffekt, sondern Teil unserer Strategie: Wir wollen uns einfügen, nicht überstülpen.
Neben der Brokerlösung entwickeln Sie auch ein KI-gestütztes Lerntool. Warum ist Weiterbildung im KI-Zeitalter so zentral?
Michel Di Vito: Vor zwei Jahren begann ich mit der Entwicklung einer KI-gestützten Lernplattform für personalisierte Gedächtnistechniken. Entstanden aus dem Wunsch, Kindern mit Lernschwächen die gleichen Chancen zu ermöglichen, ist LearnCards eines der Projekte, das mir am meisten am Herzen liegt.
Auch dieses Projekt werden wir gemeinsam umsetzen. Die SaaS-Lösung wird bis Ende Jahr in Europa und den USA zugänglich sein.
Gemeinsam werden wir LearnCards in Sothura integrieren. Die Synergie liegt auf der Hand: Sothura liefert das geprüfte Fachwissen der Branche, LearnCards sorgt dafür, dass dieses Wissen nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Gerade in einer Branche mit kontinuierlicher Weiterbildungspflicht ergänzt sich das ideal.
Silvio Siegenthaler: Weiterbildung ist in unserer Branche nicht optional, da jeder Versicherungsvermittler eine Zertifizierung ablegen muss, um sein Wissen laufend aktuell zu halten. Genau hier denken wir weiter: Wenn wir bereits eine spezialisierte KI haben, ist der Schritt nicht mehr weit, daraus auch eine lernfähige Anwendung zu machen – eine, die Wissen nicht nur vermittelt, sondern es durch eine gezielte, auf neurowissenschaftlichen Prinzipien aufbauende Methodik direkt im Langzeitgedächtnis verankert. Lernen, das wirklich hängen bleibt, statt kurz vor der Prüfung gepaukt und danach wieder vergessen zu werden. Ich sage aber ganz offen: Das ist ein eigenständiges, zweites Produkt, das wir in einem späteren Schritt lancieren. Heute liegt unser ganzer Fokus auf der Brokerlösung, aber die Richtung ist gesetzt.
Herr Siegenthaler, Sie haben rund 3000 Stunden in das Projekt investiert, Herr Di Vito ebenfalls bereits weit über 1500 Stunden. Was treibt Sie persönlich an?
Silvio Siegenthaler: Mich treibt an, dass ich ein Problem lösen will, das ich selbst aus der Praxis kenne für eine Branche, der ich mich verbunden fühle. Ich habe einen erfolgreichen Kundenstamm bewusst zurückgestellt und fast alles auf eine Karte gesetzt, weil ich ein Potenzial sehe, das man nicht ignorieren kann: dem Broker und seinen Kunden eine Plattform zu geben, die endlich wieder Raum für echte Beratung schafft. Und diese Stunden habe ich nicht investiert, um unentbehrlich zu sein, sondern um ein System zu bauen, das ohne mich funktioniert – eines, das tausende Broker täglich nutzen, auch wenn ich nicht im Raum bin.
Michel Di Vito: Mich treibt vor allem die Aufgabe selbst an. Ich habe mich bereits vor über fünf Jahren auf KI spezialisiert, lange bevor das Thema zum Hype wurde. Dabei entwickle ich eigene neuronale Netze von Grund auf. Das geht weit über die Nutzung bestehender KI-Systeme hinaus.
Die Versicherungsbranche bringt genau die Herausforderungen mit sich, für die diese Tiefe notwendig ist: hochsensible Daten, komplexe Zusammenhänge und keinerlei Spielraum für Fehler. Genau solche Probleme zu lösen, begeistert mich. Es ist die Art von Herausforderung, für die ich brenne.
Ich bin mit voller Leidenschaft dabei und sage das mit Überzeugung: Dafür bin ich der Richtige. Wenn man etwas wirklich gerne macht, zählt man die Stunden nicht.
Viele Startups scheitern weniger an der Technologie als an der Marktdurchdringung. Wie wollen Sie Vertrauen bei Brokern, Versicherern und Partnern aufbauen?
Silvio Siegenthaler: Vertrauen kauft man nicht, man verdient es. Besonders in dieser Branche. Drei Dinge sind entscheidend. Erstens Herkunft: Ich komme selbst aus der Praxis, ich rede mit Brokern auf Augenhöhe, nicht als Tech-Verkäufer. Zweitens Substanz: Schweizer Hosting, verifizierte Daten, Datenschutz nach Schweizer Recht – keine Kompromisse dort, wo es um sensible Kundendaten geht. Und drittens Haltung: Wir treten nicht an, um jemandem etwas wegzunehmen. Wir arbeiten mit Union Swiss Brokers Holding AG zusammen und den etablierten Plattformen und Gruppen der Branche. Wer vernetzt denkt, baut Vertrauen schneller auf als wer alles allein besetzen will.
Wenn wir in zwei oder drei Jahren nochmals sprechen: Was wäre für Sie der Beweis, dass Sothura die Branche tatsächlich verändert hat?
Silvio Siegenthaler: Der Beweis wäre, wenn ein Broker Sothura gar nicht mehr als KI-Tool wahrnimmt, sondern als selbstverständlichen Teil seiner Arbeit. So, wie heute niemand mehr über E-Mails staunt. Wenn man in der Branche nicht mehr fragt, ob man mit KI arbeitet, sondern womit. Und wenn der Massstab für gute Beratung gestiegen ist, weil die mühsame Arbeit die Maschine erledigt und der Mensch wieder Zeit für das hat, was nur er kann: zuhören und einordnen, beraten. Wenn wir das geschafft haben, haben wir die Branche nicht ersetzt, wir haben sie besser gemacht. Das wäre für mich der Beweis. Denn für uns beginnt die Zukunft der Versicherungsberatung genau jetzt.
Die Fragen hat Binci Heeb gestellt.
Silvio Siegenthaler (Jahrgang 1994) ist Versicherungsvermittler, Unternehmer und Gründer von SOTHURA – ein leistungsorientierter Visionär. Als Top-Verkäufer arbeitete er sich zu einem der erfolgreichsten Berater der Schweiz hoch, ehe er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und daraus SOTHURA SAFE entwickelte. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Lohn-Ammannsegg.
Michel Di Vito ist Geschäftsführer der Olai Interactive und technischer Mitgestalter von SOTHURA SAFE. Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der digitalen Industrie gilt er als technischer Vorreiter. Er ist verheiratet, Familienvater und passionierter Golfer und lebt in Oberdorf.
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