575 Broker haben mitgemacht, 416 vollständige Interviews sind zusammengekommen. Dies entspricht einem Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Broker Panel Schweiz ist seit 2006 ein etabliertes Instrument im Markt. 2026 beteiligten sich neun Versicherer am Panel, das erneut ein umfassendes Bild der Schweizer Brokerbranche zeichnet. Am 27. August 2026 wurden die Ergebnisse des Marktteils den interessierten Brokern, die an der Studie teilgenommen hatten, im Rahmen eines Webinars von ValueQuest und La Bella Consulting vorgestellt. Die Präsentation der Ergebnisse bot den teilnehmenden Brokern damit einen zusätzlichen direkten Mehrwert für ihre Beteiligung an der Studie.
Die Teilnehmerstruktur zeichnet ein vertrautes Bild der Schweizer Brokerlandschaft: kleine Firmen, Führungskräfte als häufigste Antwortgebende und eine klare Dominanz der Deutschschweiz vor Romandie und Tessin.
Regulierung bleibt die grösste Baustelle
Wenig überraschend, aber deutlich in den Zahlen sichtbar: Regulatorische Anforderungen sind für Schweizer Broker die grösste Belastung im Alltag. Ganz vorne liegen die Interpretation und Umsetzung regulatorischer Vorgaben, dicht gefolgt von Dokumentations- und Nachweispflichten. Auch die Digitalisierung – IT-Systeme, Tools und Reporting – zählen für einen grossen Teil der Broker spürbar zu den Belastungsfaktoren.
Beim genaueren Hinsehen zeigt sich allerdings ein differenziertes Bild: Der Umsetzungsstand der FINMA-/VAG-Anforderungen hängt spürbar von der Unternehmensgrösse ab, ebenso wie die gewählte Strategie. Grössere Broker setzen zunehmend auf interne Weisungen und dedizierte Compliance-Funktionen, während kleinere Häuser primär auf Schulung und standardisierte Prozesse bauen. Für kleine Broker bleibt der Umgang mit den Anforderungen damit vor allem eine Zeit- und Ressourcenfrage, für grosse eine der Strukturierung.
Auch zwischen Sprachregionen und Rollen zeigen sich spürbare Unterschiede, etwa darin, wie stark sich das eigene Geschäftsmodells durch die regulatorischen Vorgaben bereits verändert hat. Dieses Muster hat der individuelle Ergebnisbericht im Detail aufgeschlüsselt.
Was Broker sich wünschen: weniger Spielraum, mehr Unterstützung
Zu den häufigste Massnahme der Broker zählen regelmässige Schulungen, eine erweiterte Dokumentation im Beratungsprozess sowie interne Weisungen respektive ein Compliance-Handbuch. Aus den offenen Kommentaren der Teilnehmenden – qualitativ und KI-gestützt ausgewertet – kristallisiert sich eine klare Botschaft heraus: Broker wünschen sich weniger Interpretationsspielraum bei den FINMA-/VAG-Vorgaben und praxisnähere Unterstützung bei Dokumentation und Reporting. Besonders die Rezertifizierung beansprucht spürbar Zeit und Ressourcen. Eine vertiefte Zusammenfassung dieser Rückmeldungen ist Teil des individuellen Ergebnisberichts.
Die Rolle der Versicherer ist dabei keineswegs nebensächlich: Die klare Mehrheit der Broker bewertet die Unterstützung als wichtig. Die Botschaft an die Versicherer ist eindeutig, denn ihre Unterstützung wird als wichtige Ergänzung zur eigenen Umsetzung wahrgenommen, kann diese aber nicht ersetzen.
Schulungen: mehr Praxis, weniger Theorie
Auch beim Thema Weiterbildung äussern die Broker klare Erwartungen. Gewünscht werden mehr Praxisfälle statt reiner Theorie, gezielter vermitteltes Spezial- und Fachwissen, eine fokussiertere Abdeckung regulatorischer Themen sowie digitale Kurzformate wie Webinare und Tutorials. Für Versicherer eröffnet das durchaus Chancen: eine klare Differenzierung durch praxisnahe Akademien, stärkere Kundenbindung über Weiterbildungsangebote, bessere Sichtbarkeit durch aktive Kommunikation sowie eine vereinfachte Vermittlung von Tools und Offertprozessen. Wichtig ist den Brokern dabei die Transparenz über Kosten und Prüfungsrelevanz der Angebote sowie eine klare Trennung zwischen Produktwerbung und Fachschulung.
Der Blick nach vorn
Für 2027 zeichnet sich bereits ab, welche Themen die Branche beschäftigen werden. Ganz oben auf der Agenda stehen Digitalisierung, eine erneute Vertiefung der FINMA-/VAG-Themen sowie Offert- und Ausschreibungsprozessen. Auch Marktentwicklung und Strategie, Fachkräftemangel, Cyber- und Datenschutz sowie Risk Management bleiben für die Broker im Fokus.
Das Fazit des diesjährigen Broker Panels lässt sich in vier Punkten zusammenfassen: Regulatorik bleibt Kernthema, insbesondere bei Interpretation und Dokumentation. Die Umsetzung ist gleichzeitig schon weit fortgeschritten, angeführt von den grösseren Broker-Firmen. Die Unterstützung durch die Versicherer bleibt gefragt. Und Schulungen sollen künftig praxisnäher werden.
Jetzt anmelden für 2027
Das Broker Panel lebt von der Beteiligung der Broker und genau darin liegt seine Stärke: Es bietet dem Brokermarkt eine anerkannte, neutrale Plattform, um Service und Angebot der Versicherer systematisch einzuordnen, und verleiht dem Feedback der Branche ein Gewicht, das einzelne Rückmeldungen nicht erreichen. Wer teilnimmt, profitiert doppelt: von den vertieften Resultaten im Webinar und von einem individualisierten Ergebnisbericht mit den eigenen Resultaten im Marktvergleich. Wer 2027 dabei sein möchte, kann sich bereits jetzt unter www.brokerpanel.ch registrieren. Wer das Webinar verpasst hat, sollte sich für die nächste Ausgabe vormerken lassen, denn je breiter die Beteiligung, desto aussagekräftiger das Bild, das der Brokermarkt von sich selbst zeichnet.
Binci Heeb
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