Irankrieg spaltet Schwellenländer

Der Konflikt im Iran trifft die Emerging Markets unterschiedlich stark so die aktuellen Perspektiven der Swiss Life Managers. Während energieimportierende Länder unter steigenden Preisen und Versorgungsengpässen leiden, profitieren Exportnationen. Zentralbanken […]


Irankrieg spaltet Schwellenländer.

Irankrieg spaltet Schwellenländer.

Irankrieg spaltet Schwellenländer.

Der Konflikt im Iran trifft die Emerging Markets unterschiedlich stark so die aktuellen Perspektiven der Swiss Life Managers. Während energieimportierende Länder unter steigenden Preisen und Versorgungsengpässen leiden, profitieren Exportnationen. Zentralbanken reagieren wachsam und China bleibt vorerst stabil.

Der Krieg im Iran belastet die Weltwirtschaft erheblich, insbesondere durch die faktische Schliessung der Strasse von Hormus, über die rund 20 Prozent des globalen Ölhandels abgewickelt werden. Besonders Asien ist betroffen, da etwa 90 Prozent dieser Ölströme für asiatische Volkswirtschaften bestimmt sind. Die Folgen zeigen sich vor allem in Süd- und Südostasien: Länder wie Indien, Indonesien oder Vietnam leiden unter akuten Versorgungsengpässen und steigenden Importkosten, da sie stark von Energieimporten abhängig sind und nur geringe strategische Reserven besitzen.

Die unmittelbaren Effekte sind bereits sichtbar. Erste Staaten greifen zu Notmassnahmen wie Energieeinsparungen oder Einschränkungen im Stromverbrauch. Gleichzeitig treibt der Ölpreisanstieg die Inflation an, schwächt die Kaufkraft und bremst den Konsum. Staatliche Eingriffe wie Preisdeckel oder Subventionen mildern kurzfristig den Druck, erhöhen jedoch die fiskalischen Risiken. Besonders anfällig bleiben strukturell fragile Volkswirtschaften wie die Türkei oder Südafrika, wo steigende Energiepreise schnell auf die Gesamtinflation durchschlagen und die Währungen zusätzlich unter Druck setzen.

Gewinner und Verlierer der Energiekrise

Die Energiepreisdynamik verstärkt die Divergenz zwischen Import- und Exportländern. Während energieabhängige Staaten unter steigenden Kosten leiden, profitieren rohstoffreiche Länder in Afrika und Südamerika von verbesserten Handelsbedingungen. Als grösster Gewinner positioniert sich derzeit Russland: Gelockerte Sanktionen und steigende Ölpreise führen zu einer höheren Nachfrage nach russischem Rohöl und verschaffen der Wirtschaft kurzfristig zusätzlichen Spielraum.

Nordasiatische Volkswirtschaften wie China, Südkorea oder Taiwan zeigen sich hingegen widerstandsfähiger. Dank umfangreicher Ölreserven können sie kurzfristige Versorgungslücken überbrücken. Zudem stützt eine robuste Nachfrage nach Technologieexporten die Wirtschaft. Dieser Puffer bleibt jedoch nur wirksam, solange der Konflikt zeitlich begrenzt ist.

Zentralbanken unter Handlungsdruck

Die steigenden Energiepreise dürften die Inflation in den Schwellenländern rasch erhöhen, auch wenn es sich primär um einen angebotsseitigen Schock handelt. Kurzfristig ist kein breit angelegter Zinserhöhungszyklus zu erwarten, da viele Staaten durch Subventionen gegensteuern. Sollte der Preisdruck jedoch anhalten, werden die Zentralbanken schnell reagieren.

Im Vergleich zu Industrieländern handeln Schwellenländer in solchen Situationen meist entschlossener. Der hohe Anteil von Energie im Warenkorb sowie die Anfälligkeit der Währungen für Abwertungen erhöhen den Handlungsdruck. Erfahrungen aus der Pandemie zeigen, dass frühes Eingreifen die Inflation wirksam begrenzen kann – ein Muster, das sich nun wiederholen dürfte.

China bleibt stabil: vorerst

China zeigt sich im aktuellen Umfeld vergleichsweise robust. Das Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent reflektiert eine realistische Anpassung an strukturelle Herausforderungen. Die Wirtschaft bleibt stark export- und technologiegetrieben, während Binnenkonsum und Immobiliensektor schwach bleiben.

Trotz einer Importabhängigkeit von rund 30 Prozent aus dem Nahen Osten ist die Energieversorgung kurzfristig gesichert. Umfangreiche strategische Reserven decken den Bedarf für mehrere Monate, und Lieferungen aus dem Iran bleiben bestehen. Gleichzeitig ist der Einfluss steigender Energiepreise auf die Inflation begrenzt, da Energie im Konsumentenpreisindex nur eine geringe Rolle spielt und erneuerbare Energien an Bedeutung gewinnen.

Sollte sich der Konflikt jedoch ausweiten oder länger andauern, wäre auch China nicht immun. Neben der Energieabhängigkeit würde vor allem eine Abschwächung der globalen Nachfrage die Wirtschaft belasten. Parallel rücken geopolitische Spannungen mit den USA erneut in den Fokus, insbesondere im Hinblick auf mögliche neue Handelsbarrieren.

Insgesamt zeigt sich: Der Irankrieg wirkt als Katalysator bestehender Ungleichgewichte in den Emerging Markets – mit klaren Gewinnern und Verlierern.


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