Am Tag der Versicherer in St. Gallen diskutierten Fachleute aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, wie Versicherbarkeit als Fundament gesellschaftlicher Resilienz erhalten und weiterentwickelt werden kann. Die Botschaft war klar: Was nicht von selbst entsteht, muss aktiv gestaltet werden.
Unter dem Leitmotiv «Versicherbarkeit gestalten: für eine starke Wirtschaft und resiliente Gesellschaft» versammelten sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Sektoren in der Tonhalle St. Gallen. Der Anlass war wiederum charmant und … moderiert durch SVV-Präsident Stefan Mäder brachte die Kernthese auf den Punkt: «Versicherbarkeit entsteht nicht von selbst. Sie muss erhalten, angepasst und manchmal neu erkämpft werden.»
Blatten als Mahnmal und Vorbild
Anhand des Felssturzes von Blatten zeigte Mäder exemplarisch, welchen Unterschied funktionierende Versicherungslösungen im Ernstfall machen: Wo Risiken abgesichert sind, können Betroffene rasch unterstützt, Wiederaufbau geplant und wirtschaftliche Erholung eingeleitet werden. Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten, schilderte in St. Gallen, was dies im Alltag der betroffenen Bevölkerung konkret bedeutet. Mit der «Vision Blatten 2030» skizzierte er einen Weg, der nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Zuversicht, Planungssicherheit und das koordinierte Zusammenspiel verschiedener Akteure voraussetzt.
Prävention, Regulierung und Eigenverantwortung
Der Anlass machte deutlich, dass Versicherbarkeit beim Risikobewusstsein beginnt und von Prävention sowie verlässlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen abhängt. FINMA-Direktor Stefan Walter beleuchtete die Rolle der Aufsicht in diesem Gefüge. Philosophin Barbara Bleisch reflektierte das Verhältnis von Absicherung und Verunsicherung. Sandra Känzig, CISO von Helvetia, und Sandro Nafzger, CEO von Bug Bounty Switzerland, zeigten am Beispiel von «Ethical Hacking», wie Cyberrisiken durch gezielte Analyse sichtbar und besser beherrschbar werden.
Auf dem Podium diskutierten Barbara Bleisch, AXA-CEO Patric Deflorin, der Kinder- und Jugendpsychiater Axel Ladner sowie KV-Lernende Serena Stellavato über psychische Belastungen im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung und kollektiver Absicherung: dieses Thema hat angesichts der stark zunehmenden psychischen Erkrankungen in der Schweiz an Dringlichkeit gewonnen.












Warnung vor überbordender Regulierung
Der Jahresanlass bekräftigte, dass die Stabilisierung der Versicherbarkeit eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist. Funktionierende privatwirtschaftliche Lösungen, wie der Elementarschadenpool im Bereich Naturgefahren, sollen gestärkt werden. SVV-CEO Urs Arbter mahnte jedoch zur Vorsicht gegenüber einem wachsenden Regulierungsapparat: «Die Tendenz zu einer immer filigraneren Regulierung erzeugt nicht nur Bürokratie, sondern beeinträchtigt auch die Versicherbarkeit. Dem ausgewogenen Verhältnis zwischen staatlichen Vorgaben und Eigenverantwortung ist wieder stärker Rechnung zu tragen.»
Neue Gesichter im SVV-Vorstand
An der 96. Generalversammlung des SVV wurden Mirjam Bamberger (CEO CSS), Patric Deflorin (CEO AXA Schweiz) und Peter Giger (Group CRO Zurich Insurance Group) neu in den Verbandsvorstand gewählt. Stefan Mäder wurde als Präsident für eine zweite Amtsperiode bestätigt, ebenso Thomas Boyer (CEO Groupe Mutuel) und Jean-Daniel Laffely (Generaldirektor Vaudoise). Die abtretenden Vorstandsmitglieder Juan Beer, Philomena Colatrella, Clemens Markstein und Fabrizio Petrillo wurden für ihren Einsatz verdankt.
Der nächste Tag der Versicherer findet am 25. Juni 2027 in Bern statt!
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