Wenn bei einem Herzstillstand oder einem Lawinenunglück jede Sekunde zählt, kann Technologie über Leben und Tod entscheiden. Genau hier setzt das Schweizer Unternehmen SureVIVE an. Mit seiner Plattform «Momentum» entwickelt CEO Georg Hauzenberger digitale Lösungen, die Rettungskräfte schneller, koordinierter und effizienter zusammenbringen sollen.
Im Podcast spricht der Elektrotechniker und ehemalige Swisscom-Manager mit Jakob Barandun (Capricorn Connect) über die Vision hinter dem Unternehmen, die Herausforderungen moderner Rettungssysteme und darüber, warum künstliche Intelligenz künftig eine noch wichtigere Rolle spielen wird.
Alarmierung in Sekunden statt Minuten
SureVIVE entwickelt mobile Alarmierungs- und Lageführungssysteme für First Responder, Rettungsdienste und spezialisierte Einsatzkräfte. Die Plattform «Momentum» wird mittlerweile in 22 von 26 Schweizer Kantonen eingesetzt und unterstützt über 40’000 Einsatzkräfte.
Besonders bei Herz-Kreislauf-Stillständen zählt jede Minute. Während Einsatzkräfte früher teils über langwierige Telefonkonferenzen oder Pager organisiert wurden, können heute innerhalb von rund 15 Sekunden hunderte freiwillige Ersthelfer gleichzeitig alarmiert werden. Die App selektiert dabei automatisch geeignete Einsatzkräfte nach Standort oder verfügbarer Ausrüstung wie Defibrillatoren.
Hauzenberger betont jedoch, dass Technologie nur ein Teil des Gesamtsystems sei. Entscheidend seien ebenso starke First-Responder-Netzwerke, genügend Defibrillatoren sowie die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Organisationen.
Ein gemeinsames Lagebild für alle Retter
Neben der Alarmierung steht vor allem die Vernetzung verschiedener Rettungsorganisationen im Fokus. Mit «Momentum Pro» erhalten Einsatzkräfte vor Ort ein gemeinsames digitales Lagebild in Echtzeit. So können Bergretter, Sanität, Luftrettung oder Pistenrettungsdienste gleichzeitig sehen, wer bereits vor Ort ist, wann ein Helikopter eintrifft oder welche Ressourcen noch benötigt werden.
Gerade bei Lawineneinsätzen zeigt sich der Nutzen solcher Systeme besonders deutlich. Unterschiedliche Organisationen – von Bergrettung über Helikopterunternehmen bis hin zu Lawinenhundeführern – müssen innert kürzester Zeit koordiniert werden. Surevive will dafür sorgen, dass alle Beteiligten dieselben Informationen in Echtzeit erhalten.
Das übergeordnete Ziel beschreibt Hauzenberger mit dem Leitsatz «Tearing Down Boundaries to Save Lives». Gemeint ist der möglichst einfache und schnelle Datenaustausch zwischen unterschiedlichsten Rettungsorganisationen.
Swiss Emergency Data Hub als digitale Drehscheibe
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist der «Swiss Emergency Data Hub». Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Datenaustauschplattform verschiedener Rettungsorganisationen und Kantone.
Die Idee dahinter: Einsatzdaten, Statusmeldungen und Positionsinformationen sollen organisationsübergreifend in Echtzeit geteilt werden können. Rettungsdienste, Bergbahnen, Luftrettung oder Notrufzentralen erhalten dadurch ein identisches Lagebild und können ihre Ressourcen effizienter koordinieren.
Für Hauzenberger liegt genau darin der Schlüssel moderner Rettungssysteme: weniger technische und organisatorische Barrieren, dafür mehr Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.
Künstliche Intelligenz soll Einsätze weiter optimieren
Auch künstliche Intelligenz spielt bei SureVIVE zunehmend eine Rolle. Das Unternehmen verfügt mittlerweile über Daten aus mehr als zehn Jahren Einsatzhistorie. Diese sollen künftig genutzt werden, um Alarmierungsalgorithmen intelligenter zu machen.
Ziel ist es, Einsatzkräfte noch präziser auszuwählen und Systeme dynamisch an veränderte Situationen anzupassen. Dabei legt Hauzenberger grossen Wert auf Datenschutz und eine verantwortungsvolle Nutzung der Daten.
Die KI soll nicht Menschen ersetzen, sondern Prozesse optimieren und Einsatzorganisationen dabei unterstützen, schneller und effizienter zu reagieren.
Sinnhaftigkeit als Arbeitgebermarke
Als Arbeitgeber setzt SureVIVE stark auf Sinnhaftigkeit und Eigenverantwortung. Laut Hauzenberger entscheiden sich viele Mitarbeitende bewusst für das Unternehmen, weil sie mit ihrer Arbeit einen konkreten gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen.
Die Unternehmenskultur sei pragmatisch, teamorientiert und stark von Menschen geprägt, die selbst Erfahrung im Rettungswesen mitbringen. Das gemeinsame Ziel sei klar definiert: Technologien zu entwickeln, die Rettungskräfte im Ernstfall bestmöglich unterstützen.
Binci Heeb
Sehen und lesen Sie auch: Wenn Führung einsam macht