Versicherung im Umbruch: Wie Technologie, Strategie und Realität aufeinandertreffen

Im Vorfeld des IFZ Insurance Summit 2026 am 7. Mai 2026 spricht Konferenzleiter Prof. Dr. Florian Schreiber über die zentralen Kräfte, die die Schweizer Versicherungsbranche verändern. Zwischen technologischer Aufbruchsstimmung und […]


«Wir beobachten aktuell eine bemerkenswerte Dynamik auf Führungsebene, mit zahlreichen Wechseln auf Stufe CEO und Geschäftsleitung»: Prof Dr. Florian Schreiber.

«Wir beobachten aktuell eine bemerkenswerte Dynamik auf Führungsebene, mit zahlreichen Wechseln auf Stufe CEO und Geschäftsleitung»: Prof Dr. Florian Schreiber.

«Wir beobachten aktuell eine bemerkenswerte Dynamik auf Führungsebene, mit zahlreichen Wechseln auf Stufe CEO und Geschäftsleitung»: Prof Dr. Florian Schreiber.

Im Vorfeld des IFZ Insurance Summit 2026 am 7. Mai 2026 spricht Konferenzleiter Prof. Dr. Florian Schreiber über die zentralen Kräfte, die die Schweizer Versicherungsbranche verändern. Zwischen technologischer Aufbruchsstimmung und operativer Realität zeigt sich: Die Transformation ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern entscheidet heute über Wettbewerbsfähigkeit und Relevanz.

Im Gespräch mit thebrokernews spricht Prof. Dr. Florian Schreiber über den aktuellen Zustand der Branche und die drängendsten Herausforderungen: von der Integration neuer Technologien über steigende Komplexität in Transformationsprozessen bis hin zu den Auswirkungen geopolitischer und klimatischer Risiken. Dabei wird deutlich, wo Versicherer heute konkret ansetzen müssen und weshalb erfolgreiche Transformation weit über technologische Innovation hinausgeht.

Herr Professor Schreiber, wenn Sie den aktuellen Zustand der Schweizer Versicherungsbranche in einem Satz beschreiben müssten, wie würde dieser lauten?

Versicherer sind weiterhin die stabilen Pfeiler der Schweizer Wirtschaft, die jedoch vor der Herausforderung stehen, ihre etablierten Geschäftsmodelle bzw. -prozesse an eine zunehmend dynamische und datengetriebene Realität anpassen zu müssen.

Der IFZ Insurance Summit steht stark im Zeichen der Transformation. Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsdruck für Versicherer?

Ich bin der Meinung, dass der grösste Handlungsdruck immer dann entsteht, wenn strategische Ambitionen auf die operative Realität treffen, insbesondere bei Fragen, wie beispielsweise neue Technologien, datenbasierte Geschäftsmodelle oder innovative Vertriebsformen (Stichwort: «Embedded Insurance») nachhaltig und effizient in bestehende Strukturen integriert werden können.

Gleichzeitig beobachten wir aktuell eine bemerkenswerte Dynamik auf Führungsebene, mit zahlreichen Wechseln auf Stufe CEO und Geschäftsleitung, was einerseits neue Impulse ermöglicht, andererseits aber auch zusätzliche Komplexität in Transformationsprozesse bringt.

In Kombination führen diese beiden Faktoren dazu, dass viele Versicherer den Transformationsprozess nicht rein technologisch und organisatorisch bewältigen müssen, sondern parallel auch ihre strategische Ausrichtung unter neuen Führungsteams schärfen, was den Handlungsdruck erheblich erhöht.

Welche Rolle spielen Makrotrends, zum Beispiel geopolitische Unsicherheiten oder Klimarisiken, für die strategische Neuausrichtung der Branche?

Das klassische Geschäft von (Rück-)Versicherern ist per Definition volatil, sodass sich diese stetig an die aktuellen Entwicklungen der jeweiligen Märkte anpassen müssen, sei es mit einer höheren Kapitalisierung, einer restriktiveren und disziplinierten Zeichnungspolitik, einem risikoadäquaten Asset-Liability-Management oder aber auch innovativen Produkten, die das Potenzial bieten, die Grenzen der Versicherbarkeit zu verschieben. Die angesprochenen Klimarisiken und geopolitischen Unsicherheiten tragen massiv zu dieser Volatilität bei und erfordern eine erhöhte Wachsamkeit.

Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Thema des Summits. Wo sehen Sie bereits konkrete, produktive Anwendungen in der Assekuranz und wo wird KI vielleicht noch überschätzt?

Produktiv wird KI heute bereits in klar strukturierten Prozessen wie Schadenbearbeitung oder Betrugserkennung eingesetzt. Allerdings gibt es auch zahlreiche Stimmen, die sagen, dass viele Initiativen hinter den Erwartungen zurückbleiben, weil KI eben kein Allheilmittel ist, sondern stark von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der Datenqualität, den Prozessen und der Integration sowie insbesondere auch der Kultur im Unternehmen abhängt.

Viele Versicherer investieren in Technologie, doch oft bleibt der erhoffte Effizienzgewinn aus. Woran scheitert Transformation Ihrer Beobachtung nach am häufigsten?

Ich denke, dass hier zwei Faktoren entscheidend sind. Zum einen wird versucht, neue Technologien bzw. Lösungen auf bestehende, komplexe Prozess- und IT-Landschaften aufzusetzen bzw. diese in das gleiche Korsett zu zwängen. Dies kann dazu führen, dass sich deren eigentliches Potenzial nicht entfalten kann.  Zum anderen ist der Status Quo dank guter operativer Ergebnisse recht bequem, sodass kurzfristig der Druck zur konsequenten Transformation schlicht fehlt.

Die Branche steht zunehmend unter Wettbewerbsdruck durch neue Marktteilnehmer. Wie ernst ist die Bedrohung durch InsurTechs und Big Techs aus Ihrer Sicht?

InsurTechs setzen als junge Unternehmen wichtige Innovationsimpulse, agieren jedoch meist in klar abgegrenzten Nischen bzw. als Technologielieferanten und sind für die etablierten Versicherer daher nur punktuell Konkurrenten. Bei den Big Techs ist die Situation hingegen differenzierter: Sie treten bislang ebenfalls primär als Partner entlang von Plattformen und Ökosystemen auf, verfügen jedoch gleichzeitig über Kundenzugang und Daten, was ihnen grundsätzlich die Möglichkeit gibt, die Wertschöpfung neu zu strukturieren. Die Herausforderung für Versicherer besteht daher weniger in direkter Konkurrenz, sondern vielmehr darin, in solchen Kooperationen die eigene strategische Rolle und insbesondere die Kundenschnittstelle zu sichern.

Ein Blick auf die Organisationen selbst: Müssen Versicherer kulturell anders werden, um Transformation wirklich zu schaffen? Wenn ja, wie?

Die aktuelle Dynamik auf Führungsebene mit zahlreichen CEO- und GL-Wechseln bestätigt, dass kulturelle Veränderungen zunehmend als strategischer Hebel verstanden werden. Gleichzeitig wird in der Praxis jedoch deutlich, dass personelle Veränderungen allein nicht ausreichen, solange Entscheidungsprozesse, Anreizsysteme und Organisationsstrukturen weitgehend unverändert bleiben; exakt dort liegt die eigentliche Transformationshürde, die Unternehmen bewältigen müssen.

Das diesjährige Programm vereint führende Köpfe aus der Branche. Welche Diskussion oder welcher Programmpunkt wird Ihrer Meinung nach besonders richtungsweisend sein?

Unser Ziel ist es, das Programm des Summits jedes Jahr so zu konzipieren, dass alle Programmpunkte ineinandergreifen und gemeinsam ein differenziertes Bild der aktuellen Herausforderungen bzw. strategischen Weichenstellungen zeichnen. Mit dem Schwerpunkt auf das grosse Thema Transformation decken wir in diesem Jahr sowohl technologische Entwicklungen als auch strategische bzw. organisatorische Fragestellungen ab, mit Fokus auf Leben, Schaden und Rück.

Vor diesem Hintergrund ist weniger ein einzelner Programmpunkt richtungsweisend als vielmehr das Gesamtprogramm, das durch ein starkes Line-up führender Vertreterinnen und Vertreter aus dem In- und Ausland getragen wird. Dies erlaubt uns, die zentralen Spannungsfelder der Transformation der Assekuranz fundiert und aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

Der Summit versteht sich auch als Plattform für Austausch. Was unterscheidet diesen Dialog von anderen Branchenveranstaltungen?

Der Unterschied liegt meiner Einschätzung nach vor allem darin, dass wir den Dialog konsequent aus einer unabhängigen Perspektive führen und aktuelle Entwicklungen bzw. Herausforderungen des Marktes nicht isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang analysieren. Als öffentlich-rechtliches Forschungsinstitut einer Schweizer Hochschule verfolgen wir mit dem Event und unserem Angebot keinerlei kommerzielle Interessen, sondern haben vielmehr den klaren Anspruch, fundierte Inhalte und Orientierung für die Branche zu liefern. Neben dem Event ist dies insbesondere unsere jährlich erscheinende IFZ Versicherungsstudie (als eine von mehreren regelmässigen Publikationen), die den Konferenzteilnehmenden und interessierten Leserinnen und Lesern das jeweilige Schwerpunktthema des Events sowie zahlreiche weitere Analysen über den Versicherungsmarkt Schweiz zugänglich macht.

Abschliessend: Wenn Sie drei Prioritäten nennen müssten, die Versicherer in den nächsten zwei bis drei Jahren setzen sollten, welche wären das?

Die konsequente Nutzung von Daten, die Sicherung der Kundenschnittstelle im Kontext neuer Plattformen und den weiteren Ausbau bzw. Erhalt der organisatorischen Anpassungsfähigkeit (insbesondere vor dem Hintergrund der kürzlich erfolgten Führungswechsel und strategischen Neuausrichtungen).

Die Fragen hat Binci Heeb gestellt.

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