Die neueste Ausgabe des LBC Insurance Radar zeigt, wie stark sich die Versicherungsbranche derzeit zwischen bewährter Stabilität und digitaler Disruption bewegt. Im Zentrum stehen der Wandel etablierter Versicherer, der Aufstieg der Insurtechs, der Einsatz künstlicher Intelligenz im Underwriting und in der Rückversicherung sowie neue regulatorische Ansätze in der DACH-Region.
Während etablierte Versicherer weiterhin auf Kapitalstärke und Vertrauen setzen, treiben Insurtechs die Branche mit Technologie und Automatisierung voran. Der Podcast-Macher Marco La Bella sieht im hybriden Modell den Schlüssel zur Zukunft: Kapitalstärke und Kundenvertrauen der traditionellen Anbieter kombiniert mit der Geschwindigkeit und Kundennähe digitaler Herausforderer.
Schweizer Privatassekuranz mit hoher Wertschöpfung
Der Insurance Compass Switzerland des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV zeigt für 2025 eine Wertschöpfung von 26,6 Milliarden Franken durch 195 Versicherungsunternehmen im Bereich der Privatversicherungen. Die Produktivität der Branche liegt damit zweieinhalb Mal über dem landesweiten Durchschnitt. Als Herausforderung bleibt die regulatorische Komplexität, die eine Balance zwischen Regulierung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlangt.
KI in der Rückversicherung: Viel Potenzial, wenig messbarer Nutzen
Beim Reinsurance Rendez-vous Zürich diskutierten Branchenexperten den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Rückversicherung. Trotz starkem Wachstum bei Insurtech-Finanzierungen erzielen bislang nur 30 Prozent der Unternehmen tatsächlich messbaren Mehrwert aus KI. Entscheidend seien klare Geschäftsziele und ein Verständnis für die organisatorischen Veränderungsprozesse. Im medizinischen Underwriting zeigt sich bereits ein deutlicher Effizienzgewinn durch KI-Einsatz.
Regulierung in DACH: Ruf nach mehr Risikoorientierung
Eine aktuelle Studie beleuchtet die wachsende Komplexität der Versicherungsregulierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Während der Swiss Solvency Test prinzipienorientiert bleibt, setzt Solvency II auf detaillierte Regeln. Die Forscher empfehlen eine stärkere Ausrichtung an Risikofaktoren sowie eine engere Einbindung der Branche in Regulierungsprozesse.
Underwriting wird digitaler
Mit einer neuen Partnerschaft wollen Adnovum und Sixfold das Underwriting in der Schweizer Versicherungsbranche mittels KI-Lösungen automatisieren. Die Zusammenarbeit soll Sixfold den Zugang zum europäischen Markt erleichtern, während Adnovum seine Expertise in der Digitalisierung von Geschäftsprozessen einbringt.
Bauindustrie im Risikococktail
Eine Studie von Zurich warnt vor einer Häufung von Risikofaktoren in der Bauindustrie: Klimawandel, Fachkräftemangel und Cyberrisiken beeinflussen zunehmend die Versicherbarkeit und damit die Finanzierbarkeit von Bauprojekten. Versicherbarkeit entwickelt sich damit zu einem zentralen Indikator für die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Bauvorhaben.
Binci Heeb
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