LBC Insurance Radar #14: KI, Klima und Demografie

In der 14. Ausgabe des LBC Insurance Radar nimmt Marco La Bella die aktuellen Entwicklungen unter die Lupe, die Versicherer und Broker derzeit am stärksten beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen drei […]


LBC Insurance Radar #14: Risikolandschaft verändert sich nicht punktuell, sondern auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

LBC Insurance Radar #14: Risikolandschaft verändert sich nicht punktuell, sondern auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

LBC Insurance Radar #14: Risikolandschaft verändert sich nicht punktuell, sondern auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

In der 14. Ausgabe des LBC Insurance Radar nimmt Marco La Bella die aktuellen Entwicklungen unter die Lupe, die Versicherer und Broker derzeit am stärksten beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen drei grosse Themenfelder: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Risiko- und Compliance-Umfeld, die wachsende Bedeutung von Klima- und Technologierisiken sowie die strategischen Folgen einer alternden Gesellschaft. Der Podcast macht deutlich: Die Risikolandschaft verändert sich nicht punktuell, sondern auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

Auf der Risk-In Conference stand die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Compliance- und Risikomanagement im Zentrum der Diskussion. Das zentrale Fazit der Konferenz lautet, dass KI Prozesse zwar unterstützen kann, die menschliche Verantwortung dabei aber nicht ersetzt. Als eine der grössten Herausforderungen gilt es, menschliche Voreingenommenheiten bereits in der Designphase von KI-Systemen zu vermeiden. Besonders betont wurde dabei die Bedeutung der menschlichen Absegnung von KI-Outputs sowie die kontinuierliche Überwachung der eingesetzten Systeme. Auch Risiken innerhalb von Lieferketten rückten in den Fokus, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsverletzungen durch Zulieferer. Offen bleibt dabei die grundsätzliche Frage, inwieweit fachliche Expertise tatsächlich vor Verzerrungen schützt. Diese Herausforderung wird die die Branche weiterhin begleiten.

Klimawandel und Technologie verschärfen die Risikolage

Swiss Re wiederum thematisiert in einem aktuellen Klima-Newsletter die Herausforderungen und Strategien angesichts des globalen Klima- und Technologiewandels. Steigende Temperaturen bedrohen demnach zunehmend Infrastruktur und Produktivität, was Frühwarnsysteme und innovative Versicherungsmodelle notwendig macht. Gleichzeitig wächst das Investitionsvolumen in KI-Infrastruktur rapide, wodurch neue Risikoprofile entstehen. Besonders der Elektromobilitätssektor konfrontiert Versicherer mit steigenden Reparaturkosten. Auch Entwicklungsländer sind von Klimarisiken betroffen, weshalb die frühzeitige Integration von Versicherungsprinzipien in Entwicklungsstrategien als entscheidend gilt. Der gemeinsame Nenner aller Entwicklungen: Risiken werden nicht nur häufiger, sondern auch komplexer.

Längere Lebensspannen verändern die Vorsorgelandschaft

Der demografische Wandel und die verlängerten Lebensspannen stellen Versicherer vor strategische Herausforderungen, die weit über klassische Lebensversicherungsfragen hinausreichen. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen reiner Lebensdauer und gesunder Lebenszeit, die Versicherungsunternehmen zwingt, ihre Strategien grundlegend neu auszurichten. Einerseits droht mit dem Ruhestand erfahrener Mitarbeitender ein Abfluss wertvollen Wissens. Andererseits eröffnet die ältere Generation, die häufig als reiselustig und gesundheitsbewusst beschrieben wird, erhebliche Marktchancen. Versicherer sind daher gefordert, ihre Produktentwicklung gezielt auf diese Zielgruppe auszurichten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Schweiz im demografischen Umbruch

Demografische Veränderungen gefährden zudem das Schweizer Altersvorsorgesystem und beeinflussen Arbeitsmärkte, Finanzmärkte sowie den Immobiliensektor gleichermassen. Der wachsende Anteil an Rentnern gegenüber Erwerbstätigen zwingt zu Reformen, etwa in Form von Rentenkürzungen oder längeren Arbeitszeiten. In der Diskussion um mögliche Lösungsansätze spielt auch die Rolle der Zuwanderung als Ausgleichsfaktor eine zentrale Rolle. Der Wohnungsmarkt steht durch veränderte Präferenzen ebenfalls unter Druck, insbesondere mit Blick auf die steigende Nachfrage nach kleineren Wohneinheiten.

Ein Blick nach Japan verdeutlicht dabei den Ernst der Lage. Die Geburtenrate in der Schweiz liegt inzwischen weit unter der Reproduktionsrate, und Prognosen gehen davon aus, dass bis 2050 über 15’000 Menschen in der Schweiz älter als 100 Jahre sein werden. Migration wird in diesem Zusammenhang als möglicher Ausgleichsfaktor diskutiert, wobei eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema dringend notwendig erscheint, um zukunftssichere Strategien in Wirtschaft und Politik zu entwickeln.

Broker-Forum Rüschlikon: Regulatorik und Generationenwechsel als Doppelaufgabe

Beim sechsten Versicherungsbroker-Forum in Rüschlikon standen zentrale Herausforderungen für die Schweizer Versicherungswirtschaft im Fokus. Neben regulatorischen Änderungen und steigenden Cyberrisiken wurde dabei auch die Kritikalität traditioneller Praktiken beleuchtet. Besonders die Teilrevision des Versicherungsaufsichtsgesetzes und die damit verbundene zusätzliche Bürokratie sorgen in der Branche für Unzufriedenheit. Positiv aufgenommen werden hingegen digitale Transformationsprozesse, insbesondere im Bereich der Kundenbetreuung. Die Branche muss sich zudem zunehmend auf die Ansprüche der jüngeren Generation einstellen, die einerseits Flexibilität und authentische Kommunikation erwartet, andererseits aber auch Sicherheit und Entwicklungsperspektiven sucht.

Zukunftsfähigkeit als strategische Aufgabe

In der Einordnung der Episode wird deutlich, dass die heutige Versicherungsbranche vor einer doppelten Herausforderung steht. Einerseits müssen Produkte und Dienstleistungen an die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung angepasst werden, die nicht nur länger, sondern auch gesünder und aktiver lebt. Diese Differenzierung zwischen Lebensdauer und gesunder Lebenszeit bietet erhebliches Potenzial für innovativen Versicherungsschutz, der über traditionelle Lebensversicherungen hinausgeht. Gleichzeitig droht mit dem Ruhestand erfahrener Mitarbeitender wertvolles Fachwissen verloren zu gehen, sofern der Wissenstransfer innerhalb der Unternehmen nicht aktiv gestaltet wird.

Zukunftsfähigkeit entsteht damit dort, wo Versicherer und Broker neue Risiken nicht nur beobachten, sondern konsequent in Strategie, Produkte und Organisation übersetzen. Frühzeitige Schulungsprogramme, generationenübergreifende Teams und massgeschneiderte Produkte könnten dabei zentrale Bausteine sein, um sowohl von technologischer Innovation als auch von menschlicher Expertise zu profitieren.

Binci Heeb

Hören und lesen Sie auch: LBC Insurance Radar #13: KI trifft Versicherung


Tags: #Klimawandel #LBC Insurance Radar #Lebensspannen #Umbruch #Zukunftsfähigkeit