Mit dem Zusammenschluss von BrokerStar und Brokinsoft entsteht unter dem Dach der Vierwald Software AG ein neuer Marktführer für Broker-Software in der Schweiz. Die Brokin Software Group AG will ihre technologische Stärke bündeln, in KI-gestützte Automatisierung investieren und damit die digitale Transformation der Versicherungsbroker entscheidend vorantreiben.
Interview mit Peter Nessensohn, Geschäftsführer Vierwald Software AG.
Herr Nessensohn, was war der ausschlaggebende strategische Grund für den Zusammenschluss von BrokerStar und Brokinsoft?
Zunächst ist die Brokinsoft ein tolles Unternehmen. Mit ihrem Produkt, dem Team und den Kunden hätte Sie auf unbegrenzte Zeit auch ohne die Übernahme grossen Erfolg im Markt gehabt. Der Gründer Dominique Chappot hat das Unternehmen mit Herz und Seele aufgebaut und wird seit einigen Jahren von seinem Sohn Tifaine unterstützt. Somit hätten wir die Brokinsoft auch gerne übernommen, ohne ebenfalls die WMC zu besitzen.
Nun ergibt sich aber strategisch eine einmalige Chance. Wir sind nun schweizweit der grösste Anbieter von Brokersoftware. Das bedeutet, dass wir die meisten Ressourcen in die Weiterentwicklung der Lösungen investieren können und somit langfristig das beste Produkt und den besten Service bieten werden können. Auch der jeweilige Fokus auf die Romandie, sowie die Deutschschweiz ist sehr attraktiv.
Im Hinblick auf die KI-Revolution im Softwaremarkt ist dies höchst relevant, da vor allem hier in Zukunft massive Investitionen anstehen werden und damit die neue Grösse sehr hilfreich sein wird.
Welche konkreten Synergien erwarten Sie aus der Bündelung der beiden Plattformen?
Grundsätzlich werden die Unternehmen weiterhin getrennt arbeiten und ihre Kernprodukte eigenständig weiterentwickeln. Spannend sind allerdings folgende Synergien:
Sowohl Brokinsoft als auch Brokerstar haben jeweils spezielle Module/Funktionen, die die andere Lösung nicht hat. Diese werden wir kurzfristig allen Kunden zur Verfügung stellen. Beispielhaft wäre das AI-Scan Modul der Brokinsoft zu nennen.
Zukünftige Produktentwicklungen können von nun an gemeinsam durchgeführt werden, somit haben wir seit letzter Woche doppelt so viele Entwicklungsressourcen wie in der Vergangenheit.
Mit unserem Support decken wir nun problemos sprachlich und geographisch die gesamte Schweiz ab
Im Softwaregeschäft ist es ja so: Wenn man ein Produkt einmal entwickelt, kann man es so oft wie man will verkaufen. Wenn sich nun der Distributionskanal verdoppelt, machen Investition zukünftig viel mehr Sinn. Das gilt besonders für KI-Entwicklungen, die hohe Initialinvestitionen erfordern, sich aber über eine grössere Kundenbasis viel schneller amortisieren.
Beide Lösungen bleiben eigenständig, wie stellen Sie dennoch eine gemeinsame Weiterentwicklung sicher?
Die Kernprodukte Brokerstar und Brokinsoft werden unabhängig weiterentwickelt und gewartet. Wenn wir ein neues KI-Modul entwickeln, zum Beispiel zur automatischen E-Mail-Klassifizierung, dann wird es so konzipiert, dass es in beide Plattformen integriert werden kann. Die Investition fällt einmal an, der Nutzen verdoppelt sich.
Was bedeutet die neue Marktführerschaft konkret für Schweizer Broker im Alltag?
Unsere Kunden sind die grossen Gewinner dieses Zusammenschlusses. Für Sie ändert sich im Alltag zunächst nichts. Zukünftig werden unsere Produkte durch die gemeinsame Weiterentwicklung aber einen deutlich grösseren Mehrwert schaffen als in der Vergangenheit.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Ihrer zukünftigen Produktstrategie?
Eine riesige. Vor allem in den vergangenen Monaten ist in diesem Bereich so viel passiert. Mit Julius Janda haben wir einen absoluten Experten auf diesem Gebiet an Board, der sich in Zukunft noch deutlich mehr einbringen wird als in der Vergangenheit.
Grundsätzlich gibt es zwei grosse Bereiche:
Erstens die klassische Softwareentwicklung wird durch Programme wie «Claude Code» deutlich vereinfacht, sodass wir in Zukunft mit dem gleichen Aufwand viel mehr Produkte und Verbesserungen ausliefern können.
Zweitens werden zukünftig eine Vielzahl von Funktionen in Brokerstar & Brokinsoft eingebaut werden, die die Arbeit der Person vor dem Display übernimmt und so sehr viel Zeit spart.
Sie sprechen von AI-Agents: Können Sie konkretisieren, welche Anwendungsfälle Broker erwarten dürfen?
Es gibt viele Anwendungsfälle und wir werden Hospitationen nutzen, um noch viele weitere zu identifizieren. Stellen Sie sich etwa einen Assistenten vor, der für Sie aussichtsreiche Kunden und Massnahmen identifiziert und täglich vorschlägt, Ihnen personalisierte Follow-up E-Mails entwirft, die Historie und den Kommunikationsverlauf eines Kontakts zusammenfasst, wenn Sie diesen öffnen, Ihre Anrufe transkribiert und darauf basierend Felder im System ausfüllt, oder automatisch einen Jahresabschlussbericht pro Kunde erstellt.
Wie schnell werden Kunden erste KI-basierte Funktionen in den Systemen sehen?
Brokinsoft hat hier die Nase vorn, dort sind sie bereits im Einsatz. Brokerstar wird in den nächsten Monaten nachziehen.
Welche Investitionen sind notwendig, um diese Innovationsstrategie umzusetzen?
Wir investieren jedes Jahr einen siebenstelligen Betrag in die Weiterentwicklung unserer Produkte und werden dies auch zukünftig tun.
Wie reagieren bestehende Kunden auf die Ankündigung des Zusammenschlusses?
Grundsätzlich waren die Reaktionen sehr positiv. Für die Bestandskunden ändert sich erstmal auch nichts und zukünftig wird das Produkt stark verbessert. Somit gibt es eigentlich keine Nachteile.
Unsere Vierwald Software AG bündelt nun die Erfahrung aus 10 Spezialsoftwareunternehmen. Die Kunden können sich also sicher sein, dass sie auch zukünftig in guten Händen sind. Vor allem Grosskunden, von denen wir einige haben, gibt das ein Sicherheitsgefühl.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Integration zweier etablierter Anbieter?
Wir integrieren die Unternehmen nicht. Die Mitarbeiter, die Büros, die Kernprodukte und die Marken bleiben eigenständig. Nur bei Neuentwicklungen wird kooperiert.
Die Professionalität beider Teams ist extrem hoch, weshalb wir keine grossen Herausforderungen erwarten.
Wie wird sich der Wettbewerb im Schweizer Broker-Softwaremarkt durch diesen Schritt verändern?
Der Wettbewerb ist nach wie vor sehr stark. Unsere Mitbewerber werden vermutlich zukünftig ebenfalls viel in die Weiterentwicklung investieren. Die Gewinner dieser Entwicklung sind die Broker.
Wo sehen Sie die Brokin Software Group AG in drei bis fünf Jahren im europäischen Kontext?
Im Softwarebereich ist es am besten, Spezialist in einer Branche eines Landes zu sein. In Deutschland herrschen zum Beispiel ganz andere regulatorische Vorgaben, mit denen wir uns überhaupt nicht auskennen. Wir bleiben daher voraussichtlich exklusiv in der Schweiz.
Die Fragen hat Binci Heeb gestellt.
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