Innert einem Jahr zum Break-Even, eine Wachstumsprognose von rund 650 Prozent, kein einziger externer Investor und das mitten im hart umkämpften Microsoft-Ökosystem. Im Capricorn Connect Podcast erzählt Michael Altenberger, CEO des Schweizer Tech-Startups Zation, wie aus einem jahrzehntelangen Traum von Selbstständigkeit ein globales Boutique-Unternehmen wurde und weshalb ausgerechnet die Partnerschaft mit dem IT-Konzern Arrow den entscheidenden Unterschied macht.
Michael Altenbergers Weg in die Technologiebranche verlief nicht geradlinig. Seine berufliche Laufbahn begann im internationalen Handel mit Rohstoffen und Exportgütern, wo er bereits jung gut verdiente. Die Passion für Informationstechnologie war jedoch von Beginn weg spürbar, bis er sich irgendwann eingestand, dass Geld allein nicht genügt. Der Wechsel in die IT-Beratung folgte, zunächst noch stark hardwaregetrieben, später zunehmend im Software- und Beratungsgeschäft, das ihn bis heute begeistert. Was ihn an der Branche fasziniert, sei die eigentümliche Verbindung aus Kreativität und Vernetzung: abstraktes, vernetztes Denken, aus dem Neues entsteht.
Zwanzig Jahre bis zum Sprung
Der Wunsch nach einer eigenen Firma begleitete Altenberger bereits seit der Jugend, als er zusammen mit einem Freund PCs zusammenbaute und verkaufte. Es war ein Jugendprojekt ohne unternehmerischen Anspruch, aber mit prägender Wirkung. Über die folgenden zwei Jahrzehnte wurde der Gedanke an die Selbstständigkeit immer konkreter, während gleichzeitig die Verpflichtungen wuchsen: eine gesicherte Position in einer Organisation, eine Familie, Kinder. Es waren, wie er selbst sagt, vor allem Ängste vor dem Risiko und dem möglichen Scheitern, die den Schritt über Jahre hinauszögerten. Vor eineinhalb Jahren wagte er ihn schliesslich aus purer Passion und dem Wunsch nach unternehmerischer Freiheit gründete er Zation.
David gegen Goliath mit Arrow im Rücken
Als kleiner Player ohne grosse Reputation, ohne Kapitalreserven und ohne etablierten Track Record stand Zation vor der klassischen Herausforderung junger Unternehmen im Enterprise-Geschäft. Die Lösung fand Altenberger in einer strategischen Partnerschaft mit Arrow, einem globalen IT-Konzern und wichtigen Microsoft-Distributor. Arrow bringt jene Reputation, finanzielle Sicherheit und Kreditlinien mit, die es Zation erlauben, als kleine Boutique auf globaler Ebene mitzuspielen. Dieses Modell beschreibt Altenberger selbst als «kleinen David, der gegen Goliath gewinnen kann». Die Zusammenarbeit sei dabei explizit als Win-win konzipiert: Zation bringt Nähe zu Grosskunden und operative Tiefe, Arrow globale Infrastruktur und Vertrauen. Gerade im transaktionalen Geschäft, das grosse Volumina voraussetzt, sei diese Partnerschaft der Grund gewesen, weshalb Zation bislang gänzlich ohne externe Investoren wachsen konnte und damit maximale unternehmerische Freiheit behielt.
Fokus auf Grosskunden zwischen 1’000 und 30’000 Usern
Das Kundensegment von Zation ist klar umrissen und zugleich international breit aufgestellt: Organisationen mit zwischen 1’000 und 30’000 Nutzern bilden den Sweet Spot, in dem Microsoft-Lizenzkosten und -Verträge ein Volumen erreichen, das eine systematische Optimierung lohnt. Die Kernkompetenz liegt in der Optimierung von Microsoft-Ausgaben unter dem Dreiklang Cost Optimization, Unlock Value und Ensure Sustainability. Zwar mit Wurzeln in der Schweiz, doch mit Kunden in Indien, den USA, Tschechien und zahlreichen weiteren Märkten, versteht sich Zation explizit als globaler, plattformbasierter Dienstleister ohne Landesgrenzen.
Künstliche Intelligenz als Werkzeug nicht als Blackbox in der Plattform
Der Einfluss von künstlicher Intelligenz auf das Geschäftsmodell ist laut Altenberger doppelt: Einerseits treiben Technologien wie Azure AI Foundry oder Copilot die IT- und Software-Ausgaben der Kunden weiter in die Höhe, was den Optimierungsbedarf und damit die Relevanz von Zation zusätzlich verstärkt. Immer häufiger seien es CFOs, die von sich aus das Gespräch suchten, um ihre KI-bedingten Kostenstrukturen in den Griff zu bekommen. Andererseits nutzt Zation KI selbst intensiv als Werkzeug, um die eigene Plattform aufzubauen und als Startup mit einem Greenfield-Ansatz ohne historische Systemlasten weiterzuentwickeln. Bemerkenswert ist dabei eine bewusste Differenzierung: KI hilft beim Bau der Plattform, ist jedoch nicht Teil der Plattform selbst. Der Umgang mit sensiblen Kundendaten verlange eine klare Gewaltentrennung, ein Risikobewusstsein, das in einem Markt mit wachsendem regulatorischem Druck an Bedeutung gewinnt.
Strategie: Fokus statt Grösse
Für die Zukunft setzt Altenberger konsequent auf Fokussierung statt auf Grössenwachstum um seiner selbst willen. In einem Marktumfeld mit deutlich grösseren Mitbewerbern sieht er die Stärke von Zation gerade darin, sich auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren, statt in die Breite zu expandieren. Die Ambition, das grösste Unternehmen der Branche zu werden, bestehe explizit nicht, wohl aber ein erhebliches Skalierungspotenzial, das sich aus dem globalen Volumen von Microsoft-Verträgen ergibt. Die Schweiz allein, so Altenberger, sei für Zation bereits «zu gross» als Denkrahmen; die Reise gehe konsequent international weiter.
Angst als Kompass
Rückblickend beschreibt Altenberger die eigene Zurückhaltung der vergangenen Jahre selbstkritisch: Die meisten Ängste, die ihn vom Schritt in die Selbstständigkeit abgehalten hätten, seien im Nachhinein nie eingetroffen. Seine Schlussfolgerung ist bemerkenswert unaufgeregt: Angst sei kein Grund zum Verzicht, sondern häufig ein Hinweis darauf, dass gerade das Richtige ansteht. Entscheidend sei die Unterscheidung zwischen der Angst vor dem Weg selbst und der Angst, eigene Erwartungen nicht zu erfüllen.
Empathie statt Superintelligenz
Zum Abschluss des Gesprächs offenbart Altenberger auch eine persönliche Seite: Auf die Frage nach einer frei wählbaren Superkraft entscheidet er sich nicht für technologische Allmacht, sondern für mehr Empathie und Liebe in der Welt. Diese Antwort, die angesichts seines täglichen Geschäfts mit künstlicher Intelligenz und Automatisierung lässt aufhorchen. Als Person, deren Biografie ihn besonders interessieren würde, nennt er Anthropic-Mitgründer Dario Amodei, dessen Fragestellungen zu Chancen und Risiken der KI-Entwicklung ihn stark beschäftigten. Sein persönliches Lebensmotto bringt er denkbar knapp auf den Punkt: «No risk, no fun», gelebt nicht nur im Geschäft, sondern auch auf dem Mountainbike, wo er Downhill- und Enduro-Strecken bevorzugt.
Zations Geschichte zeigt exemplarisch, wie sich Schweizer Boutique-Unternehmen im Schatten globaler Technologiekonzerne behaupten können: nicht durch Grösse, sondern durch Fokus, kluge Partnerschaften und den bewussten Umgang mit einer Technologie, die selbst zum grössten Kostentreiber und zugleich zum wichtigsten Werkzeug wird.
Binci Heeb
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