Zölle und Handelskonflikte: das neue politische Toprisiko für Unternehmen

Handelspolitik, regulatorische Volatilität und geopolitische Spannungen belasten internationale Konzerne stärker als je zuvor. Die Schweiz als offene Exportwirtschaft ist besonders exponiert, wie der Political Risk Survey 2026 von WTW und […]


Die Schweiz ist als offene Exportwirtschaft besonders exponiert.

Die Schweiz ist als offene Exportwirtschaft besonders exponiert.

Die Schweiz ist als offene Exportwirtschaft besonders exponiert.

Handelspolitik, regulatorische Volatilität und geopolitische Spannungen belasten internationale Konzerne stärker als je zuvor. Die Schweiz als offene Exportwirtschaft ist besonders exponiert, wie der Political Risk Survey 2026 von WTW und Oxford Analytica zeigt.

Globale Unternehmen fühlen sich heute stärker durch handelspolitische Massnahmen und politische Polarisierung unter Druck gesetzt als durch bewaffnete Konflikte. 61 Prozent der befragten Führungskräfte berichten von konkreten finanziellen Schäden durch Zölle. Dieser Wert übersteigt selbst die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs. Für DACH-Unternehmen stellt die US-EU-Handels- und Industriepolitik mit 50 Prozent das grösste Einzelrisiko dar, gefolgt von regulatorischer Volatilität in der EU (42 Prozent) und Spannungen zwischen China und der EU (33 Prozent).

Schweiz besonders verwundbar

Als kleine, offene Volkswirtschaft mit starker Währung und begrenzten Möglichkeiten zur handelspolitischen Gegenwehr trifft die aktuelle Lage die Schweiz hart. Kilian Manz, Head of Corporate Risk & Broking Switzerland bei Willis: «Das Auseinanderdriften der USA und Europas setzt besonders Schweizer Unternehmen im Bereich Pharma, Maschinenbau und Finanzdienstleistungen in Bedrängnis. Als Nicht-Mitglied der EU hat die Schweiz eine schwächere Verhandlungsposition gegenüber den USA, ihrem grössten Einzel-Exportmarkt.» Zudem ist die Schweiz direkt von der Umlenkung chinesischer und amerikanischer Waren in einen überfüllten europäischen Markt als Preisnehmer ohne Zugang zu den Schutzinstrumenten der EU betroffen.

Drei von vier DACH-Unternehmen überdenken ihre Standorte

Die Folgen sind konkret: 83 Prozent der DACH-Teilnehmenden kämpfen mit steigendem Compliance- und Reportingaufwand. Drei von vier DACH-Unternehmen geben an, Standortentscheidungen neu zu bewerten. Dies ist der höchste Wert aller untersuchten Regionen weltweit. «Ein Konzern, der nationale Trends und internationale Risiken früher erkennt, macht komplexe politische Entwicklungen beherrschbar», sagt Lasse Breede, Head of Trade Credit and Trade Finance Switzerland bei Willis.

Grauzonen-Angriffe als unterschätzte Bedrohung

Neben Zöllen gelten sogenannte Grauzonen-Angriffe wie Cyberattacken, wirtschaftliche Zwangsmassnahmen und Angriffe auf kritische Infrastruktur für 42 Prozent der Befragten als besonders schwer zu managen. Für die Schweiz ist diese Gefahr real: Als Finanz- und Rohstoffhandelszentrum, eingebunden in europäische Energie- und Dateninfrastrukturen, ist sie ein potenzielles Ziel für Druckmassnahmen. «Die Neutralität bietet keinen Schutz vor hybriden Bedrohungen», warnt Breede. «Gerade Grauzonen-Angriffe entziehen sich klassischen Risikokategorien und das macht sie für Unternehmen schwer zu steuern und zu versichern.»

Wirtschaftliche Verluste auf zweithöchstem Stand seit 2020

75 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen 2026 finanzielle Verluste durch geopolitische Verwerfungen. Lieferkettenunterbrechungen (49 Prozent) sowie Handels- und Sanktionsmassnahmen zählen zu den häufigsten Schadensarten. Als Reaktion stieg die Nutzung von Political Risk Insurance auf 28 Prozent (Vorjahr: 18 Prozent); der Einsatz von Warenkreditversicherungen hat sich mehr als verdoppelt. Kilian Manz fasst zusammen: «Für global tätige Unternehmen nimmt die Unberechenbarkeit weiter zu. Sie müssen sich strategisch vorbereiten und zwar heute.»

Der Political Risk Survey 2026 von WTW und Oxford Analytica basiert auf Befragungen von 57 Führungskräften globaler Konzerne aus Europa, Nordamerika und Asien.


Tags: #Cyberattacken #Politische Toprisiken #Schweiz #Standortwechsel #Unternehmen #Wirtschaftliche Zwangsmassnahmen #Zölle