LBC Insurance Radar #10: Fachkräftemangel, Cyberrealität und Governance

Der Generationenwechsel, zunehmende Cyberbedrohungen und verschärfte regulatorische Anforderungen zwingen Versicherer, Broker und Vorsorgeeinrichtungen zu strategischer Klarheit. Wer kritisches Wissen nicht sichert, Risiken nicht systematisch steuert und Governance nicht konsequent stärkt, […]


LBC Insurance Radar #10: Fachkräftemangel, Cyberrealität und Governance.

LBC Insurance Radar #10: Fachkräftemangel, Cyberrealität und Governance

LBC Insurance Radar #10: Fachkräftemangel, Cyberrealität und Governance

Der Generationenwechsel, zunehmende Cyberbedrohungen und verschärfte regulatorische Anforderungen zwingen Versicherer, Broker und Vorsorgeeinrichtungen zu strategischer Klarheit. Wer kritisches Wissen nicht sichert, Risiken nicht systematisch steuert und Governance nicht konsequent stärkt, gefährdet seine Zukunftsfähigkeit. Organisationale Resilienz wird damit zur zentralen Führungsaufgabe.

Der demografische Wandel trifft die Versicherungsbranche substanziell. Mit dem schrittweisen Rückzug der Babyboomer-Generation droht ein erheblicher Verlust an implizitem Wissen, gewachsener Marktkenntnis und langjähriger Kundenbeziehungen. Die AXA begegnet diesem Risiko mit dem Programm «AXA Horizon». Pensionierte Fachkräfte bleiben projektbezogen als Mentoren, Coaches oder in klar definierten Mandaten eingebunden.

Strategisch ist das mehr als eine HR-Massnahme. Es handelt sich um strukturiertes Wissensmanagement mit kultureller Signalwirkung. Erfahrung wird nicht verabschiedet, sondern institutionell verankert. Gerade im Schweizer Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte knapp sind, gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Für Versicherer, Broker und Krankenkassen stellt sich damit die Frage, wie Know-how systematisch gesichert werden kann, bevor es im Generationenwechsel verloren geht.

Cyberrisiken als strategische Managementaufgabe

Parallel dazu verschärft sich die Cyberrealität. Eine Studie des Cyber Risk Intelligence Centers von Marsh in Kooperation mit der Universität St. Gallen hat untersucht, ob der Abschluss einer Cyberversicherung die Wahrscheinlichkeit eines Ransomware-Angriffs erhöht. Das Ergebnis ist eindeutig: Es gibt keinen empirischen Hinweis darauf, dass Cyberversicherungen Angriffe begünstigen.

Gleichzeitig zeigt der aktuelle Bundesbericht zur Cybersicherheit, dass kritische Infrastrukturen in der Schweiz im vergangenen Jahr 222 Cyberangriffe meldeten. Seit 2025 gilt zudem eine gesetzliche Meldepflicht für Cybervorfälle. Damit steigen Transparenz und Reaktionsfähigkeit, aber auch die Erwartungen an Governance und Compliance. Besonders betroffen sind IT-Dienstleister, Behörden sowie der Banken- und Versicherungssektor. Cyberrisiken sind damit kein isoliertes IT-Thema mehr, sondern Teil der unternehmerischen Gesamtverantwortung.

Broker zwischen Regulierung und Nachwuchssicherung

Auch im Brokerumfeld zeigt sich ein strukturelles Spannungsfeld. Die Weiterbildungspflicht sorgt bei erfahrenen Marktteilnehmern teilweise für Unmut, da standardisierte Vorgaben als wenig differenziert wahrgenommen werden. Die Sorge vor formalen Hürden oder einem faktischen Ausschluss aus dem Markt erhöht den Druck zusätzlich.

Gleichzeitig entstehen neue Ausbildungsmodelle. Ein Praktikumsmodell der Fachschule für Wirtschaft und Informatik in Winterthur ermöglicht KV-Lernenden nach gezielter Vorbereitung ein einjähriges Praktikum anstelle der klassischen dreijährigen Lehre. Für Unternehmen reduziert dies administrative Belastungen und eröffnet flexiblere Rekrutierungswege. Die Branche sucht damit ein neues Gleichgewicht zwischen Qualitätssicherung, regulatorischer Konformität und unternehmerischer Handlungsfähigkeit.

Governance unter Druck: Lehren aus Deutschland

Wie gravierend unzureichende Risikosteuerung sein kann, zeigt der Fall der Pensionskasse der Berliner Zahnärzte. Nach Verlusten von über einer Milliarde Euro infolge riskanter Anlageentscheidungen geriet das System in massive Schwierigkeiten. Der Vorgang löste eine Grundsatzdiskussion über die Angemessenheit bestehender Aufsichtsstrukturen aus.

Unabhängig von der konkreten regulatorischen Ausgestaltung verdeutlicht der Fall, wie zentral robuste Governance-Strukturen, wirksame Kontrollmechanismen und nachhaltige Anlagestrategien für die Stabilität von Vorsorgesystemen sind. Transparente Entscheidungsprozesse und konsequente Risikokontrolle sind keine Formalitäten, sondern Voraussetzung für Vertrauen.

Resilienz als strategische Leitlinie

Die Themen dieser Ausgabe des «LBC Insurance Radar» sind eng miteinander verknüpft. Wissenssicherung im Generationenwechsel, Cyberresilienz, regulatorische Balance im Brokerumfeld und solide Governance in Pensionssystemen folgen derselben Logik: Organisationen müssen ihre Strukturen so ausrichten, dass sie Stabilität gewährleisten und gleichzeitig adaptiv bleiben.

Wer Wissensmanagement, Risikosteuerung und Governance konsequent verbindet, schafft die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit und langfristigen Erfolg im Spannungsfeld zwischen Stabilität und Disruption, das die Versicherungsbranche zunehmend prägt.

Binci Heeb

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